Bad Kissingen

Mit Geschick und Feingefühl

Die Arbeit am lebenden Tier erfordert viel Einfühlungsvermögen von einem Hufschmied: Das Verständnis für die Tiere ist ebenso wichtig wie das handwerkliche Geschick.
Ein neues Hufeisen wird angepasst.  Fotos: Bastian Reusch
Ein neues Hufeisen wird angepasst. Fotos: Bastian Reusch

Seit Jahrtausenden dient das Pferd dem Menschen als Nutztier. Ob zum Überwinden großer Entfernungen oder dem Bewirtschaften landwirtschaftlicher Flächen, ohne die Vierbeiner wären viele historische Entwicklungen sicherlich anders gelaufen. Doch die zunehmende Belastung erforderte ebenso eine besondere Form der Pflege, denn beispielsweise Hufprobleme machten den Tieren zunehmend zu schaffen. Um den Beginn unserer Zeitrechnung entwickelten die Römer schließlich eine Art Pferdesandale, die letztlich durch aufgenagelte Eisen ersetzt wurden. Dieser Einfluss kam von den Kelten aus dem Mitteleuropäischen Raum.

Der Hufschmied, oder heute vornehmlich Hufbeschlagschmied, wurde zu einem etablierten wie anerkannten Beruf. Immer noch braucht es die Hufpfleger, wie Tobias Wick aus Bad Kissingen zu berichten weiß: "Im Prinzip hat sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht wirklich viel verändert. Allerdings ist die Arbeit heutzutage viel feiner geworden, man beschlägt kaum noch Ackergäule, vielmehr Sportpferde."

Es gilt also immer noch die Hufe für das passende Eisen auszuschneiden, das anschließend bis zu acht Wochen auf dem Huf sitzt. Wirklich zu Schmieden sei heute aufgrund des großen Angebotes an fertig kaufbaren Eisen kaum noch nötig, meint Wick. Anpassungen an den Huf könne man zum Teil sogar direkt vor Ort vornehmen, ohne die Eisen zu erhitzen, "das ist allerdings ein ganz schwieriges Thema in der Branche selbst", gibt der Schmied zu. Wie sehr den Handwerker selbst die Standardmaterialien einschränken, wurde ihm selbst deutlich, beispielsweise für das Deutsche Team bei der Schmiedemeisterschaft Stoneleigh Park: "Das sind schon immense Eindrücke und man sieht da erst, wie viel man eigentlich machen kann. Die Eisen aus dem Karton sind sehr gut, aber vieles ist einfach vorgegeben."

Im Mittelpunkt steht das Tier

Im Mittelpunkt steht laut Wick stets das Tier: "In meinem Beruf geht es darum, das Pferd möglichst lange gesund zu erhalten. Als Hufschmied kann man da viel Einfluss nehmen." Das Verständnis für die Tiere ist ebenso wichtig wie das handwerkliche Geschick. Für Wick ist von Vorteil, dass er nicht aus dem Schmiedeberuf an sich kommt: "Bei mir war nach der Schule die Frage, was ich machen soll. Da meine Familie schon immer Pferde hatte, habe ich viel meiner Jugendzeit sowieso im Stall verbracht." Eine Ausbildung zum Pferdefachwirt war die logische Folge.

Die Arbeit mit dem Metall kam im Nachhinein: "Früher war es die Vorgabe, dass man aus einem Metallberuf kommen musste, das wird heute nicht mehr so strikt gehandhabt." Für den 27-Jährigen ist Talent neben der Erfahrung genauso wichtig wie ein unbändiger Lernwille: "Ich bin früher in meiner Freizeit bei Kollegen mitgefahren, um etwas dazuzulernen. Perfekt ist man nie, verschiedene Schmiede haben eben verschiedene Spezialisierungen."

Der Nachwuchs fehlt

Dennoch tut sich ein gelernter Pferdefachwirt nach Wicks Meinung in der Arbeit am lebenden Objekt schon leichter. Pferde seien sensible Tiere. Sie können durchaus sehr verschieden sein: "Manche sind äußerst sensibel, andere ängstlich und wieder einige schlichtweg blöd (lacht)." Über die Jahre entsteht eine Beziehung zwischen dem Schmied und dem Tier, die Behandlung wird für beide zur Routine. "Ich habe auch den Eindruck, dass die Tiere wissen, dass es ihnen stets besser geht, wenn ich bei ihnen war", so Wick.

Dennoch sei vieles vom Umfeld beim Beschlagungsvorgang abhängig. "Wenn außenherum schon alles chaotisch zugeht, dann steht natürlich auch das Pferd nicht ruhig. Man bekommt nicht oft eine verpasst, allerdings wenn, dann aufgrund der äußeren Umstände", beschreibt der Schmied. Obwohl die Auftragslage aktuell sehr gut ist, sieht es auch bei den Hufschmieden im Nachwuchsbereich nicht gut aus. Das liege laut Wick aber nicht nur am Beruf: "Ich habe schon einige Veranstaltungen in der Nachwuchsarbeit des Verbandes organisiert und bin oft traurig, wenn ich sehe, mit welchem Werkzeug die Lehrlinge da ankommen. Viele werden als billige Arbeitskräfte missbraucht, weil der Druck als Unternehmer für die Schmiede einfach sehr hoch ist."

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