LKR Bad Kissingen

Mit 190 Prozent gegen Corona: Das Gesundheitsamt in Bad Kissingen

Seit Beginn der Corona-Pandemie schauen alle auf die Staatlichen Gesundheitsämter. Welche Aufgaben haben die Mitarbeiter neu übernommen? Wie sieht ihr Alltag aus?
Dr. Ingo Baumgart ist der Leiter des Gesundheitsamtes in Bad Kissingen. Foto: Ellen Mützel       -  Dr. Ingo Baumgart ist der Leiter des Gesundheitsamtes in Bad Kissingen. Foto: Ellen Mützel
| Dr. Ingo Baumgart ist der Leiter des Gesundheitsamtes in Bad Kissingen. Foto: Ellen Mützel

Das Gesundheitsamt arbeitet normalerweise eher im Verborgenen. Durch Corona rückte es ins Licht der Öffentlichkeit. Das Personal kommuniziert mit den Bürgern , informiert aber auch Ärzte und Labore, bespricht sich mit dem Landratsamt sowie intern.

Medizinaldirektor Dr. Ingo Baumgart ist der Leiter des Gesundheitsamtes Bad Kissingen und Chef von 21 Mitarbeitenden. Sie arbeiten in Voll- oder Teilzeit, sind angestellt oder verbeamtet. Als Teil des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat das Amt die Aufgaben, die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten und zu fördern, sowie gesunde Lebensbedingungen zu schaffen und zu erhalten.

Flexibilität und Phantasie

Die gelernte Arzthelferin Anita Schmitt gehört zum Stammpersonal. Sie vergleicht derzeitige Tätigkeiten mit der Tuberkuloseüberwachung: Woher kommt die Ansteckung, wer sind Kontaktpersonen? "Vom Ablauf her ist Corona nichts Neues", sagt sie. Eine solche Situation habe sie jedoch noch nie erlebt.

Matthias Kleinhenz meint: "Man könnte einfach sagen, dass das Gesundheitsamt die politischen und ministeriellen Vorgaben im Landkreis umgesetzt hat. Das würde aber der Realität nicht wirklich auch nur annähernd gerecht." Laut Kleinhenz musste das Team nicht nur belastbar, phantasievoll und flexibel sein; die Pandemie habe auch "ein gehöriges Maß an Frustrationstoleranz" gefordert.

Kleinhenz gehört zur dreiköpfigen Gruppe des Hygienefachdienstes. Eine der Aufgaben, die sich ihr stellen, ist es, Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Sie spielt daher bei Corona eine zentrale Rolle. Die Team-Mitglieder kümmern sich telefonisch und persönlich um die Belange der Bürger .

Während der Pandemie

Monika Scheuplein macht mit drei Kolleginnen normalerweise die Schuleingangsuntersuchung. Ihre Aufgaben seit März: "Es mussten Corona-Positive informiert, belehrt und nach Kontaktpersonen befragt werden." Die vier informierten ebenso die Kontaktpersonen, klärten sie über Verhaltensregeln auf und ordneten Quarantäne an.

Zusammen mit einigen niedergelassenen Ärzten und anderen Stellen betreibt das Gesundheitsamt die Teststrecke in Oerlenbach. Je einer von drei externen Ärzten ist dort vor Ort und nimmt Abstriche. Die Angestellten des Amtes koordinieren die Termine an der Teststrecke, kontrollieren den Ablauf und bringen die Tests zum Labor.

Sind die Ergebnisse am Wochenende nicht rechtzeitig zurück, verbringt das im Amt wartende Team aus Arzt, Hygienekontrolleur, Sozialmedizinischer Assistentin und Arzthelferin den Samstagabend dort. Währenddessen sichten sie Mails oder beantworten Fragen am Bürger- oder Coronatelefon.

Als das Corona-Virus sich in Deutschland auszubreiten begann, telefonierten die fünf Ansprechpartnerinnen des Amtes mit Bürgern und Hausärzten. Es ging um Material für Testungen, Infos oder Anregungen.

Später richtete das Landratsamt das Bürgertelefon ein. Vor Corona reichte die Ansprechpartnerin Melanie Genzler voll aus. Beispielsweise beantwortete sie Fragen zum neuen Masernschutzgesetz.

Der Alltag im Amt

Außerhalb des Corona-Alltags geht das Personal beispielsweise Meldungen aus der Bevölkerung über verwahrloste Wohnungen nach. Sozialpädagogen wie Harald Bohne bemühen sich "in solchen Fällen darum, ein Versorgungssystem für diejenigen aufzubauen, die sich selbst darum nicht mehr kümmern können." Zu seinen Aufgaben gehört auch die Schwangerenberatung.

Mit drei Kolleginnen führt er die staatlich anerkannte Beratungsstelle bei Schwangerschaftsfragen.

Rainer Müller ist ebenfalls Sozialpädagoge und zuständig für Gesundheitsförderung und Prävention. Corona hatte seine Arbeit ausgebremst: Sie war in den Schulklassen und Gruppen nicht mehr machbar. Daher nutzte er die Zeit, um sein Konzept auszuwerten und zu überarbeiten.

Wie Serpil Renninger erzählt, Ärztin und stellvertretende Leiterin der Behörde, arbeiteten vor sowie während der Corona-Zeit verschiedene Berufsgruppen zusammen. Beispielsweise beurteilte das Personal die Alten- und Pflegeheime des Landkreises aus ärztlicher, pflegerischer, hygienischer und sozialpädagogischer Sicht.

Verdopplung des Amtes

Um für Corona gewappnet zu sein, kam Verstärkung aus anderen Behörden. Mittlerweile hat der Bund den Gesundheitsämtern Unterstützung zugesagt. Künftig sollen zusätzlich drei Stellen im ärztlichen Bereich, drei für die Hygiene, drei für die sozialmedizinischen Assistentinnen und eine für die medizinische Verwaltung geschaffen werden.

Das Contact-Tracing-Team wurde (Kontaktverfolgungs-Team) um zehn Personen vergrößert. Insgesamt sollen also 20 neue Stellen zu den 22 bestehenden hinzukommen; Vorstellungsgespräche laufen bereits. Somit hat das Gesundheitsamt bald eine 190-prozentige Besetzung. Ein Teil des Personals werde daher im Landratsamt untergebracht. Die Stellen seien vom Freistaat getragen und vorerst befristet. Die Regierung von Unterfranken (also der Freistaat Bayern) entscheide, wie viele davon unbefristet verlängert werden, heißt es aus dem Landratsamt.

Mit einer Corona-Impfung wäre das Gesundheitsamt wieder beteiligt: Impfberatung ist ein großes Anliegen des Amtes. "Eine kleine und sicherlich gut ausgetestete Impfung würde recht schnell alle Einschränkungen in beruflicher, persönlicher und sozialer Hinsicht vergessen lassen", zeigt sich Dr. Baumgart zuversichtlich.

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