Münnerstadt

Mit 16 Jahren Chef auf dem Hof

Er war der jüngste Stadtrat in Bad Kissingen, hat zehn Kinder und 26 Enkel und weiß einiges zu berichten: Otto Funck war im Erzählcafé zu Gast.
Monika Fritz und Otto Funck nahmen zum Abschluss der Aktion ein 'Bett im Kornfeld' im Jahr 2011 selbst noch einmal Platz. Bad Kissingen war damit um eine Attraktion ärmer. Jetzt sprach Otto Funck im Erzählcafé in Münnerstadt darüber.Bartl       -  Monika Fritz und Otto Funck nahmen zum Abschluss der Aktion ein 'Bett im Kornfeld' im Jahr 2011 selbst noch einmal Platz. Bad Kissingen war damit um eine Attraktion ärmer. Jetzt sprach Otto Funck im Erzählcafé in Münnerstadt darüber.Bartl
Monika Fritz und Otto Funck nahmen zum Abschluss der Aktion ein "Bett im Kornfeld" im Jahr 2011 selbst noch einmal Platz. Bad Kissingen war damit um eine Attraktion ärmer. Jetzt sprach Otto Funck im Erzählcafé in Münnerstadt darüber.Bartl

Otto Funck ist auf dem Giebelhof im Bad Kissinger Stadtteil Hausen zu Hause, aber er kennt sich auch in Münnerstadt aus. Darauf deutet seine Bemerkung hin als er beim letzten Erzählcafé vor der Sommerpause in Sankt Michael auftritt: "Wenn es Ihnen zu lustig wird, was ich heute, am Aschermittwoch, erzähle, dann denken Sie einfach an ihr Hallenbad". Der 75-jährige Landwirt und Kommunalpolitiker im Ruhestand ist bzw. war unter anderem Feldgeschworenen-Obmann, Mennonitenprediger, Schöffen und Mitinitiator des Freilufthotels "ein Bett im Kornfeld", um nur einige wenige seiner früheren und jetzigen Ämter und Funktionen zu nennen. "Wir kennen uns seit Mitte der 90-er Jahre, wir haben gemeinsam für die Sache der Freien Wähler gekämpft", hieß Eugen Albert seinen Freund und politischen Weggefährten willkommen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm, dass ihm Funk am Tag nach seiner Wahl zum Münnerstädter Bürgermeister im Jahr 1996 eine größere Menge gekochter Eier schenkte, eingefärbt in den Freie-Wähler-Farben Grün und Orange - "diese Szene werde ich nie vergessen".

Otto Funck erzählte, dass seine Eltern den Giebelhof zuerst pachteten und im Jahr 1940 kauften, allerdings ohne das Herrschaftshaus, in dem die bisherige Eigentümerin des Hofes blieb. Unter Berufung auf die Wiedergutmachungsgesetze verklagte diese Anfang der 1950er Jahre seinen Vater, er hätte ihr den Hof "für einen Apfel und ein Ei abgeluchst". Der Vater konnte nachweisen, dass er nur den Hof ohne das Herrschaftshaus gekauft hatte, die Klage wurde abgewiesen. Doch 1951 erkrankte er und starb 1958. Als 14-Jähriger musste Otto Funck deshalb zusammen mit seiner Mutter den Hof mit zehn bis zwölf Kühen und 38 Hektar Land bewirtschaften. "Mit 16 war ich der Chef des Betriebs" erzählte er nicht ganz ohne Stolz. Er wirtschaftete damals noch mit Pferden und Kühen, die Dreschmaschine wurde tageweise geliehen.

Um 1960 ging es richtig aufwärts mit dem Betrieb. Maschinen bis hin zum Mähdrescher wurden angeschafft. Er konzentrierte sich auf Ackerbau mit Raps und Weizen und hatte schließlich 138 Hektar Land zu bewirtschaften. "Ich merkte auch, dass Legehennen ein Zweig sind, mit dem man Geld verdienen kann", erzählte er. Die Eier der 10 000 Hennen vermarktete er privat - "als Eiermann bekam ich sehr viel Kontakt zu den Leuten".

Bundesweit bekannt

Schlagzeilen über das "Bett im Kornfeld" machten ihn bundesweit bekannt. Zusammen mit Monika Fritz eröffnete er im Jahr 2001 ein "Open-Air-Hotel". Auf Focus online hieß es fünf Jahre später "in Bad Kissingen steht das erste Open-Air-Hotel Deutschlands". In die gewachsene Fläche eines Weizenfeldes wurden auf 2000 Quadratmetern "Wege" und "Zimmer" hinein gemäht. Die 20 Schlafmöglichkeiten waren drei mal drei Meter große Liegeflächen, über die zum Schutz vor Sonne und Regen ein Pavillondach gespannt war. Trotzdem blieb genug Raum, um den Sternenhimmel und den Sonnenaufgang zu genießen. Anfangs kamen sieben bis zehn Gäste pro Jahr, am Schluss um die 200 und das "Hotel" war ausgebucht. Nach zehn Jahren war Schluss, unter anderem aus Altersgründen, "kein anderer wollte es weiterführen". Den Gewinn aus dem Hotel-Betrieb bekam die Stadtjugendarbeit, darauf legt Otto Funck wert. Noch etwas erwähnt er: "Alle Behörden haben mitgespielt und uns in Ruhe gelassen".

Große Schar an Kindern und Enkeln

Im Jahr 2005 verpachtete Otto Funck den Giebelhof. Funck erzählte auch etwas über sein Privatleben. Seine erste Frau, mit der er acht Kinder hatte, von denen sieben leben, starb im Jahr 1984 mit nicht einmal 41 Jahren. Mit seiner zweiten Frau, die er 1986 heiratete, hat er noch einmal zwei Kinder. Als er erwähnte, dass zu seinen acht lebenden Kindern nicht weniger als 26 Enkel kommen, applaudierten seine Zuhörer. "Jeder bekommt beim Geburtstag eine Glückwunschkarte mit einem kleinen Geldbetrag drin", darauf legt er Wert.

Er kam als jüngster und blieb 42 Jahre im Stadtrat

Mit der Feststellung "Bei der Stadtratswahl 1972 haben alle um mich geworben" leitete Otto Funck zu seinem kommunalpolitischen Engagement über. Er entschied sich für den Kissinger Block, den Vorläufer der Freien Wähler . "Es gab ein Hauen und Stechen, wer auf welchen Platz kommt", erinnert er sich. Er wurde auf Anhieb gewählt und war mit 28 Jahren das jüngste Mitglied im Stadtrat. Volle 42 Jahre blieb er Mitglied, bis er 2014 nicht mehr kandidierte. Er erlebte fünf Oberbürgermeister. "Bei Hans Weiß hatten wir wenig zu melden, Christian Zoll hat uns ernster genommen", erinnert er sich. Er war Fraktionssprecher der Freien Wähler und die letzten sechs Jahre seiner Amtszeit Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss. "Da habe ich Einblicke bekommen, die ich vorher 30 Jahre lang nicht hatte", erklärte er .

1996 wurde er zusätzlich in den Kreistag gewählt und gehörte dort dem Finanzausschuss und dem Kreisausschuss an. Eines ärgert ihn noch heute: "Der Stadtrat und der Kreistag wollten das Landratsamt oben in den Kasernen haben, aber die Häuser dort wurden vorher absichtlich mit einer Übung der Feuerwehr durch Brandbomben kaputt gemacht". 2014 kandidierte er auch für den Kreistag nicht mehr.

Noch immer aktiv ist er im Predigtdienst der Mennonitengemeinde Bad Königshofen, die seit dem Jahr 1800 besteht und etwa 40 Gemeindemitglieder hat ( www.mennoniten.de/gemeinden/verband/koenigshofen < http://www.mennoniten.de/gemeinden/verband/koenigshofen > ). In ganz Deutschland sind es rund 40 000. "Die Mennoniten sind vom Ursprung her die älteste Freikirche", betonte Funck. Der Reformator Martin Luther habe die Kindertaufe, die kirchliche Hierarchie und den Eid beibehalten. Das lehnten die Mennoniten ab, die deshalb als "Wiedertäufer" grausam verfolgt worden seien. "Bei uns gibt es das allgemeine Priestertum ohne Hierarchie. Wir verweigern den Wehrdienst. Ein wichtiger Grundsatz für uns ist das selbstlose Helfen", erläuterte Otto Funck.

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