Hammelburg

Nach Fahrrad-Unfällen: Anträge zur Kissinger Straße in Hammelburg

Nach dem schweren Fahrrad-Unfall im Oktober in der inneren Kissinger Straße gibt es neue Forderungen nach einem Verkehrskonzept für die Innenstadt. Auch der Senioren- und Behindertenbeirat bezieht Stellung.
Die Kissinger Straße ist zwischen Marktplatz und Kreisverkehr zwar Einbahnstraße, Fahrräder sind stadtauswärts jedoch zugelassen. Die Regelung sorgt immer wieder für Unklarheiten und gefährliche Situationen. Foto: Ralf Ruppert       -  Die Kissinger Straße ist zwischen Marktplatz und Kreisverkehr zwar Einbahnstraße, Fahrräder sind stadtauswärts jedoch zugelassen. Die Regelung sorgt immer wieder für Unklarheiten und gefährliche Situationen. Foto: Ralf Ruppert
| Die Kissinger Straße ist zwischen Marktplatz und Kreisverkehr zwar Einbahnstraße, Fahrräder sind stadtauswärts jedoch zugelassen. Die Regelung sorgt immer wieder für Unklarheiten und gefährliche Situationen.

Mindestens vier verletzte Fahrradfahrer gab es in diesem Jahr bereits auf dem rund 200 Meter langen Abschnitt der Kissinger Straße zwischen Amtsgerichts-Kreisel und Marktplatz. Zuletzt zog sich am 22. Oktober eine 75-Jährige einen vierfachen Schulterbruch zu. Das Opfer, Christa W. aus dem Raum Schweinfurt, ist sich zwar einer Teilschuld bewusst, kann aber nicht verstehen, dass die Gefahr für Radfahrer in der Kissinger Straße weiter unterschätzt wird: "Ich war völlig überfordert, als entgegenkommende Fahrzeuge mich schlichtweg zur Seite drängten", sagt die 75-Jährige.

Christa W. fuhr zum ersten Mal durch die Kissinger Straße, dem offiziellen Radweg durch die Stadt. Ursache für ihren Unfall sei der Gegenverkehr gewesen: "Das löste meinen verhängnisvollen Sturz beim Überfahren der Bordsteinkante aus", erinnert sie sich, und: "Für mich war diese Verkehrsregelung vom Marktplatz kommend nicht ersichtlich." Überrascht ist sie, dass die Polizei den Unfall als Eigenverschulden einstuft.

Die 75-Jährige lag nach dem Unfall in Hammelburg sechs Tage im Krankenhaus, der vierfache Schulterbruch wurde operiert. "Meine Genesung wird sich noch viele Monate hinziehen. Bei einer weiteren Operation müssen die Metallteile wieder entfernt werden", berichtet die Seniorin . Hinzu kämen "unzählige schmerzhafte Physiotherapie-Einheiten, verbunden mit großem zeitlichen Aufwand für mich und meinen Mann, der mich monatelang zu allen Terminen fahren muss". Trotzdem hege sie keinen Groll gegen Hammelburg : "Wenn ich wieder genesen bin, besuche ich gerne wieder Hammelburg - natürlich mit dem Fahrrad und hoffentlich verbesserter Verkehrssituation."

Zahlreiche Rückmeldungen

Nach dem Bericht über den Unfall und die Hilfe von Bianca und Willy Volkert bekamen die beiden mehr als 50 Rückmeldungen. "Am Samstag nach der Berichterstattung gab es für mich und meinen Mann Willy kein Durchkommen in der Stadt", berichtet Bianca Volkert. Auch telefonisch, über soziale Medien und per Post hätten Bürger ihren Unmut über die Situation in der Kissinger Straße zum Ausdruck gebracht.

Deshalb sind Bianca Volkert und Elfriede Dickert auch als Sprecherinnen des Senioren- und Behindertenbeirats aktiv geworden. Das Gremium dürfe sich zwar aktuell wegen Corona nicht treffen, aber per Mail sammelten die Sprecherinnen die Meinungen der Mitglieder. Herausgekommen sind mehrere Vorschläge des Gremiums an den Stadtrat: Eine Verbesserung erhofft sich das Gremium durch eine Kurzparkzone, für längere Parkzeiten gebe es die Parkplätze außerhalb. Zudem sollten die Parkplätze optisch besser hervorgehoben und entzerrt werden, damit mehr Ausweichmöglichkeiten bleiben. Eine Absenkung des Bordsteins könne Stürze verhindern, wäre aber laut Senioren- und Behindertenbeirat nur eine Teillösung.

Das Gremium fordert zudem einen Behinderten-Parkplatz vor der Bäckerei Schwab. Schnell realisieren ließe sich nach Auffassung des Gremiums auch ein Schutzstreifen: " Radfahrer und Autofahrer würden sich gegenseitig als Verkehrsteilnehmer wahrnehmen", hofft der Beirat. In letzter Konsequenz wäre ein Schiebegebot für Fahrräder ab der Raiffeisenbank bis zum Deutschen Haus denkbar.

"Verständlicherweise gibt es zu unseren Ideen viele Gegenstimmen", sagt Sprecherin Bianca Volkert. Einzelhändler seien auf Verkehr in der Innenstadt angewiesen, Radfahrer möchten sich nicht auf Nebenstraßen verdrängen lassen, Fußgänger regten sich über entgegenkommende Radfahrer auf dem Gehweg auf. "Nach unserer Erkenntnis entstehen die Konfrontationen der Verkehrsteilnehmer in der Kissinger Straße hauptsächlich durch Unwissenheit", kritisiert Volkert den gegenläufigen Fahrradverkehr in der Einbahnstraße. Hinzu komme das Parken außerhalb der gekennzeichneten Flächen.

Ein "Sicherheitskonzept für Radfahrer " fordert auch das Ehepaar Schaupp: SPD-Stadträtin Rita Schaupp und CBB-Stadtrat Reinhard Schaupp gehören der Radsportabteilung des TV/DJK Hammelburg an. "In Hammelburg kommt es immer wieder zu Unfällen mit Beteiligung von Radfahrern . Als Unfallschwerpunkt hat sich dabei die innere Kissinger Straße erwiesen", begründen sie ihren Antrag an den Stadtrat.

Die Schaupps fordern, die "Verkehrsführung für Radfahrer in der Stadt und gegebenenfalls in den Ortsteilen neu zu regeln". Radwege seien, wenn möglich und notwendig, als solche zu kennzeichnen. An der Ausarbeitung sollten die Polizeiinspektion, die Gebietsverkehrswacht und Mitglieder der Radabteilung des TV/DJK beteiligt werden. "Idealerweise wäre dieses Sicherheitskonzept Bestandteil des noch nicht verabschiedeten Verkehrskonzepts der Stadt Hammelburg ."

Bürgermeister plant Ortstermin

"Jeder Unfall ist einer zu viel", sagt auch Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ). Er kündigt einen Ortstermin in der Kissinger Straße an. Neben Vertretern des Senioren- und Behindertenbeirats sollen Polizei , Bauverwaltung und der Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing eingeladen werden. Warmuth hofft, dass der Termin trotz Corona-Beschränkungen noch im November stattfinden kann, trotzdem will er sich nicht auf einen Beratungstermin im Stadtrat festlegen. "So schnell wie möglich", spätestens aber bis Ende Januar.

Zu konkreten Lösungsvorschlägen nimmt Warmuth keine Stellung, nur eines sagt der Bürgermeister auf Nachfrage: "Ich selbst fahre die Kissinger Straße auch nicht mit dem Fahrrad hoch." Zudem gebe es aktuell Verkehrszählungen für das noch ausstehende Verkehrskonzept.

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