Münnerstadt

Münnerstadt: Glückwünsche mit leichter Verspätung

Bürgermeister Helmut Blank gratuliert seinem Nachfolger Michael Kastl und dessen Frau Eva mit gebührendem Abstand im Rathaus. Diesmal lief wirklich alles ein wenig anders ab.
Bürgermeister Helmut Blank (links gratuliert) seinem Nachfolger Michael Kastl und dessen Frau Eva Kastl nachträglich zur Wahl. Thomas Malz       -  Bürgermeister Helmut Blank (links gratuliert) seinem Nachfolger Michael Kastl und dessen Frau Eva Kastl nachträglich zur Wahl. Thomas Malz
Bürgermeister Helmut Blank (links gratuliert) seinem Nachfolger Michael Kastl und dessen Frau Eva Kastl nachträglich zur Wahl. Thomas Malz

Es sei schließlich Tradition, sagt Bürgermeister Helmut Blank . Am Wahltag gratuliert das alte Stadtoberhaupt dem neuen und überreicht dessen Frau ein Präsent. Das wäre diesmal ohnehin nur teilweise möglich gewesen, weil Michael Kastl als Wahlleiter in Stadtlauringen war. Aber Eva Kastl wäre ins Rathaus gekommen, um das Einlaufen der Ergebnisse live mitzuerleben. "Das war diesmal nicht möglich gewesen", sagt Helmut Blank mit Verweis auf die abgesagten Wahlpartys. Doch nun haben die drei das mit gebührendem Abstand nachgeholt.

"Man kennt ja Michael Kastl", meint Helmut Blank . "Aber nicht unbedingt die Frau, die hinter ihm seht." Da muss Eva Kastl schmunzeln: "Ich halte mich gern im Hintergrund", sagt sie. Eva Kastl und die Kinder sind in den letzten Monaten öffentlich zwar kaum aufgetreten, sie haben Michael Kastl aber aktiv unterstützt, beispielsweise beim Falten von rund 4000 Flyern. Und weil jemand im Eifer des Gefechts die Uhrzeiten auf den Flyern vergessen hatte, trug die Familie diese mit Edding ein. Rund 4000 Mal.

Michael Kastl war in den Monaten vor der Wahl fast jeden Abend unterwegs, hatte wenig Zeit für die Familie. "Das haben wir im Vorfeld gewusst", sagt Eva Kastl. "Das war kein Problem." Ein wenig anders sah das mit manchen Kommentaren in den sozialen Medien aus. Damit konnte sie nur schwer umgehen. Michael Kastl hat ihr schließlich dringend geraten, sich einige Plattformen gar nicht anzusehen. Das hat sie dann auch getan.

Der Wahlabend selbst lief anders als geplant. Weil die Wahlparty im Rathaus ausfiel, wartete Eva Kastl zu Hause auf das Ergebnis. Und das sollte spannender als ein Krimi werden. Denn ihr ging es so wie allen anderen, die wissen wollten, wer der neuen Bürgermeister ist oder ob es eine Stichwahl gibt. Nach 21 von 22 ausgezählten Wahlbezirken lief gar nichts mehr. Zu diesem Zeitpunkt hatte Michael Kastl ganz knapp die Nase vorn. Aber niemand vermochte zu sagen, wie es nach Auszählung des letzten Wahlbezirks aussieht. Im Internet tat sich wegen technischer Probleme gar nichts mehr, für Eva es waren aufregende Minuten für die Familie. Der erlösende Anruf kam von Bürgermeister Helmut Blank . "Ich habe die Kinder im Hintergrund jubeln gehört", sagt er.

Inzwischen hat sich die Aufregung gelöst, Zeit zum Feiern hatte die Familie bisher aber nicht. Die Corona-Krise hat alles verändert. "Sie hat einen schweren Job", sagt Michael Kastl über seine Frau. Derzeit muss sie ein einjähriges Kind versorgen und die vier anderen unterrichten. Zweimal Gymnasium, einmal Mittelschule und einmal Grundschule - alles ist dabei.

Die Krise hat aber auch Michael Kastl fest im Griff, der als geschäftsleitender Beamter in Stadtlauringen täglich gefragt ist. Bis zum 30. April wird er dort sein. Den ihm für die ersten vier Monate des Jahres zustehenden Urlaub wird er komplett verfallen lassen müssen. Es sei nicht möglich, den in sein neues Dienstverhältnis mitzunehmen.

Während für die meisten Menschen die momentane Situation völlig neu ist, kommt Michael Kastl zugute, dass er lange Zeit im Landratsamt Bad Kissingen für den Katastrophenschutz zuständig war. "Ich habe eine besondere Spezialausbildung" sagt er. Allerdings hätte er auch nicht gedacht, dass er die einmal wegen eines Virus gebrauchen kann.

Seit der Wahl hatte er keine Zeit, konnte wegen der vielen Termine nicht einmal seinen Wahlsieg feiern. Jetzt kam er das erste Mal nach dem 15. März ins Münnerstädter Rathaus, seinem künftigen Arbeitsplatz. "Es ist alles ein bisschen anders gelaufen als gedacht."

Das trifft übrigens auch auf ihr Privatleben zu. Wegen unverbesserlicher Hamsterkäufer dürfen die Kunden ja inzwischen nur noch mit einem Einkaufswagen einen Supermarkt betreten. "Wir nehmen aber normalerweise zwei", sagt Michael Kastl. Schließlich muss ein Sieben-Personen-Haushalt versorgt werden. Und wenn sie jetzt einen Wagen mit einem durchschnittlichen Einkauf füllen, gibt es schon den einen oder anderen vorwurfsvollen Blick. Aber meistens kaufen sie im gleichen heimischen Markt ein, und da sind sie ja bestens bekannt.

Nun freut sich der neue Bürgermeister auf die Aufgaben. Seine beiden Gegenkandidaten Axel Knauff und Andreas Trägner haben ihm gratuliert und ihm gute Zusammenarbeit angeboten. Am 1. Mai übernimmt er das Amt. Dann wird die große Familie auch wieder oft ohne ihn auskommen müssen. Eva Kastl nimmt es gelassen: "Das bin ich gewohnt."

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Münnerstadt
  • Gefechte
  • Helmut Blank
  • Internet
  • Katastrophenschutz
  • Kinder und Jugendliche
  • Kommunalwahlen
  • Stimmbezirke
  • Technische Probleme
  • Wahltage
  • Öffentlichkeit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!