Oberbach

Nach jahrelanger Zerreißprobe: Der Mobilfunkmast in Oberbach steht

Der neue Mobilfunkmast für Oberbach steht. Über Jahre drohte der Streit um die Mobilfunkversorgung das Rhöndorf zu zerreißen. Die Bürgerinitiative verzichtete zuletzt auf juristische Schritte und machte damit den Weg frei für ein besseres Handynetz im Ort.
Baulich ist  der neue Mobillfunkmast von Oberbach bereits fertiggestellt. Technisch ist er noch nicht in Betrieb. Sebastian Schmitt       -  Baulich ist  der neue Mobillfunkmast von Oberbach bereits fertiggestellt. Technisch ist er noch nicht in Betrieb. Sebastian Schmitt
Baulich ist der neue Mobillfunkmast von Oberbach bereits fertiggestellt. Technisch ist er noch nicht in Betrieb. Sebastian Schmitt

Da steht er also: Der neue Mobilfunkmast für Oberbach . Zwar ist er noch nicht technisch in Betrieb, aber er beendet jetzt schon symbolisch einen Jahrzehnte währenden Streit in der Dorfgemeinschaft. Denn die Mobilfunklöcher bereiteten dem Marktgemeinderat gehörig Kopfzerbrechen. Und nicht nur den Kommunalpolitikern. Das Mobilfunknetz ist in Oberbach so löchrig, dass Telefonieren mit dem Handy bisweilen zur Lotterie wird. Das soll sich durch den neuen Mobilfunkmast ändern.

Bereits im Jahr 2004 hatte der Gemeinderat über einen neuen Mobilfunkmast in der Nähe von Oberbach diskutiert. Doch der damalige Standort wurde seinerzeit nach heftigen Bürgerprotesten und einer Unterschriftensammlung besorgter Bürger verworfen. Die Diskussion kam allerdings nie zum Erliegen. "Ich möchte auf keinen Fall, dass der Ort in dieser Sache gespalten wird", hatte sich Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) vor einigen Jahren gewünscht. Und doch zerriss es das Rhöndorf förmlich in zwei Teile, in die Gruppe der Gegner und die Gruppe der Befürworter eines Mobilfunkmastes für Oberbach .

"Ich als Bürgermeister muss mich darum kümmern, dass der Ort lebens- und liebenswert bleibt. Junge Familien schauen sich auch in anderen Orten nach Bauplätzen und Häusern um. Andere Kommunen kämpfen regelrecht um eine gute Mobilfunkversorgung. Nur, wer sich zukunftsorientiert aufstellt, hat langfristig eine echte Chance", war stets die klare Meinung von Kleinhenz. Der Protest einer kleinen Bürgerinitiative sollte allerdings über Jahre ebenso klar und deutlich bleiben. Auch für den Tourismus sei die mangelhafte Mobilfunkversorgung in Oberbach hinderlich, so der Rathauschef.

Das Übertragungsvolumen an Daten über das Handy hat in den zurückliegenden Jahren massiv zugenommen. Die mobilen Netze müssen dafür auf dem Land noch besser ausgebaut werden. Der bislang nächstgelegene Mobilfunkmast ist rund 4,5 Kilometer von Oberbach entfernt und steht am Totnansberg. Von dort aus kann Oberbach nicht mehr zeitgemäß versorgt werden.

Drei lang gezogene Seitentäler von Oberbach brauchen Mobilfunk . Das macht grundsätzlich einen deutlich erhöhten Standort erforderlich. Aus diesem Grund wurde der Platz oberhalb der Umgehungsstraße nahe der Oberbacher Brücke gewählt.

Michael Kirchner von der Bürgerinitiative hatte die Gemeinde einst öffentlich dazu aufgefordert, einen geeigneten Standort für einen Mobilfunkmast in einem unabhängigen, dialogischen Verfahren zu suchen. Es sei ihm stets darum gegangen, einen Standort zu finden, der eine möglichst minimierte Belastung für die ganze Bevölkerung bedeutet. Den Mobilfunk in Oberbach zu verhindern, sei aber nicht die Absicht der Bürgerinitiative gewesen. Es sei nur darum gegangen, die gesamte Bevölkerung möglichst effektiv vor Gefahren zu schützen.

Als ein Rechtsstreit drohte, stellte die Bürgerinitiative ihren Protest endgültig ein. Am Ende sollte der Gemeinderat über das weitere Vorgehen zu entscheiden haben. Und das Thema Mobilfunk im Ortsteil Oberbach beschäftigte die Kommunalpolitiker in der Marktgemeinde : Intensiv und über Monate.

Kleinhenz betonte immer wieder, dass Mobilfunk längst ein Bestandteil der Daseinsvorsorge sei. Experten machten in öffentlichen Veranstaltungen darauf aufmerksam, dass bei unzureichender Mobilfunk-Versorgung Mobilfunkgeräte dauernd auf Höchstleistung arbeiten, was möglicherweise auch zu einer Belastung führen könne. Und in Notfällen sorgte die mangelhafte Netzabdeckung mehrfach für große Probleme bei der Alarmierung der Rettungsdienste. Dennoch müsse man die Wahl eines geeigneten Standortes für einen neuen Mobilfunkturm mit größter Sorgfalt angehen, so Kleinhenz

Auf der einen Seite erwarteten viele Oberbacher verständlicherweise, dass die extrem mangelhafte Mobilfunkversorgung im Ort endlich verbessert wird. Auf der anderen Seite drohte eine Klage von besorgten Bürgern gegen einen neuen Oberbacher Mobilfunkmast.

Im Mai 2017 schließlich machte der Wildfleckener Gemeinderat Nägel mit Köpfen. Das Gremium votierte mit 13 zu 2 Stimmen für eine Auftragsvergabe an die Deutsche Telekom zur Errichtung eines neuen Mobilfunkmastes nahe Oberbach . Unklar blieb lange, ob die Bürgerinitiative rechtliche Schritte gegen den mehrheitlichen Beschluss des Gemeinderats einleiten würde. Das geschah dann allerdings nicht. Aus gut unterrichteten Kreisen war zu hören, dass die Bürgerinitiative sich letztlich auflöste. Dass sie unter massiven Druck der Einheimischen geraten war, ist ein offenes Geheimnis.

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