DARMSTADT/LANGENDORF

Langendorfer will auf den OB-Sessel in Darmstadt

Er ist mit dem Radl da: Jochen Partsch verzichtet als Darmstädter Stadtrat auf den ihm zustehenden Dienstwagen.
Foto: Marc Wickel | Er ist mit dem Radl da: Jochen Partsch verzichtet als Darmstädter Stadtrat auf den ihm zustehenden Dienstwagen.

Die Grünen-Hochburg Langendorf könnte sich am Wochenende an einem besonderen Exportschlager erfreuen. Jochen Partsch will den Darmstädter Oberbürgermeister-Sessel erobern. Nach Einschätzung der Deutschen Presseagentur ist das Rennen zwischen Grünem, SPD- und CSU-Bewerber in der 143 000 Einwohner-Stadt offen. Insgesamt bewerben sich sechs Kandidaten.

In Langendorf erreichten die Grünen bei überregionalen Wahlen schon mal über 40 Prozent. In Darmstadt, der Wahlheimat von Partsch, lagen sie zuletzt bei 17 Prozent. Die Stadt wird von einer Ampelkoalition mit wechselnden Mehrheiten regiert. „Eine Prognose wage ich nicht“, sagt Partsch. Der Einzug in eine Stichwahl sei denkbar.

Chef von 500 Mitarbeitern

Die Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung (CDU und SPD je 21, Grüne 12) verhalfen Partsch 2006 zu einem Karrieresprung. Er steht als Stadtrat an der Spitze des Sozialdezernates. Damit hat er Verantwortung über 500 städtische Mitarbeiter im Bereich Soziales, Jugend, Arbeitsmarkt- und Integration. Sein Etat macht 120 Millionen bei einem städtischen Haushalt von 464 Millionen Euro aus.

Häufig ist Partsch in den Problembezirken der Stadt unterwegs. Eigentlich stehe ihm als Dienstwagen ein 5er BMW zu, sagt er. Darauf verzichtet er bewusst. „Mit dem Fahrrad bin ich schneller.“

Auf Sympathie und Wählerstimmen hofft Partsch auch bei den „bildungsaffinen Schichten“ der Wissenschaftsstadt Darmstadt.

Der gebürtige Langendorfer sorgt für Querverbindungen ins Saaletal. 1996 lud er Hans-Josef Fell in den Darmstädter Umweltausschuss ein und bereitete damit der kostendeckenden Vergütung für Solarstrom nach Hammelburger Muster den Weg. Dies sei in Darmstadt Keimzelle für kommunales Engagement in regenerative Energien gewesen, betont er. In Kürze werde eine Milliarde Euro investiert, sagt er.

Körperliche Energie braucht Partsch für die übrigen 15 Wahlkampftermine bis Sonntag. Auf 70 bis 80 Stunden beziffert er seine Arbeitswoche, danach geht es aktuell am Fernseher mit dem Weltgeschehen weiter. „Das ist nicht die Stunde für Rechthaberei“, bewertet der verheiratete Vater einer Stieftochter die Atomkatastrophe in Japan.

Erholung findet Partsch seit Kindheitstagen auf dem Fußballplatz. In Darmstadt zeigte er im Stadion bei Projekten gegen den Rassismus Profil. Lieblingsvereine sind der FC Bayern und der SV Langendorf, wo er selbst kickte. Etwa alle drei Monate besucht er seine Familie in dem Elferhäuser Ortsteil. Vielleicht feiert man dort das nächste Mal einen hessischen Oberbürgermeister.

Jochen Partsch

1962 in Hammelburg geboren, machte Partsch 1981 Abitur am Frobenius-Gymnasium. Er leistete Zivildienst in Göttingen und schloß sein Studium dort 1989 als Diplom-Sozialwirt ab. Nach einem Jahr im Kugelfischer-Zweigwerk Elfershausen war er von 1991 bis 1994 Marketingmitarbeiter bei Taylorix (Stuttgart) und engagierte ab 1995 auch an der Hochschule Darmstadt für Beschäftigungsförderung. 1983 war er Gründungsmitglied der Grünen im Landkreis Bad Kissingen und von 1997 bis 2006 Stadtverordneter in Darmstadt.

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