Frankenbrunn

Magischer Ort in Frankenbrunn

300 Jahre Michaelskapelle feiern die Frankenbrunner am Wochenende, 26. und 27. Mai - aus organisatorischen Gründen am Feuerwehrhaus.
Peter Emmert (links) hat den Strahlenkranz des alten Bildstocks nachgeschnitzt. Bei der Einweihung kann dieser bewundert werden. Otto Granich (rechts) ist froh, dass diese Nachbildung wieder gezeigt werden kann.. Björn Hein
Peter Emmert (links) hat den Strahlenkranz des alten Bildstocks nachgeschnitzt. Bei der Einweihung kann dieser bewundert werden. Otto Granich (rechts) ist froh, dass diese Nachbildung wieder gezeigt werden kann.. Björn Hein
Die Michaelskapelle ist nicht nur für die Bewohner von Frankenbrunn ein beliebter Ort. Wenn man den mühsamen Aufstieg vom Dorf geschafft hat, sieht man sie in neuem Glanz erstrahlen. Der Platz an der so genannten Hallstatter Höhe ist perfekt, um die Seele baumeln zu lassen.

Vor kurzem wurden an der alten Einsiedelei, die direkt neben der Kapelle steht, Tafeln mit Informationen angebracht, die die Geschichte dieses Kleinods beleuchten. Pünktlich zum 300-jährigen Jubiläum sind die Arbeiten fertig. Die Rentnertruppe um Otto Granich sowie Gemeindemitarbeiter und zahlreiche weitere Helfer haben in monatelanger Arbeit 1200 Arbeitsstunden investiert und dafür gesorgt, dass dieses Fest würdig begangen werden kann. Bei der Feier am Wochenende, 26. und 27. Mai, steht die Michaelskapelle im Mittelpunkt.

Der Ort, der für die Frankenbrunner ein Identifikationssymbol ist, hat eine interessante Geschichte. Auch wenn die Anfänge im Dunkeln liegen, so informiert doch ein Schreiben aus dem 18. Jahrhundert darüber, dass sich bereits im 30-jährigen Krieg an dieser Stelle ein Bildstock befand. Der Sage nach soll ein Soldat oder Jäger mit seinem Gewehr jeweils einen Schuss in Richtung Sonne, Mond und dem Bildstock abgegeben haben. Dabei habe er das daran geheftete blecherne Bildnis des Gekreuzigten durchschossen, worauf Blut aus dem Bildstock geflossen sei.


Wie es scheint, ging der Bildstock in den Kriegswirren verloren und wurde erst 1695 wieder gefunden, gesäubert und aufgestellt. Zahlreiche Wunder sollen hier geschehen sein. So wird von zwei Lahmen berichtet, die nach dem Besuch des Bildstocks wieder gehen konnten. In dieser Zeit scheinen viele Kranke hierher gekommen zu sein - genaueres weiß man allerdings nicht.

Historisch konkret fassbar wird der Platz an der Michaelskapelle eigentlich erst mit dem Jahr 1709: Damals erhielt der evangelische Konvertit Josef Gros aus Bensheim die Erlaubnis, auf der Hallstatter Höhe eine Einsiedelei zu gründen, die heute noch unterhalb der Michaelskapelle steht. Die Legende besagt, dass dieser Josef Gros die Michaelskapelle mit eigenen Händen gebaut hat, doch mit Sicherheit hat er von zahlreichen Stellen Unterstützung erfahren. Anders hätte dieser kleine massive Saalbau mit oktogonalem Chor und Satteldach in dieser Perfektion nicht entstehen können.

Jedenfalls wurde der Bau 1718 vollendet, diese Jahreszahl ist auch an der Eingangspforte eingemeißelt. Am 26. Mai 1722 wurde der Bau durch Propst Franz von Calenberg eingeweiht. Josef Gros, der 1723 starb, wurde direkt neben dem Altar beigesetzt. Die Einsiedelei wurde dann noch von einem weiteren Eremiten bewohnt, seit 1784 ist sie jedoch unbesetzt.

Die Kapelle erfreute sich in der Folge großer Beliebtheit, nicht nur in der Gemeinde Frankenbrunn, sondern auch für die umliegenden Ortschaften Thulba, Reith, Obererthal und Hetzlos war sie von großer Bedeutung. In früheren Zeiten hielt der Pfarrer von Thulba dreimal jährlich dort Gottesdienst, wobei die Bewohner der anliegenden Ortschaften in Wallfahrten zum "Kirchle" zogen. Nach dem Ersten Weltkrieg legten die Frankenbrunner einen kleinen Gedenkfriedhof an. Für jeden Gefallenen wurde eine Stele aus Holz mit dem jeweiligen Namen aufgestellt. Otto Granich und seine Rentnertruppe haben jetzt neue Holzkreuze angebracht, um daran zu erinnern.

Der Freialtar um die wohl dreihundert Jahre alten Linden entstand im Jahre 1958. Der wundertätige Bildstock befand sich lange an diesem Ort, er war mit einem leidenden Christuskopf im Strahlenkranz sowie den fünf Wundmalen verziert. 1978 jedoch wurde die Kapelle aufgebrochen und zahlreiche Gegenstände gestohlen, darunter auch dieser Christuskopf. Der Fall konnte 1980 aufgeklärt und der Dieb gefasst werden. Der leidende Christuskopf blieb jedoch verschollen.

"Aus diesem Grund haben wir uns aufgrund einer Idee von Bürgermeister Gotthard Schlereth entschlossen, den Bildstock aus Holz nachbilden und wieder aufstellen zu lassen", so Otto Granich. Dabei hat man sich an Fotografien orientiert. Peter Emmert, der bereits die neue Michaelsstatue an der Kapelle angefertigt hat, wurde mit den Arbeiten betraut.

Er hat auch für das Rätsel der Wunderheilungen eine Erklärung. Er selbst ist Wünschelrutengänger und hat im Bereich der Kapelle und beim Freialtar heilende Strahlung ausgemacht. "Natürlich ist das Ganze aber auch eine Frage des Glaubens", gibt er zu bedenken.

Wie dem auch sei, die Michaelskapelle hat nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt. So wurde sie 2009 zur Gründungsstätte für die neue Pfarreiengemeinschaft "St. Michael im Thulbatal", die den Namen des Heiligen im Titel trägt. Und beim Jubiläum wird sie natürlich ebenso im Mittelpunkt stehen, das eigentlich gleich ein Dreifaches ist: 300 Jahre Kapelle, 200 Jahre bayerische Verfassung und 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg.

Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten können die Besucher nun die Michaelskapelle in Augenschein nehmen. Aus organisatorischen Gründen - bei der Kapelle die ganze Infrastruktur aufzubauen wäre zu aufwändig gewesen - findet der Festbetrieb am Feuerwehrhaus in Frankenbrunn statt. Los geht es am Samstag, 26. Mai um 17 Uhr mit einem gemütlichem Beisammensein. Ab 19 Uhr unterhält der Musikverein "Frohsinn Frankenbrunn". Grußworte sind für 19.30 Uhr angekündigt. Ab 20 Uhr hält Elmar Bürger einen Vortrag über die Geschichte der St. Michaelskapelle.

Am Sonntag, 27. Mai lässt man um 9 Uhr mit einer Sternwallfahrt zur St. Michaelskapelle die Wallfahrtstradition wieder lebendig werden. Um 9.30 Uhr ist dort Gottesdienst, wobei auch die St. Michaelsstatue gesegnet wird. Ein Standkonzert am Festzelt in Frankenbrunn schließt sich um 11.30 Uhr an, wobei es auch ein Mittagessen gibt. Ab 12 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen, um 14 Uhr findet ein Spielenachmittag mit der Katholischen Landjugendbewegung statt. Aus dem Holzbackofen gibt es ab 16 Uhr den Frankebrünner Plootz. Otto Granich zeigt an beiden Tagen eine Fotoausstellung, mit der die Baumaßnahmen an der Kapelle dokumentiert werden.

Und vielleicht ist es auch gar nicht schlecht, dass der Festbetrieb am Feuerwehrhaus stattfindet. So kann man dann anschließend noch zur St. Michaelskapelle hochwandern und dort die Ruhe und die Magie des Ortes erleben.

Weitere Informationen über die Michaelskapelle in Frankenbrunn gibt es im Internet unter www.michaelskapelle-frankenbrunn.de/

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