Münnerstadt

Münnerstadt: Wohnen - aber wo?

Stadt braucht dringend Platz. Aber wo stehen in der Kernstadt Flächen zur Verfügung? Die Antworten waren ernüchternd. Mit Kommentar.
24 Bauplätze könnten am Schwimmbadweg entstehen. Allerdings liegt das Gebiet im Trinkwasserschutzrevier.  Foto: Dieter Britz
24 Bauplätze könnten am Schwimmbadweg entstehen. Allerdings liegt das Gebiet im Trinkwasserschutzrevier. Foto: Dieter Britz

Die Stadt braucht dringend Platz für Gewerbe und Wohnen . Aber

wo stehen in der Kernstadt entsprechende Flächen zur Verfügung?

Bürgermeister Helmut Blank hatte zu einer Informationsveranstaltung in die

Freiherr-von-Lutz-Schule eingeladen. Etwa 20 Bürgerinnen und Bürger bekamen

eher ernüchternde Antworten auf die Fragen, wo Platz für

Gewerbe-Neuansiedlungen oder Erweiterungen und neue Wohnhäuser ist.

"Naturzschutz zum Teufel"

Diplom-Ingenieur (FH) Frank Matthias Braun (Planungsschmiede Braun

Würzburg) und Diplomingenieur (FH) Matthias Kirchner (Bautechnik Kirchner

Oerlenbach) machten deutlich, dass aus vielerlei Gründen die Möglichkeiten

eingeschränkt sind. "Jagt doch den Naturschutz zum Teufel" erregte sich

deshalb ein Bürger.

Matthias Kirchner hatte bereits 2017 eine Konzeptstudie "Baugebiet

Kernstadt" dem Stadtrat vorgestellt. In der jetzigen

Informationsveranstaltung betonte er, dass er darin auch "eher abseitige

und exotische" Standorte betrachtet habe, um wirklich alle Möglichkeiten

auszuloten. Er hatte auch mehrere kleinere Flächen untersucht, die zur

Schaffung von Bauplätzen überbaut werden könnten. "Nicht schön, aber

möglich" sei zum Beispiel die Verlegung des Bolzplatzes am Schindberg.

Eine stattliche Anzahl von Bauplätzen könne im Maital geschaffen werden. Im

Michaelsgrund seien mit hohem Aufwand fünf Baugrundstücke möglich. Sogar 17

Plätze seien am Windsburgweg oberhalb der Reichenbacher Straße denkbar.

Aber diese Lage sei städtebaulich isoliert und deshalb für junge Familien

nicht attraktiv, ein Teil sei biotopkartiert, wegen der Bahnlinie seien

möglicherweise Lärmschutzmaßnahmen nötig, die Ver- und Entsorgung unklar

und der Flächennutzungsplan müsse vorab geändert werden.

Schwierig, wenn einer nicht verkauft

Weitere acht Grundstücke könnten am Strahlunger Weg östlich des jetzigen

Baugebietes erschlossen werden. Ein großes Problem, so Helmut Blank und

Matthias Kirchner, ist hier, dass ein Eigentümer sein Grundstück nicht

verkaufen will. Doch ohne dieses gehe es nicht. "Wenn einer nicht verkauft,

ist es schwierig für uns, etwas zu machen", kommentierte der Bürgermeister.

Sogar 24 Bauplätze könnten am Schwimmbadweg erschlossen werden, auch in

einzelnen Bauabschnitten. Die Lage sei reizvoll und stelle eine

städtebaulich ideale Erweiterung dar. Die Ver- und Entsorgung sei

gesichert. Allerdings liegt dieses Gebiet im Trinkwasserschutzgebiet. Der

hier vorhandene große Streuobstbestand erfordere einen erhöhten

Ausgleichsbedarf und schließlich müsse auch der Flächennutzungsplan

geändert werden, was zusätzlichen Zeitaufwand bedeute.

Sechs Bauplätze seien in der Grube möglich. Das alte BBZ wird abgerissen. Hier können

nach einer Konzeptstudie aus dem Jahr 2014 etwa 15 Baugrundstücke

geschaffen werden.

Mit großen Baugebieten bekommt man Leute nach Münnerstadt " betonte Bürgermeister Blank. Er will dem Gemeinderat vorschlagen, dass die Idee aufgegriffen wird, am Schwimmbadweg, am

Strahlunger Weg und am Maitalweg neue Baugebiete zu erschließen (der

Strahlunger Weg ist bereits Thema im Stadtrat). Damit zeigten sich die

anwesenden Bürger auch einverstanden. Blank hob auch hervor: "Wir müssen

fragen, ob die Behörden einverstanden sind." Naturschutz , Artenschutz,

Biotopkartierung, Wasserschutz engen die Planungsmöglichkeiten gerade in

Münnerstadt stark ein, wie Matthias Kirchner mehrfach betonte. Franz-Josef

Scheublein kommentierte: "Was kann Münnerstadt denn noch machen? Wir sollten

auf die Straße gehen und protestieren. Die können doch nicht alles einengen, das geht doch nicht!"

Ein anderer kritisierte lautstark den

"ganzen Naturschutz-Blödsinn." Bürgermeister Blank sagte dazu nur: "Wir

machen die Schutzgebiete nicht, die Stadt macht sie nicht." Die Ortsteile

waren in dieser Versammlung kein Thema, mit Ausnahme eines Platzes in

Burghausen. "Unsere Baugebiete in den Ortsteilen sind voll", so Blank.

Machbarkeitsstudie für Hörnauweg

Eine Machbarkeitsstudie für das Gewerbegebiet Hörnauweg wird im Oktober den

Stadtrat beschäftigen. Deshalb gab es dazu von Bürgermeister Blank und von

Diplom-Ingenieur (FH) Frank Matthias Braun noch nicht allzu viele Details.

Das Gebiet liege zum Teil im Hochwassergebiet der Lauer, im

Landschaftsschutzgebiet und es gebe diverse andere Auflagen. Ein Problem

ist die Zufahrt, die nur über das Gebiet von Burglauer möglich sei. Die Gemeinde sei aber an einem interkommunalen Gewerbegebiet

nicht interessiert und orientiere sich in Richtung Niederlauer.

"

Mammutprojekt" Kreisverkehr

Auch das Gebiet Lache, auf dem das neue Feuerwehrhaus, ein Discounter mit

insgesamt 9000 Quadratmeter Fläche (auch einschließlich der Parkplätze)

sowie ein innenstadtnaher Parkplatz mit 170 bis 200 Plätzen entstehen

sollen, wurde diskutiert. Allein der zur Anbindung nötige Kreisverkehr sei

ein "Mammutprojekt", so Matthias Kirchner. Vorab seien in der Lache

archäologische Sondierungsgrabungen nötig. Außerdem seien

Kampfmittelsondierungen erforderlich, da möglicherweise in alten Gräben

nach dem Weltkrieg Munition entsorgt worden sei. Kirchner versicherte, "der

Naturschutz hat nichts gegen das Projekt". Die Planung sei sehr komplex und

dauere oft dreimal so lange wie die Bauzeit.

Discounter sei "innenstadtverträglich"

Die Innenstadt blute durch

einen Discounter in der Lache noch weiter aus, kritisierte eine Bürgerin.

Helmut Blank und Matthias Kirchner betonten jedoch, dieser

Einzelhandelsmarkt sei nach Studien als innenstadtverträglich eingestuft.

Kommentar von Dieter Britz

Schon möglich, dass die amtlichen und privaten Naturschützer bei ihrer

Arbeit das eine oder andere Mal übers Ziel hinaus schießen. Aber sie sind

nicht schuld daran, dass es hier in Münnerstadt mehr schützenswerte Natur

als in den Nachbargemeinden gibt. Auch für die etwas ungünstige

geographische Lage im Talkessel zwischen dem Schindberg, dem Karlsberg und

der Zent kann man keinen Naturschützer verantwortlich machen, die

Topografie ist halt gottgegeben. In Salz oder in Niederlauer ist es nun

einmal um einiges einfacher und billiger, Gewerbe und Industrie

anzusiedeln, denn dort ist das Gelände ziemlich eben und Wald gibt es dort

auch kaum. Seien wir froh, dass Ämter, Behörden und auch private

Naturschützer sich um die Erhaltung von Natur und Umwelt kümmern. Auch

Wasserschutzgebiete brauchen wir nun einmal, sonst haben wir irgendwann

kein sauberes Trinkwasser mehr. Dass Münnerstadt ein so großes

Wasserschutzgebiet hat, liegt allerdings nicht am eigenen Bedarf. Bad

Kissingen wird seit Jahrzehnten von hier aus zum großen Teil mit bestem und

preiswertem Trinkwasser versorgt. Münnerstadt hat leider nichts davon,

außer dass es im Notfall darauf zurückgreifen darf. Die dazu nötigen

Schutzgebiete behindern die Entwicklung der Stadt und natürlich auch die

Landwirte. Das hätte man vor Jahrzehnten bedenken müssen, bevor die

Kreisstadt die Erlaubnis bekam, hier Wasser zu entnehmen.

Trotzdem sind Äußerungen wie "jagt doch den Naturschutz zum Teufel", "der

ganze Naturschutz-Blödsinn" oder gar "studierte A..." , die bei der

Informationsveranstaltung der Stadt fielen, wenig hilfreich und nicht

angebracht.

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