Wollbach bei Bad Kissingen

Nach Feierabend ein Superheld

Dominik Hartmann aus Wollbach hat ein ungewöhnliches Hobby. Er verwandelt sich in seiner Freizeit in Figuren aus Comic und Film.
In seiner Freizeit bewaffnet sich Dominik Hartmann mit Heißluftföhn und anderem Gerät, um an neuen Kostümen zu werkeln. Foto: Jessica Rohrbach       -  In seiner Freizeit bewaffnet sich Dominik Hartmann mit Heißluftföhn und anderem Gerät, um an neuen Kostümen zu werkeln. Foto: Jessica Rohrbach
| In seiner Freizeit bewaffnet sich Dominik Hartmann mit Heißluftföhn und anderem Gerät, um an neuen Kostümen zu werkeln. Foto: Jessica Rohrbach

Eigentlich wollte Comicfan Dominik Hartmann bei seinem monatlichen Besuch im Würzburger Comicshop nur bezahlen, als er vor acht Jahren an der Kasse plötzlich auf Harley Quinn und den Riddler aus " Batman " stieß, in echt und in Farbe! "Irgendwie fand ich das cool", erzählt der Wollbacher. Die Begegnung ließ ihn nicht los und so schrieb er nur wenig später den Comicladenbetreiber an, um sich nach den nicht gerade alltäglichen Gestalten zu erkundigen. Die Antwort folgte sogleich und legte den Grundstein für Hartmanns neue Leidenschaft - Cosplay.

Dabei handelt es sich um eine aus Japan stammende Fanpraxis, Figuren aus Comic, Film , Videospiel oder anderen Medien möglichst originalgetreu nachzustellen. Eine Prise schauspielerisches Talent ist dafür ebenso nötig wie handwerkliches Geschick, wie Hartmann erklärt. Zwar gebe es entsprechende Kostüme auch zu kaufen, doch gerade die Herstellung der aufwändigen Garderobe mache für ihn den Reiz aus. "Ich habe schon immer gern modelliert, gebaut und gebastelt", erzählt der 38-Jährige, der beruflich Kfz-Teile verkauft.

Auf Facebook vernetzte er sich nach seinem einschneidenden Erlebnis im Comicladen mit anderen Cosplayern. "Dann ist es ziemlich schnell eskaliert", erklärt Hartmann lachend. Nicht umsonst ist er einer der Vorstände der "Young Avengers Europe", die mit inzwischen 115 Mitgliedern als größte Marvel-Cosplay-Gruppe im deutschsprachigen Raum gilt. 2015 gründete er den Verband mit einer Handvoll Gleichgesinnter bei einem gemeinsamen Treffen - kostümiert versteht sich - auf der Leipziger Buchmesse . Seither findet man die bunten Superhelden- und Schurkengruppe im Alter von 18 bis 60 außerhalb von Corona-Zeiten auf Conventions, in Freizeitparks, in Kinos zu Filmpremieren oder auch bei Charity-Aktionen. Wer mitmachen will, muss sich mit einem authentischen Outfit aus einem Marvel-Comic oder -Film bewerben. Bekannte Marvel-Helden sind zum Beispiel Spider-Man, Hulk oder Wolverine.

Letzteren dürften einige wohl aus den X-Men-Filmen kennen, in denen Hugh Jackmann den muskulösen Mutanten mit Superheilungskräften, metallenem Skelett und ausfahrbaren Klingen an den Händen spielt. Doch während die prominente Wolverine-Figur meist in schwarzem Leder daherkommt, trägt die Comicfigur ursprünglich ein gelbes Kostüm und Maske, weiß Hartmann, der durch X-Men das erste Mal mit dem Marvel-Universum in Berührung kam. Keine Frage, dass der gelbe Wolverine-Look darum in seinem Kostümfundus nicht fehlt!

Ebensowenig wie das Outfit von Peter Quill, alias Star-Lord. Der Held aus "Guardians of the Galaxy" ist die Lieblingsfigur des Wollbachers. Gleich acht Kostüm-Varianten befinden sich in seiner Sammlung, Tendenz steigend, denn in jedem Film sieht der Superheld ein wenig anders aus. Charakteristisch sind ein roter Mantel, Blasterpistolen und ein multifunktionaler Helm mit roten Gläsern.

Neben Marvel-Darstellungen haben aber auch andere Figuren, beispielsweise solche aus "Herr der Ringe", "Game of Thrones", " Harry Potter ", "Star Wars" oder DC-Comics für Hartmann ihren Reiz - vor allem die Guten, die seien einfach interessanter. "Der Charakter findet dich", ist der Superheld auf Zeit überzeugt. Es kann passieren, dass er beim Frühstück einen Einfall hat und kurz darauf in seiner Werkstatt im Keller anzutreffen ist, wo er schleift, näht, stickt, bemalt, flext, schneidet, dremelt, klebt, gießt, gipst, punziert und so weiter.

Schleifen macht etwa 80 Prozent der Arbeit aus, gefolgt von nähen, was Dominik Hartmann am liebsten von Hand erledigt. Je nach gewünschtem Ergebnis muss beim Basteln, beziehungsweise Crafting - Cosplayer sprechen eine eigene Sprache - auch mal experimentiert werden. Beispielsweise mit thermoaktiven Schaumstoffen, Heißluft und Wassertransfercarbon aus dem Kfz-Bereich - neun verschiedene Blaster sind bereits auf diese Weise entstanden.

"Ich probiere immer wieder neue Werkstoffe und Techniken aus. Das kreative Arbeiten ist das coolste am Cosplay."

Im Jahr entstehen im Hause Hartmann auf diese Weise in etwa zwölf bis 13 Stunden pro Woche zwischen vier und acht neue Kostüme, die alle in einem eigenen Cosplay-Zimmer neben dem für einen großen Comicfan obligatorischen Comic-Zimmer untergebracht sind. Für ein ungewöhnliches Hobby braucht man Platz, vor allem, wenn es auch mit einer gewissen Sammelleidenschaft einher geht.

Apropos Leidenschaft: Auch Hartmanns Verlobte Erika Wiesner aus Steinach hat sich mit dem Cosplay-Virus angesteckt. Und das ist vermutlich auch nötig, um Verständnis für das recht zeitintensive Steckenpferd ihres Partners aufzubringen. Bis ein Star-Lord-Kostüm fertig ist, vergehen schon einmal 126 Stunden, wohingegen für die aufwändige Robe von Godric Gryffindor - einer der vier Gründer von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zaubererei in " Harry Potter " - etwa 320 Stunden nötig waren.

Auch Wiesner ist darum mal grün geschminkt als Gamora aus "Guardians of the Galaxy" oder ziemlich blass als russische Märchengestalt Snegurochka an der Seite von Gevatter Frost - dargestellt von Dominik Hartmann - zu bestaunen. Und wo wir gerade beim Thema Frost angelangt sind: Auch vor witzigen Prinzessinnen-Verkleidungen unter dem Motto "Disneybrosesses" macht Hartmann nicht Halt. "Es gibt auch Scherzcosplay", erklärt er mit einem Grinsen und zeigt die Ergebnisse des ein oder anderen Fotoshootings. Wer im Winter also mal am Kreuzberg auf Prinzessin Anna und Schneemann Olaf aus "Die Eiskönigin" oder ähnliche Gestalten treffen sollte, muss nicht gleich an seinem Verstand zweifeln - es könnten einfach nur ein paar Cosplayer wie Hartmann und Erika Wiesner sein.

Jessica Rohrbach

Noch mehr Helden und Fotos

Wer mehr über die Cosplay-Gruppe "Young Avengers Europe" erfahren will, findet weitere Informationen und Fotos auf Facebook unter @Youngavengerseurope oder unter www.youngavengers.eu. Dominik Hartmann ist hier unter seinen Cosplay-Namen "The Mummery" und Erika Wiesner unter "the_ericat" zu finden. Bei Instagram führt die Eingabe dieser Namen ebenfalls zu Sehenswertem.

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