Münnerstadt

Münnerstadt: Fast 30 000 Bäumchen für den Wald der Zukunft

Dort, wo Kiefer und Fichte verschwinden, soll im Stadtwald künftig robuster Mischwald wachsen. Dazu müssen junge Bäume nachwachsen. Momentan ist Pflanzzeit.
Baumpflanzer Algiment Senda zeigt, wie wenig Erdboden am Michelsberg vorhanden ist, ehe er beim Ausheben des Pflanzlochs auf Stein stößt. Foto: Heike Beudert       -  Baumpflanzer Algiment Senda zeigt, wie wenig Erdboden am Michelsberg vorhanden ist, ehe er beim Ausheben des Pflanzlochs auf Stein stößt. Foto: Heike Beudert
| Baumpflanzer Algiment Senda zeigt, wie wenig Erdboden am Michelsberg vorhanden ist, ehe er beim Ausheben des Pflanzlochs auf Stein stößt. Foto: Heike Beudert

Es ist stellenweise eine echte Knochenarbeit, die die zwei Münnerstädter Waldarbeiter und eine fünfköpfige Pflanzmannschaft aus Polen derzeit im Stadtwald leisten müssen. Sie pflanzen Baumnachwuchs, damit der Verlust bei Kiefer- und Fichtenbeständen wieder ausgeglichen wird. Fast 30 000 Jungpflanzen müssen bis zum 10. Dezember im Boden sein. Und dieser hat es an manchen Stellen in sich. Der Boden ist widerborstig und macht es den Arbeitern wahrlich nicht einfach. An manchen Stellen ist er steinhart, an anderen stark verwurzelt, so dass die ganze Körperkraft nötig ist, um mit Pickel oder Pflanzspaten die Bäumchen in den Boden zu bringen.

Noch nie zuvor hat Stadtförster Jörg Mäckler so viele Jungpflanzen auf einmal in den Wald ausbringen lassen. Doch das sei nötig, um die Ausfälle von Kiefer und Fichte schnellstmöglich auszugleichen, erklärt der Forstfachmann. Gerade in den trockenen Hanglagen sind Kiefer und Fichte durch Borkenkäferbefall oder Trockenschäden abgestorben. Alleine in diesem Jahr wurden 4500 Festmeter Holz eingeschlagen, das meiste davon Schadholz. Bei der Fichte waren es 2500 Festmeter, bei der Kiefer rund 1000 Festmeter. Eigentlich liegt der Einschlag-soll bei rund 2000 Festmetern pro Jahr im Stadtwald.

Widerstandsfähige Arten

Die entstandenen Lücken im Wald müssen nach Auffassung von Jörg Mäckler zügig bepflanzt werden. Denn wartet man zu lange, verwildern die Flächen. Das würde den Aufwand der Neuaufforstung zusätzlich erhöhen. Jörg Mäckler lässt überall dort neue Bäume pflanzen, wo die natürliche Verjüngung des Walds nicht alleine ausreicht.

Ausgewählt hat der Stadtförster Baumarten, die nach derzeitigem Stand der Wissenschaft gut mit dem Klimawandel klar kommen. Das bedeutet, dass sie Trockenperioden überstehen und mit einer hochgerechneten Erwärmung in den nächsten 80 Jahren von bis zu 1,5 Grad leben können.

15 verschiedene Arten werden derzeit in den Boden gebracht. Der am häufigsten gepflanzte Baum ist die Stileiche. Auch auf Nadelhölzer wird nicht verzichtet. Große Küstentanne und Douglasie sollen in den Mischwäldern ebenfalls wachsen. Dazu kommen heimische Laubhölzer wie Elsbeere, Hainbuche, Wildbirne oder Wildkirsche.

Jörg Mäckler setzt aber auch auf bislang eher ungewöhnliche Arten. Dazu gehört die Robinie. Die Baumhasel soll künftig ebenfalls in Münnerstadts Wäldern gedeihen. Die Baumhasel ist gewissermaßen die große Schwester der heimischen Haselnuss und kommt ursprünglich aus der Türkei und dem Balkan.Der Baum schätzt vor allem kalkhaltige Böden und ist damit eigentlich in Münnerstadt gerade richtig. In der Pflanzübersicht fällt ebenso die Edelkastanie ins Auge. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Rosskastanie.

Ökologie und Nützlichkeit

Mit der Baumvielfalt will Jörg Mäckler den ökologischen Wert des Stadtwaldes fördern. Gleichwohl hat er auch den forstwirtschaftlichen Aspekt im Auge. Die gepflanzten Hölzer eignen sich als Nutzholz. Er ist der Überzeugung, dass Nutzwald nötig ist. Wenn zu viele Flächen stillgelegt werden, müsste der Holzbedarf über Exporte aus dem Ausland gedeckt werden. Das könne nicht die Lösung sein, findet Mäckler.

Auf 25 Flächen im Stadtwald, verteilt über nahezu alle Ortsteile, wird und wurde seit Ende Oktober aufgeforstet. Aktuell laufen Arbeiten am Hummelsberg nahe des Tierheims und am Michelsberg. Lediglich die Reichenbacher Gemarkung bleibt ausgespart, weil dort die Schäden nicht so groß waren wie anderswo.

Am Michelsberg kämpft die Pflanzmannschaft mit dem steinigen Boden. Der polnische Forstarbeiter Algiment Senda zeigt, wie wenig Erdreich dort oben den Bäumen zur Verfügung steht. Schnell stößt er beim Arbeiten auf Steine. Die müssen mühsam aufgelockert werden, denn die Jungbäume brauchen eine bestimmte Pflanztiefe, damit sie verwurzeln. Algiment Senda hat zudem festgestellt, dass die Böden auch jetzt noch sehr trocken sind. Seit ungefähr drei Jahren fällt dem Pflanzer diese Trockenheit verstärkt auf. Aber das sei nicht nur in Münnerstadt so, erklärt er. Jörg Mäckler kann die Beobachtung des Mannes nur bestätigen.

Den Münnerstädter Wald kennt Senda mittlerweile bestens. Seit 2008 kommt er regelmäßig nach Münnerstadt und weiß genau, an welchem Standort die Arbeit besonders mühsam ist. Der Michelsberg gehört auf jeden Fall dazu. Die Fläche rund um die Kirchenruine gehöre zu den schlechtesten überhaupt, erklärt Jörg Mäckler. Wohl auch deshalb sind hier in jüngster Zeit besonders viele Bäume abgestorben, nicht nur Nadel-, sondern auch Laubholz wie Buchen oder Eschen. Dennoch will der Stadtförster den Wald hier unbedingt erhalten und lässt allen Widrigkeiten zum Trotz Jungpflanzen in den Boden bringen. Er hofft, dass die Knochenarbeit belohnt wird und möglichst viele Bäumchen anwachsen.

Umfangreicher Zaunbau

Was Jörg Mäckler sich wünscht, sind drei Monate Regen in diesem Winter. Dann hätten die Bäume beste Chancen, auch ein trockenes Frühjahr gut zu überstehen. Denn eines ist klar: Bewässern ist bei einer solchen Vielzahl an Aufforstungsflächen unmöglich.

So müssen Jörg Mäckler und die Waldarbeiter Sorge tragen, dass die jungen Bäume möglichst gute Startbedingungen bekommen. Deshalb wird im Stadtwald seit einigen Jahren komplett auf eine Frühjahrspflanzung verzichtet, weil es zu dieser Zeit oftmals zu lange Trockenperioden gibt. Die Pflanzflächen werden von den städtischen Forstarbeitern für die Pflanzaktion gut vorbereitet. Außerdem werden die jungen Bäume geschützt. "Ohne Zaun geht nix", sagt Mäckler und hat deshalb die meisten Neuaufforstungen abgezäunt zum Schutz vor Wildverbiss. Wo das nicht möglich ist, werden die Jungpflanzen durch Wuchshüllen geschützt. "Wir können es uns nicht leisten, dass wir pflanzen verlieren".

Arbeit unter Zeitdruck

Mittlerweile sind die meisten Bäumchen gepflanzt. Nicht nur der bevorstehende Winter mit möglichem Dauerfrost, sondern auch Corona haben den Zeitdruck heuer verstärkt. Bis 10. Dezember sollen die Arbeiten fertig sein, weil die Saisonpflanzer zurück in ihre Heimat gehen. Wenn sie Weihnachten in ihren Familien feiern wollen, müssen sie zeitig nach Polen einreisen, weil auf sie in ihrer Heimat erst eine Quarantänezeit wartet.

Eine Pflanzaktion ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer. Froh ist der Stadtförster, dass es für die Pflanzen eine hohe staatliche Förderung gibt. 80 000 Euro kostet die Bepflanzung. Rund 60 000 Euro beträgt der Zuschuss. Jörg Mäckler wünscht sich zusätzlich, dass die Leistung des Waldes für die Wasser- und die CO2-Bilanz künftig finanziell stärker berücksichtigt wird. Er könnte sich vorstellen, dass Waldbesitzer für den Erhalt ihrer Wälder so etwas wie einen Wasser- und CO2-Cent erhalten. Damit wäre den Forstbetrieben sehr geholfen, um den Wald klimatauglich umzubauen.

In Münnerstadt , so Jörg Mäckler, sei dieser Umbau bereits auf einem guten Weg. In den vergangenen zehn Jahren habe man neben der Naturverjüngung zwischen 200 000 und 250 000 neue Bäume gepflanzt.

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