Münnerstadt

Münnerstadt: Ein buntes Bild voll von Menschen

Seit der Uraufführung im Jahr war die Stärke der verschiedenen Gruppen beim Heimatspiel starken Schwankungen unterlegen. Besonders betroffen waren und sind die wichtigen Schnitter.

Die gute Nachricht zuerst: Bei den Aufführung des Heimatspiels "Die Schutzfrau von Münnerstadt " am 25. August, 1. und 8. September werden genügend Schnitter für ein buntes Bild auf dem Anger sorgen. "Prinzipiell können wir immer Schnitter gebrauchen", sagt die Vorsitzende der Heimatspielgemeinde, Claudia Kind. Die Gruppe sei zwar ganz passabel, könne aber gerne aufgestockt werden, da wegen der Urlaubsausfälle nie alle da sind, meint auch Claudia Skuppin, die die Gruppe leitet. Im Großen und Ganzen ist Claudia Kind mit der Anzahl der Heimatspieler in den verschiedenen Gruppen zufrieden. "Wir haben zwei Buben als Scholaren gewinnen können, die das Gedicht aufsagen", freut sie sich. Und auch drei neue Stadtknechte werden die Heimatspielgemeinde bereichern. Ein Zuwachs, der gerne gesehen wird. Denn es hat immer wieder auch Einbrüche gegeben. So beispielsweise 1969, also vor 50 Jahren.

Es klang fast wie ein Hilferuf: "Die Aufstellung der Schnittergruppe für das bevorstehende Heimatspiel bereitet auch in diesem Jahr wieder erhebliche Schwierigkeiten. Trotz schriftlicher und persönlicher Einladung haben sich bis heute lediglich sechs Mädchen und zwei Burschen für die Mitwirkung zur Verfügung gestellt", war Anfang August 1969 in der Zeitung zu lesen. Es folgte ein Appell an die Jugendlichen ab 15 Jahren, sich doch noch für "die schöne und dankbare Aufgabe" zu melden.

Als dieser Aufruf in der Zeitung stand, war Bruno Eckert, von 1972 bis 2017 Vorsitzender der Heimatspielgemeinde, den Schnittern bereits entwachsen. Er weiß am besten, welch Schwankungen die Gruppen in all den Jahren ausgesetzt waren. "Bei uns lief es noch anders", sagt er. Es war im Jahr 1960, als der Amtsbote Ferdinand Schmitt an die Tür des elterlichen Hauses klopfte. Bruno Eckert weiß noch, dass der stattliche Mann sein Haupt senken musste, um sich nicht zu stoßen. Oma Marie war gerade zuhause, die Botschaft war kurz und bündig: "Marie, euer Junge macht jetzt beim Heimatspiel mit." Die Oma unterschrieb, dass sie informiert worden war. Es gab noch Informationen, wann und wo die Probe der Schnitter stattfand. Das war's. Dann saßen sich die Mädchen und Buben in der Rathausdiele gegenüber, fanden sich selbst zu Paaren oder wurden eingeteilt. Fortan war Bruno Eckert Schnitter.

Die Schwankungen in der Schnittergruppe hatte auch mit dem Alter der Mitglieder zu tun. Früher spielten Moralvorstellungen eine große Rolle. Deshalb mussten die Schnitter in den Anfangsjahren über 20 sein, sagt Bruno Eckert. Man wollte verhindern, dass junge Leute miteinander anbandelten. Später wurde das Alter auf 16 gesenkt, dann gab es Zeiten, bei denen die Schnitter noch jünger waren. Und es sei eben schwierig, Kinder und Jugendliche als Schnitter zu gewinnen, weil die ja auch tanzen. Mädchen seien noch eher dazu bereit, bei Buben werde es extrem schwierig. Als Claudia Skuppin angefangen hat, musste man 16 sein und einen männlichen Tanzpartner mitbringen. Später haben dann in Ermangelung von Burschen Mädchen mit Mädchen getanzt. Früher habe der Altersunterschied bei zehn bis maximal 15 Jahren gelegen. "Heute liegen gut 40 Jahre zwischen dem jüngsten und dem ältesten Tänzer."

Das kam aber auch schon früher gelegentlich vor. Gerne erinnert sich Bruno Eckert an das Jahr 1977, als das Heimatspiel 50 Jahre alt wurde. Da haben neben den aktuellen Darstellen auch alte Schnitter mitgetanzt. "Es war eine sehr große Gruppe."

Er selbst war sehr gerne Schnitter gewesen. Und das lag nicht nur an den Aufführungen selbst. Im Heimatspiel sagt der Oberbürgermeister "...sei jedem heut' ein Krüglein Bier gewährt". Das nahmen die Schnitter wörtlich. Sie gingen nach dem Spiel zur Klosterbrauerei und forderten ihre Belohnung ein, die sie auch bekamen. Mal war es ein Fässchen, mal ein Kasten. Damit ging es dann ins Grüne. Auch gemeinsame Fahrten, beispielsweise nach München, gehörten zum Jahresprogramm der Laiendarsteller. Auf einer solchen hat sich Bruno Eckert dann überreden lassen, den Michel Stapf zu spielen, womit seine Karriere bei den Schnittern am Ende war.

Die Gruppe der Knaben ist inzwischen komplett entfallen, auch Stadtknechte und sogar die eigentlich starke Rosenkranzbruderschaft haben schon Schwierigkeiten gehabt. Bei vielen Gruppen sei es nicht so schlimm, wenn sie einmal ein wenig ausgedünnt sind. Das gelte nicht für die Schnitter. "Die müssen den Platz vor der Bühne füllen", betont Bruno Eckert. "Es muss ein buntes Bild sein, das voll ist von Menschen."

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