Münnerstadt

Mürschter Kulturweg: Von wilden Kerlen und verschwundenen Altären

Nächste Stationen auf dem Kulturweg waren Großwenkheim, Kleinwenkheim und Wermerichshausen - Insider erzählten Details aus den Dörfern.
Der 'Dom der Vorrhön', die Pfarrkirche in Großwenkheim, ist besonders  prächtig und soll seinen Platz im Kulturweg bekommen. Foto: Dieter Britz       -  Der 'Dom der Vorrhön', die Pfarrkirche in Großwenkheim, ist besonders  prächtig und soll seinen Platz im Kulturweg bekommen. Foto: Dieter Britz
| Der "Dom der Vorrhön", die Pfarrkirche in Großwenkheim, ist besonders prächtig und soll seinen Platz im Kulturweg bekommen. Foto: Dieter Britz

Die Ausweisung eines Kulturweges in den östlichen Stadtteilen ist einen Schritt weiter. Bürger informierten sich darüber, was Großwenkheim, Kleinwenkheim und Wermerichshausen zu bieten haben. Mit dabei war Dr. Anika Magath vom unterfränkischen Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg / archäologisches Spessartprojekt e.V..

In Großwenkheim erwähnte Stadtrat Arno Schlembach ( CSU ), dass die Gemarkung Wenkheim (also Groß- und Kleinwenkheim gemeinsam) am 19. April 788 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Dorf wurde früher mit vier Toren geschützt. Das letzte, das "Baumgartentor" in Richtung Seubrigshausen, wurde 1941 als Verkehrshindernis abgerissen. Es hatte zuletzt als Armenhaus gedient. Im alten Dorfkern gab es in früheren Zeiten größtenteils Doppel- bis Vierfachhöfe.

Der größte Soldat - und seine große Frau

Aus Großwenkheim kommt der kürzlich verstorbene Bischof von Speyer, Dr. Anton Schlembach (von 1983 bis 2007). Er wurde 1932 in Großwenkheim geboren und verbrachte hier seine Kindheit. Arno Schlembach vergaß auch nicht, dass ein Bürger aus Großwenkheim einst der größte Soldat in der bayerischen Armee war. Der 1876 geborene Oswald Balling diente von 1896-1898 beim königlichen Infanterie-Leibregiment in München und maß 2,18 Meter. Seine Frau Albina brachte es auf stattliche 1,96 Meter.

Großwenkheim, das etwa 700 Einwohner hat, hatte eine eigene Schule und ein Brauhaus. Das ist Vergangenheit. Das ehemalige Rathaus wird zu großen Teilen von der Feuerwehr und vom Bayern-Fanclub genutzt. Arno Schlembach freut sich über ein aktives Vereinsleben mit zurzeit 14 Vereinen. Der Faschingsverein , der Sängerbund und der Schützenverein wurden allerdings wegen Nachwuchsproblemen aufgelöst.

Gute Infrastruktur

Sehr zufrieden ist er mit der Infrastruktur, denn es gibt einen Einkaufsmarkt, ein Gasthaus mit einem attraktiven Biergarten, eine Metzgerei und eine Bäckerei-Filiale. Der Elisabethenverein ist Träger des Kindergartens, der eine Warteliste hat. Das Interesse an Plätzen im Neubaugebiet ist groß. Wenn Leerstände im Altort zum Verkauf angeboten werden, seien die Gebäude nach kürzester Zeit wiederbelebt, "das ist sehr erfreulich".

Dom der Vorrhön

In der "Dom der Vorrhön" genannten Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt übernahm Kirchenpfleger Burkhard Ziegler die Führung. Das barocke Gotteshaus ließ der 41. Abt von Bildhausen, der 1699 in Großwenkheim geborene Bonifaz Gessner, zwischen 1765 und 1772 errichten. Neben vielen anderen Kunstschätzen sind vor allem die Deckengemälde von Johann Peter Herrlein sehenswert.

In Kleinwenkheim begrüßte Stadtrat Oliver Jurk ( CSU ) die Gäste. Der Stadtteil hat, einschließlich der Bewohner von Maria Bildhausen, etwa 500 Einwohner. Es gibt mehrere Vereine, der Gesangverein ist zurzeit in Auflösung. Der Vereinsring, bestehend aus der Feuerwehr und dem Musikverein, organisiert den beliebten und bekannten Fasching.

Früher Brauhaus und Schmiede

Der Stadtteil hatte in früheren Zeiten ein Gemeindebrauhaus, ein Backhaus, eine Schmiede, eine Viehwaage, einen Gänsegarten. Die Gebäude an sich sind zum Teil noch vorhanden. Es gab eine "Kinderverwahranstalt", die 1897-1953 von Schwestern betrieben und ursprünglich von einer wohlhabenden Familie aus dem Ort gestiftet wurde. Sie hat auch einige Denkmäler im Ort gestiftet, so die 14 Kreuzwegstationen im Friedhof.

Attraktionen für einen Kulturweg könnten die noch vorhandenen zwei Ziehbrunnen im Ort sein. Sie dienten früher zur Trinkwasserversorgung und als Tränken für das Vieh. "Die besondere Form der Ziehbrunnen kommt wohl aus dem ungarischen, das ist aber nicht näher erforscht" sagte Jurk.

Hauptaltar fehlt

1588 begannen die Bürger mit dem Bau einer neuen Kirche . Sie war im Jahr darauf fertig, wurde aber erst 1615 eingeweiht. Wegen Baumängeln ist sie zurzeit geschlossen. Die Seitenaltäre stammen aus der nach der Säkularisierung angerissenen Kirche des Klosters Bildhausen. Jurk bemerkte auch, dass im Zuge einer Umgestaltung im Jahr 1964 und 1965 der Hauptaltar abgebaut worden sei und danach nie mehr auftauchte.

Exportschlager Sandstein

In Wermerichshausen zeigte Ortsprecherin Ulla Müller ( CSU ), was ihr Stadtteil im Rahmen eines Kulturweges zu bieten hat. Zurzeit hat das 1057 erstmals erwähnte Dorf 240 Einwohner. Seinen Charakter machen Dreiseithöfe, wunderschöne Steinpforten, denkmalgeschützte Häuser, Bildstöcke, Steinkreuze und Heiligenhäuschen aus. Im Dorf gab es Sandsteinbrüche, in denen um 1900 bis zu 50 Arbeiter tätig waren. Der grüne, relativ weiche Sandstein eignete sich besonders gut für hochwertige Bildhauerarbeiten. Er wurde bis nach Würzburg geliefert und dort für den Bau und die Renovierung der Residenz verwendet. Die Steinhauer, die dort arbeiteten, wurden "die wilde Rasse" genannt, denn sie übten einen schweren und gefährlichen Beruf aus, pflegten einen derben Umgang miteinander und waren auch dem Alkohol sehr zugetan. Deshalb hatte das Dorf während der Blütezeit des Steinhauer um 1900 nicht weniger als vier Gaststätten, zwei Tanzsäle und eine Brauerei.

Das gesellschaftliche Leben im Dorf wird heute von drei Vereinen geprägt. Die Kirche des Stadtteils ist dem heiligen Vitus geweiht, die ältesten Bauteile sollen aus dem zehnten und elften Jahrhundert stammen, wie Fridolin Weigand erklärte. Die Barockorgel mit Rokokoschnitzerei wurde 1750 aufgestellt und ist als Denkmal eingestuft. Das Altargemälde mit dem heiligen Vitus aus dem Jahr 1615 kam 1933 aus Rannungen nach Wermerichshausen. Bei der letzten aufwändigen Kirchenrenovierung im Jahr 1999 wurde der schiefe Kirchturm geradegerichtet. Sehenswert sind auf dem Friedhof unter anderem die Golgatha-Gruppe und die Friedhofsmauer mit den uralten Grabsteinen. Bisher gibt es etwa 100 gut geschilderte Kulturwege in ganz Unterfranken und bald wohl auch in Münnerstadt . Wie es hier weitergeht, soll in Kürze bei einem nächsten Treffen besprochen werden.

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