Bad Brückenau

Lichter der Betroffenheit

Zum 75. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges gab es in der Stadt eine Veranstaltung, die unter schwierigen Bedingungen geplant wurde. Gedanken zum 8. Mai waren zu hören und zu lesen.
Die Lichter brannten die ganze Nacht  Tanja Neubauer       -  Die Lichter brannten die ganze Nacht  Tanja Neubauer
Die Lichter brannten die ganze Nacht Tanja Neubauer

Auf dem Platz vor dem alten Rathaus war kaum das Glockengeläut beider großen Kirchen zur Gedenkfeier des 8. Mai verhallt, da eröffnete der neue Bürgermeister Jochen Vogel nach ein paar knappen, präzisen Begrüßungssätzen in seinem ersten größeren öffentlichen Termin den europäischen Horizont dieser Veranstaltung mit dem Zitat eines englischen Veteranen: "Take care of Europe" - ein Veteran des D-Day habe ihm auf die Schulter geklopft und diesen Satz tief in ihn eingeprägt. Solche Worte von solchen Männern selbst zu hören, habe eine "ganz andere Qualität". Wenn sie von europäischen Frieden sprechen, wissen sie von was sie sprechen, und lassen es uns spüren, was die Freiheit und der Friede in Europa ihnen gekostet hat. Der 8. Mai ist für uns der Auftrag, Europa weiterhin in Frieden und Freiheit zu gestalten und die Europäische Gemeinschaft zusammenwachsen zu lassen, hieß es weiter.

Schwierige Vorbereitung

Unter schwierigen "Corona-Umständen" war die Veranstaltung vorbereitet worden mit unzähligen Telefonaten von Diakon Kim Sell, Pfarrer Hans Thurn, Pfarrer Gerd Kirchner, Pfarrer Niels Hönerlage und Studiendirektor Dirk Hönerlage vom Franz-Miltenberger-Gymnasium . Das Team orientierte sich an der berühmten Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker aus dem Jahre 1985 über den Sinn, die Art und die Notwendigkeit des Erinnerns des 8. Mai. Weil keine Zentralveranstaltung im herkömmlichen Sinne und im großen angemessenen Stil in der Stadt möglich war, wurde die Idee umgesetzt, dass bereits um 17 Uhr auf dem Rathausplatz Kerzen zu den Themen der Veranstaltungen entzünden konnte. Im Laufe der kommenden Stunden gesellte sich Licht auf Licht dazu und die Friedenslichter brannten dann die ganze Nacht und brachten die ganze Zeit die vielen zum Ausdruck, die mitgedachten, aber nicht zur gleichen Zeit anwesend sein durften.

Die Sicherheitswacht unterstützte einen geregelten Verlauf der Gesamtveranstaltung, wobei sich die Anwesenden diszipliniert an die bekannte Vorgaben hielten. Am Boden waren weiträumig Gedanken zum 8. Mai ausgebreitet. Diese konnten die Besucher in Ruhe lesen. Um 19 Uhr wurden diese Gedanken noch einmal von Jochen Vogel , Dirk Hönerlage, Hans Thurn und Gerd Kirchner vorgetragen: "Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart", lautete ein Gedanke oder "aber die Vergangenheit darf dabei nicht einfach starr, kompakt, ritualisiert, abgeschlossen - also: tot - erscheinen, sondern die Erinnerung an die Vergangenheit muss eine wache bleiben und aktiv vollzogen werden. Nur eine wache Erinnerung ist eine lebendige Erinnerung, die in unserer Gegenwart zu spüren ist und neue Impulse freisetzt. Und solche Erinnerung kann auf ihre Weise dann auch für die Zukunft Wege der Versöhnung und des friedlichen Miteinanders eröffnen". Oder "Je ehrlicher wir diesem Tag begegnen, desto freier werden wir die Zukunft verantwortlich und in Freiheit gestalten".

Gemeinsame Stille

Immer spürbarer wurde für die Teilnehmer, der Auftrag, der für die Menschen in dem Vermächtnis dieses Tages und im Gewicht der vielen Leben, die für diesen Tag des Friedens in unserem Land und in ganz Europa geopfert wurden. Betroffenheit und Auftrag wurden in der gemeinsam getragenen Stille spürbar.

Mit Friedens- und Dankgebet und Segen durch Pfarrer Hans Thurn endete der offizielle Teil der Gedenkfeier . Viele blieben noch lange nach dem offiziellen Abschluss.

Die Lichter der Betroffenheit brannten auf dem Marktplatz die ganze Nacht, als Lichter des Dankes, des Betens und der Hoffnung des Friedens für unser Land in einem geeinten Europa. Die ganze Veranstaltung kann auf dem youtube-Kanal "Sonntagsandachten" der evangelischen Kirchengemeinde Bad Brückenau verfolgt werden.

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