Motten

Motten: Drei Damen führen Regie

Drei Bürgermeisterinnen hat die Rhöner Gemeinde Motten. Doch so außergewöhnlich finden sie das gar nicht und wünschen sich eine breitere Beteiligung an politischen Themen - nicht nur bei Frauen.
Bürgermeisterin Katja Habersack (links) ist seit Mai im Amt. Ihr zur Seite stehen 2. Bürgermeisterin Ute Becker (rechts) und 3. Bürgermeisterin Lena Böhm. Foto: Ulrike Müller       -  Bürgermeisterin Katja Habersack (links) ist seit Mai im Amt. Ihr zur Seite stehen 2. Bürgermeisterin Ute Becker (rechts) und 3. Bürgermeisterin Lena Böhm. Foto: Ulrike Müller
| Bürgermeisterin Katja Habersack (links) ist seit Mai im Amt. Ihr zur Seite stehen 2. Bürgermeisterin Ute Becker (rechts) und 3. Bürgermeisterin Lena Böhm. Foto: Ulrike Müller

Drei Frauen an der Spitze der Kommunalpolitik : Fast schon habe sie darauf gewartet, dass eine Presseanfrage kommt, stellt Ute Becker (WG Motten ) trocken fest. "Wenn es drei Männer wären, würde kein Hahn danach krähen." Seit 24 Jahren sitzt sie im Gemeinderat , übernimmt seit 18 Jahren ehrenamtlich die Aufgaben der 2. Bürgermeisterin. Seit Mai ist auch das hauptamtliche Ortsoberhaupt erstmalig eine Frau.

"Es ist wirklich eine Männerwelt", erzählt Katja Habersack (parteilos). Sie und die Thundorfer Bürgermeisterin Judith Dekant (WGR) sind die einzigen beiden Frauen in der Riege der 26 Bürgermeister im Landkreis. "Aber stört dich das?", fragt Becker. "Ich bin ja nicht neu in der Führung", antwortet diese. Dass in den oberen Etagen in der Regel mehr Männer als Frauen zu finden sind, kenne sie schon.

Bevor die Mottener die 44-Jährige ins Rathaus wählten, leitete Habersack die Ausländerbehörde Fulda. Dort hatte sie 30 Mitarbeiter unter sich. In Motten sind es elf. Kurze Wege und direkt anpacken zu können, das seien die größten Unterschiede zu ihrer vorherigen Arbeit, sagt sie. "Das macht vieles so greifbar, so unmittelbar. Da bekommen die Dinge ein Gesicht."

Zum Stillen aus der Sitzung gehen

Die Jüngste der Runde ist Lena Böhm (FW Ko-Mo-Sp). Als sie angesprochen wurde, ob sie sich als Gemeinderätin aufstellen lassen würde, war sie Mitte 20. Sie sagte zu und die Bürger wählten sie in den Gemeinderat . "Das hat mich total überrascht", sagt sie. Sechs Jahre brachte sich Böhm als Jugendbeauftragte der Gemeinde ein.

Heute hat die 31-Jährige einen anderthalbjährigen Sohn und arbeitet in Teilzeit beim Landkreis Fulda als Sozialpädagogin. Seit Mai ist sie 3. Bürgermeisterin. "Ohne meinen Mann und meine Eltern würde es nicht so gut funktionieren", sagt sie. Der damalige Bürgermeister habe zuvorkommend reagiert, als sie ganz frisch Mutter geworden sei. So habe sie beispielsweise die Sitzungen verlassen können, wenn das Kind gestillt werden musste.

Auch bei Absprachen mit den anderen Bürgermeisterinnen stoße sie auf viel Verständnis: "Sie sagen zu mir: Mach' du einen Terminvorschlag. Für dich ist es am schwierigsten." Und so arrangiert sich das Mottener Dreigestirn. Vorbehalte, weil sie eine Frau sei, habe sie als Bürgermeisterin bisher noch nicht gespürt, sagt Habersack. Weder in der Verwaltung noch bei den Bürgern.

Keine Frage des Geschlechts

Nur einmal, da sei sie gefragt worden, ob sie nun eine Putzfrau beschäftige, erzählt Habersack. "Den Jochen hat so etwas wohl nie jemand gefragt." Ihr Vorgänger ist verheiratet. Die aktuelle Bürgermeisterin hat keinen Lebenspartner. Als Becker angefangen hat, sich in der Kommunalpolitik einzubringen, tickten die Uhren im Land vielerorts noch anders.

Ist in Motten eine neue Zeit angebrochen, nun, da eine Frau die Gemeinde führt? "Eigentlich nicht", antwortet die 2. Bürgermeisterin. "Mit Jochen Vogel , das war eine andere Zeit. Das war ein ganz anderer Führungsstil, eine ganz andere Kommunikation", blickt sie zurück. Der Politik-Neuling legte damals ein modernes Amtsverständnis an den Tag. Die drei Frauen führen diese Tradition jetzt weiter.

Für Habersack spielt das Geschlecht ohnehin nicht die wichtigste Rolle. "Nicht ein Mann oder eine Frau kann etwas besser oder schlechter", sagt sie überzeugt. "Wenn der Blickwinkel von Mann und Frau ausgewogen ist, bereichert das immer eine Diskussion." Die junge 3. Bürgermeisterin ergänzt, dass es nicht nur darum gehen könne, dass sich mehr Frauen kommunalpolitisch einbringen. "Was ich auch wünschenswert fände, wenn sich mehr junge Menschen engagieren", sagt Böhm. Egal ob Frau oder Mann .

26 Kommunen gehören zum Landkreis Bad Kissingen. Nur in zweien führen Bürgermeisterinnen die Amtsgeschäfte.

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