Münnerstadt

Münnerstadt: Vom Gasthaus blieb Schutt und Asche

Die Geschichte des Schwarzen Adlers begann im Jahr 1716 und endete jäh am 1. April 1945. Zur Gastwirtschaft gehörten später auch eine Brauerei und der Weigandskeller.
Am 1. April 1945 fiel das Gasthaus Schwarzer Adler samt Brauerei einem Bombenangriff der US-Amerikaner zum Opfer. Repro: Josef Willmann
Am 1. April 1945 fiel das Gasthaus Schwarzer Adler samt Brauerei einem Bombenangriff der US-Amerikaner zum Opfer. Repro: Josef Willmann

Es war ein verheerender Bombenangriff. Am 1. April 1945 rissen Fliegerbomben der US-Amerikanern eine regelrechte Schneise durch die Altstadt. Von der Bauerngasse bis zum Anger fielen etliche Gebäude in Schutt und Asche. Die Marienkapelle (Marktkapelle) in der Veit-Stoß-Straße wurde dabei ebenso zerstört wie das Gasthaus Schwarzer Adler. Das Fachwerkhaus gehört zu den alten Schätzen Münnerstadts, die unwiederbringlich verloren gegangen sind.

So dramatisch das Ende der Gastwirtschaft war - so unschön war auch der Anfang. Denn die Geschichte des Schwarzen Adlers beginnt mit einer Beschwerde, wie Leonhard Rugel in seinem Kapitel "Die Gastwirtschaften im alten Münnerstadt " im Buch " Münnerstadt in Vergangenheit und Gegenwart" aus dem Jahr 1985 niedergeschrieben hat.

Am 24. März des Jahres 1716 schickten die drei Wirte der ältesten Münnerstädter Gaststätten Wolf Balthasar Gattenhof vom Goldenen Hirschen, Andreas Vaith vom Schwarzen Bären und Rüdiger Reinhard vom Goldenen Löwen ein Schreiben an den Fürstbischof in Würzburg Johann Philipp von Greifenclau zu Vollraths. Darin beschwerten sich die drei Landwirte darüber, dass das Gesuch von Johann Georg Mager vom 16. November 1715 um Errichtung einer neuen Gastwirtschaft genehmigt worden war. Aber der Mann hatte Beziehungen. Mager war mit der Tochter des Amtskellers Johann Michael Schunkh von Stadtlauringen, Anna Margaretha, verheiratet. So war der Einspruch der Münnerstädter Wirte vergeblich. Die Wirtschaft wurde in der oberen Stadt errichtet.

Bereits im Jahr 1723 wird ein neuer Adler-Wirt genannt: Johann Michael Baumgart. Er musste im Jahr 1727 220 Gulden an Steuern zahlen. Zum Schwarzen Adler gehörten rund 2,5 Hektar Weinberge , rund sechs Hektar Äcker und einiges mehr. Über die Jahre wechselten die Besitzer recht häufig. Von 1841 bis 1845 war der Schwarze Adler auch Posthalterei, die zuvor im Goldenen Löwen und danach im Fränkischen Hof zu finden war.

1886 ging die Gastwirtschaft an Franz Weigand über. Er führte auch eine Brauerei und legte eigens dafür eine Wasserleitung an. Er lagerte sein Bier am Fuße des Schindbergs im so genannten Weigandskeller. Der war allerdings schon älter und trug zuvor verschiedne Namen. Der Bierkeller galt als beliebtes Nahausflugsziel. Dort steht heute die evangelische Auferstehungskirche. Belegt ist, dass im Jahr 1882 die Proben und Aufführungen der heute noch existierenden Liedertafel im Adlersaal stattfanden, im Sommer im Weigandskeller.

Immer wieder wechselten die Pächter, am 28. April 1909 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Als letzte Adlerwirte werden Ferdinand Krapf und Richard Landauer genannt. Bei dem Bombenangriff am Ostersonntag, 1. April 1945, wurde das Fachwerkhaus nebst Brauerei völlig zerstört, ebenso das benachbarte Krug-Haus und die Marienkapelle gegenüber. Das Grundstück wurde verkauft, der neue Eigentümer errichtete ein Wohn- und Geschäftshaus. Heute befindet sich dort ein Blumengeschäft, ein Bioladen und eine Zweigstelle des Münnerstädter Notariats.

Erst vor wenigen Jahren ist mit der Klosterbrauerei die letzte Münnerstädter Brauerei verschwunden. Im 18 Jahrhundert beispielsweise gab es neben der altehrwürdigen Brauerei der Augustiner eine Stadtbrauerei, eine im Schwarzen Adler und eine im Deutschen Haus. Daneben zählt Leonhard Rugel in seinem Buch noch etliche Bierbrauer auf, die nicht einer Gastwirtschaft zuzurechnen sind.

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