Münnerstadt

Münnerstadt: Trotz Hitzewelle boomt die Großbaustelle

Wenige Monate nach dem ersten Spatenstich am neuen Berufsbildungszentrum liegt die Bodenplatte komplett, die Wände und die Decke sind teilweise fertig.
Blick vom Studienseminar auf den östlichen  Teil der Baustelle. Sämtliche Arbeiten liegen voll m Zeitplan. Thomas Malz       -  Blick vom Studienseminar auf den östlichen  Teil der Baustelle. Sämtliche Arbeiten liegen voll m Zeitplan. Thomas Malz
Blick vom Studienseminar auf den östlichen Teil der Baustelle. Sämtliche Arbeiten liegen voll m Zeitplan. Thomas Malz
Es ist eine mörderische Hitze. Die Warnweste, die Sicherheitsschuhe und der Helm auf dem Kopf tragen auch nicht gerade dazu bei, den Aufenthalt auf der Baustelle angenehmer zu machen. Trotzdem sind Harald Schäfer und Thorsten Grament bester Laune. Kein Wunder: Beim Spatenstich vor einigen Wochenstanden die beiden Projektleiter vom Landratsamt Bad Kissingen auf einem brachen Stück Land. Jetzt stehen sie auf einer Betonplatte rundherum wachsen die Wände in die Höhe und die Decke schließt sich langsam. Und bald wird an dieser Stelle die Großküche des neuen Berufsbildungszentrums sein. Der Rohbau läuft voll im Zeitplan.

Rund 30 Arbeiter schwitzen derzeit auf der riesigen Baustelle. Trotz der Hitze wird Helm getragen, Sicherheit geht vor. Rund 40 Prozent der Kellerbetonwände stehen bereits auf der komplett fertigen Platte. "Die Decke über dem Kellergeschoss ist zu 20 Prozent fertig", sagt Thorsten Grament. Etwa 85 bis 90 Prozent des künftigen Gebäudes werden unterkellert sein. Sämtliche Betonteile in diesem Bereich sind wasserundurchlässig. Eine Vorsichtsmaßnahme, falls der Grundwasserpegel einmal ungewöhnlich hoch steigen sollte. In dem kleinen Bereich, in dem es keinen Keller gibt, werden Brunnenringelemente gesetzt und mit Beton aufgefüllt. Das sichert die Tragfähigkeit, erläutert Harald Schäfer. Und diese Variante hilft, Kosten zu sparen. Gleichzeitig laufen derzeit die Blitzschutzarbeiten.


Wo jetzt die Baustelle ist, haben schon vor Jahrtausenden Menschen gesiedelt. Dieser Umstand war nicht ganz billig. Die vom 24. Oktober 2016 bis 30. April 2018 durchgeführten archäologischen Untersuchungen werden so zwischen 650 000 bis 700 000 Euro kosten. Aber das ist gesetzlich vorgeschrieben und die Notwendigkeit war vorher bekannt. "Die Grabungsdokumentation und der Grabungsbericht sind derzeit in Ausarbeitung und liegen voraussichtlich im November vor", sagt Harald Schäfer.

Stolz sind die beiden Projektleiter darauf, dass bei diesem Bau nicht der gesamte Erdaushub zur Deponie gefahren wurde, wie es normalerweise der Fall sei. Rund 4000 Kubikmeter werden auf einem Grundstück neben der Baustelle zwischengelagert. Der "Monte Münnerstadt" wie Thorsten Grament ihn nennt, spart bares Geld. Mit dieser Erde werden am Ende der Rest der Baugrube verfüllt und das Gelände modelliert. "Wir verbessern das Bodenmaterial durch die Zumischung von Zement und Kalk", erläutert Harald Schäfer. Für den verbliebenen Erdaushub müssen keine Deponiekosten bezahlt werden, es muss kein neues Material gekauft werden, und nicht zuletzt fallen erhebliche Fahrtkosten weg. 4000 Kubikmeter wären sonst weggeschafft, 4000 Kubikmeter neu hingefahren worden. Bei einer durchschnittlichen Lademenge von etwa zwölf Kubikmetern pro Lkw sind 667 Fahrten weggefallen. Die Aufarbeitung von Aushub sei im Straßenbau ein gängiges Verfahren, sagen die Projektleiter. Im Hochbau allerdings sei es ein Novum.

Die Zufahrt zur Baustelle erfolgt nun aus verkehrsrechtlichen Gründen über die Seminarstraße/Altstadtweg und nicht direkt über die Entlastungsstraße. Probleme gibt es nach Aussage der Projektleiter nicht. Der Altstadtweg, den sonst die Schüler des Gymnasiums benutzen, ist gesperrt, die Seminarstraße hat auf beiden Seiten Gehwege. Die sommerliche Hitze und die Trockenheit mag schlecht für die Bauarbeiter sein, für den Bauherren ist sie sehr praktisch. Bei Regen nämlich würden die Anfahrtsstraßen verschlammen, müssten gegebenenfalls täglich nach der Arbeit gereinigt werden. Das kann derzeit komplett entfallen.

Der Baulärm allerdings lässt sich nicht vermeiden. Und der sei natürlich während der Rohbau-Phase extremer als später bei der Ausbauphase, so die Projektleiter. "Wir versuchen den Baulärm so gering wie möglich zu halten." Und Lena Pfister, Pressesprecherin im Landratsamt Bad Kissingen, fügt hinzu: "Wir sind sehr dankbar für das uns entgegen gebrachte Verständnis seitens der Anwohner."

Und wie geht es weiter? "Momentan laufen die Ausschreibungen für weitere Gewerke", so Harald Schäfer. Diese umfassen vor allem die Fenster, Sonnenschutz, Fassade, Elektro-Installation, Heizung und Lüftung. Es wird europaweit ausgeschrieben. Der Rohbau soll am 22. März 2019 fertig sein. Ob es eine Bauunterbrechung im Winter geben wird, hängt vom Wetter ab. Bis etwa Minus fünf Grad kann gearbeitet werden.

"Wir sind natürlich froh, dass es so gut vorangeht", sagt Harry Koch, Schulleiter am BBZ. An der Schule hat sich ein Bauteam aus den verschiedenen Fachbereichen formiert. "Unsere Meinung ist sehr ernst genommen worden", sagt er. Die Belange der Schule seien berücksichtigt worden. Am ersten Schultag im September wird das Team wieder gefragt sein. "Dann geht es um die Innenausstattung, wir können unsere Anregungen und Wünsche vortragen."

Ebenso zufrieden mit dem Baufortschritt ist Joachim Schwigon, Schulleiter am Schönborn-Gymnasium. Durch die Sperrung des Altstadtweges und die Beeinträchtigungen des Außenbereiches am Studienseminar (Ganztagszweig) ist die Schule von den Bauarbeiten mehrfach tangiert. Über Baulärm habe er noch keine Beschwerden gehört, selbst kurz vor den Ferien nicht, als die Fenster immer offen standen. Trotzdem: "Wir sind froh über jeden Tag, den das BBZ früher fertig wird."

Info:

Die Gesamtbaukosten für das neue BBZ belaufen sich auf 27,9 Millionen Euro, die sich der Landkreis Bad Kissingen als Bauherr (trägt 57,42 Prozent) und sein Kooperationspartner, die Caritas Schulen gGmbH (42,58 Prozent) teilen. Im September 2020 soll das neue Berufsbildungszentrum, in dem sechs Schulen integriert sind, fertig sein. Der Umzug ist in den Sommerferien 2020 vorgesehen. Das alte BBZ am Karlsberg wird anschießend abgerissen.

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