Bad Königshofen im Grabfeld

Landkreis Rhön-Grabfeld: Falle schnappt zu: Kater gefangen

Für jeden Tierfreund ist es eine herzzerreißende Geschichte. Ein frei laufender Kater geriet mit seinem linken Hinterbein in eine Schlagfalle. Er verlor sein Bein.

Beim Stromern durch Wälder und Wiesen schlug die verhängnisvolle Falle zu. Irgendwo in und um Bad Königshofen im Grabfeld muss es passiert sein. Den genauen Ort kennt nur der Kater selbst. "Die Schlagfalle muss er eine ganze Weile am Bein mit sich herumgeschleift haben", sagt Luci Schröder, Tierpflegerin im Tierheim Wanningsmühle. Wie viele Stunden er damit unterwegs war, weiß niemand.

Tierarzt und 1. Vorsitzender des Jägervereins Bad Kissingen Helmut Fischer sagt: "Diese Verletzung dürfte es gar nicht geben. Da hat jemand Schindluder getrieben." Jäger müssten entweder Fallen verwenden, die das Tier sofort töten oder das Tier unversehrt fangen.

"Diese Falle sollte sofort töten. Aber sie tut es nicht", sagt Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtier von der Tierschutzorganisation Peta. Sie verweist als Beispiel auf den Kater.

"Das war nicht ordnungsgemäß", sagt Gertrud Helm vom Bayerischen Jagdverband. Da habe jemand die Falle nicht korrekt verwendet. Es gebe Lehrgänge, in denen Jägern genau gezeigt werde, wie Jagdfallen angewendet werden.

Jagdgesetz

Im Bayerischen Jagdgesetz ist festgelegt, dass Fallen regelmäßig von Behörden überprüft und so gekennzeichnet seien müssen, dass ihr Besitzer feststellbar ist. Alle fünf Jahre testet die Jagdbehörde die Fallen. "Sie überprüft, ob die Spannkraft der Falle noch funktioniert", sagt Gertrud Helm. Es gebe meist in den Jagdvereinen einen Fallenbeauftragten, der darauf einen genauen Blick habe. Außerdem muss der Behörde laut Jagdgesetz angemeldet werden, wann und wo ein Jäger eine Falle aufstellt.

Bei der Schlagfalle, die der Katze das Bein kostete, handelt es sich um ein Ei-Abzugeisen. Diese Falle ist legal in Bayern. Allerdings nur, wenn sie sich in einem Fangbunker, also einer Holzkiste, befindet. Wenn sie ohne Holzkiste aufgestellt wird, ist sie illegal. Ob das beim verletzten Kater der Fall war, kann niemand mit Gewissheit sagen.

Legale oder illegale Falle

Nadja Michler geht davon aus, dass es sich um eine illegal aufgestellte Falle handelte, also eine Falle, die ohne Holzbox einfach so herumlag. Sie schließt es aber nicht aus, dass der Kater sich auch aus einer Holzbox befreien konnte.

Jäger verwenden Schlagfallen, um damit Marder und Iltisse, manchmal auch Füchse, zu fangen. "Aber wie will man sicher gehen, dass nicht das falsche Tier gefangen wird?", fragt die Tierschützerin . "Die Falle muss so gebaut sein, dass der Einlass so klein und schmal ist, dass eine Katze nicht reinkommt", sagt Helm.

Wenn doch einmal ein Tier in eine Falle gerät, für das die Falle eigentlich nicht gedacht war, erfährt davon nur der Jäger . "Der Öffentlichkeit bleibt es verborgen, was mit den Tieren geschieht", sagt Michler. Die Tiere müssten von den Jägern nicht gemeldet werden. "Wir haben keine offiziellen Zahlen", sagt sie.

Aufgestellte Fallen müssen Jäger mindestens einmal am Tag kontrollieren. "Für Tiere bedeutet es einen enormen Stress, in diesen Fallen gefangen zu sein", sagt Michler. "Marder sterben oft vor lauter Stress an Herzversagen", berichtet sie. "Das ist eine Jagdform aus dem Mittelalter."

Gertrud Helm sieht das anders: In Fallen, die die Tiere unversehrt fangen, sei es finster. "Die Tiere werden ruhig."

Kater Hotzenplotz schaffte es, sich auf einen Hinterhof zu schleppen. Dort blieb er sitzen. Die Besitzer riefen beim Tierheim an. "Er war in einem sehr schwachen Zustand", erzählt Schröder, die den Kater aufsammelte und zum Tierarzt brachte. "Er hat sich gar nicht gewehrt, als ich ihn in die Transportbox gemacht habe." Das Bein ließ sich nicht mehr retten, sondern musste amputiert werden.

Passender Name

Die Tierpfleger haben sich einen passenden Namen für den Kater ausgedacht: Räuber Hotzenplotz. Über zehn Jahre Abenteuer hat der Streuner auf dem Buckel. "Er ist wohl ein richtiger Haudegen gewesen", sagt Schröder. Am rechten Ohr hat er eine Verletzung. Zur Verteidigung des Reviers musste der Kater so manchen Schlagabtausch einstecken.

Ob er mal eine feste Familie hatte, ist schwer zu sagen. Einiges spricht dagegen, denn Hotzenplotz war noch unkastriert und hatte keine Tätowierung im Ohr hatte. Das holte der Tierarzt nach.

Seit die Mitarbeiter vom Tierheim Wannigsmühle das Tier in ihre Obhut genommen haben, geht es dem Kater besser. "Er ist geimpft und sehr gepflegt", sagt Luci Schröder.

Auf den verbleibenden drei Beinen komme er erstaunlich gut zurecht, berichtet sie. "Er kommt super damit klar." Es komme ihr so vor, als ob er ganz normal laufe.

"Katzen sind sehr geschickt", sagt Tierarzt Dr. Helmut Fischer . Eine Katze könne gut mit drei Beinen leben. "Nur bei Streitigkeiten mit anderen Katzen kann er das Nachsehen haben, weil er sich zum Beispiel nur schwer auf einen Baum retten kann." Aber in einem Privathaushalt könne so eine Katze "ein biblisches Alter" erreichen.

Wer nimmt Hotzenplotz?

Es bleibt die Frage: Wer nimmt Hotzenplotz ? Bisher hat er noch keine Familie, zu der er könnte. "Eine Wohnungshaltung wäre auf jeden Fall nichts für ihn", findet Tierpflegerin Schröder. "Er will seinen Freigang. Ein großes Haus mit Hof wäre etwas." Hotzenplotz fordere Schmuseeinheiten ein: "Er kommt dann auf einen zu und wirft sich auf den Boden." Sehr gerne genieße er die Sonne und lasse sich am Bauch kraulen. "Er ist ein total lieber Kater. Sehr verschmust", sagt Schröder.

Hotzenplotz / Petition

Zuhause für Hotzenplotz

Hotzenplotz lebt im Tierheim Wanningsmühle, Zur Mühle 10, 97702 Münnerstadt

Telefon: 09766 1221

eMail: tierheim.wannigsmuehle@t-online.de

Totschlagfallen-Verbot

Die Tierschutzorganisation Peta hat eine Petition für ein bundesweites Verbot von Totschlagfallen organisiert. Die Petition mit über 50 000 Unterschriften für ein Verbot von Totschlagfallen haben im November 2019 die zuständigen Ministerien der zehn Bundesländer erhalten, in denen diese noch erlaubt sind. Es ist weiterhin möglich, für diese Petition zu unterschreiben. Siehe im Internet unter folgendem Link: https://www.peta.de/totschlagfallen-petition

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