Bad Kissingen

Martin Frank begeistert das Publikum in Bad Kissingen

"Einer für alle - Alle für keinen!" lautet der Titel des Programms, das Martin Frank auf der Bühne mit gesundem Selbstbewusstsein präsentierte. Sein Humor ist schmerzfrei, aber nicht ohne Tiefgang.

Mit Martin Frank eröffnete ein amüsanter Geschichtenerzähler den Bad Kissinger Kabarettherbst, der die knapp 200 Gäste im Max-Littmann-Saal mit seinem skurrilen Blick auf Alltagsszenarien begeisterte. Dabei verstand er es meisterlich, unser teils seltsames Verhalten während der Corona-Pandemie einfließen zu lassen, ohne dabei oberlehrerhaft den Zeigefinger zu erheben.

In der Nähe Passaus geboren, auf einem Bauernhof aufgewachsen und schon früh der künstlerisch-musischen Richtung verfallen - der 28-jährige Niederbayer vereint Gegensätze in sich, die ihn entweder zum witzigen Stammtischler in einem Gasthaus in seinem Geburtsort Hutthurm oder zum lustigen Akteur im Amateurtheater befähigen oder - und das ist für alle Liebhaber von Kabarett und Comedy der bessere Weg - ihn zum unterhaltsamen, vielschichtigen und hintersinnigen Bühnenkünstler werden lassen. Mittlerweile füllt er die Hallen im deutschsprachigen Raum und hat auch in einschlägigen TV-Produktionen seinen Platz gefunden.

Ein gewisses Selbstbewusstsein kann man dem jungen, sympathischen Mann nicht abstreiten, wenn er zu einer Mischung aus Filmmusik und Musikantenstadl die große Bühne betritt, die weder Stuhl noch Tisch noch sonstige Utensilien hat - nur Martin Frank, der die Bühne mit seiner Präsenz ausfüllt und die 200 Gäste im weiten Rund anstrahlt und schon gleich den ersten Kalauer raushaut: "Ich bin froh, dass sie in echt da sind. In letzter Zeit habe ich Autokinos gespielt - da wurde ich zwei Stunden angehupt."

Mit seinem dritten Soloprogamm unter dem Titel "Einer für alle - Alle für keinen!" greift er in die niederbayrisch-autobiografische Kiste und erzählt vom Bauernhof und seinen Nachbarn ebenso wie von seinem Ausflug in die bayrische Landeshauptstadt, wo ihn Corona zur Heimkehr gezwungen habe. Pausenlos schüttelt er humorvolle Anekdoten mit tiefgründigen Wahrheiten aus dem Ärmel. Und so lässt er Oma über das "Homeoffice" sinnieren: "Kann man in Unterhose vor dem Laptop Geld verdienen?" Auch hier wieder der Nachsatz "Wenn man sie auszieht, dann scho", der daraus einen Scherz macht, der grenznah ist, aber Grenzen nicht überschreitet.

Es ist ein Merkmal von Franks 90-minütigem Auftritt, dass sein Humor alltagstauglich ist, dass jeder ohne schlechtes Gewissen lachen kann, dass er nicht auf Kosten anderer grantelt - und trotzdem auch zum Nachdenken anregt. Dabei greift er zum Beispiel auf seine "Bauernhof-Erfahrung" zurück, wo täglich "ein totes Tier" auf dem Mittagstisch zum Verzehr bereitsteht und selbst in einer Gemüsepfanne nach den Fleischstücken gesucht wird - "Muss es aber rohes Fleisch aus Brasilien sein?" "Da kann ich mir auch den Karneval aus Rio anschauen."

Martin Franks Humor ist schmerzfrei, aber nicht ohne Tiefgang, wenn er über Alpakas sinniert, mit denen man für 60 Euro pro Stunde kuscheln oder spazieren gehen kann, oder wenn er über Organspende mit Widerspruchslösung nachdenkt und dabei andere Länder anführt, "in denen man für die Organspende nicht mal tot sein muss". Alltagsszenen stehen im Mittelpunkt von Martin Franks Humor , wenn er über die datenschutzrechtliche Einverständnisklärung fabuliert, bevor man ein Erinnerungsfoto vom Einschulungstag machen darf und auf der anderen Seite "Alexa alles versteht, außer dem Wörtchen Datenschutz".

Ergänzt wurden die Geschichten durch Arien wie "O Sole Mio" oder "Dein ist mein ganzes Herz" (aus "Land des Lächelns "), die die Vielseitigkeit des Künstlers zeigten. Die Zuschauer reagierten mit herzlichem Gelächter und bedanken sich mit begeistertem Applaus bei dem sympathischen Niederbayern, der sehr authentisch am Ende ein Plädoyer für eine menschliche Gesellschaft und für multikulturelle Vielfalt hielt.

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