Bad Brückenau

Narren stürmen das Bad Brückenauer Rathaus einen Tag zu früh

Unter Mithilfe befreundeter Vereine startet die Karnevalsgesellschaft in die fünfte Jahreszeit.
Prinzessin Sandy I. mit ihrer Security. Foto: Thomas Dill       -  Prinzessin Sandy I. mit ihrer Security. Foto: Thomas Dill
Prinzessin Sandy I. mit ihrer Security. Foto: Thomas Dill

In Brückenau gehen die Uhren wirklich anders: Bereits am Samstag stürmten die Narren das Rathaus, weil am eigentlichen Faschingsbeginn am 11.11. andere Termine anstanden. Dafür rückten befreundete Vereine zur Verstärkung an und nahmen den Auftakt als Generalprobe für den Sonntag.

Die Gegenwehr war gering, weil sich die meisten Stadträte weigerten, vor dem 11.11. das Rathaus zu verteidigen. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks und ihr "Deputy" (2.Bürgermeister) Jürgen Pfister wurden lediglich durch Stadtrat Florian Wildenauer nebst Nachwuchs unterstützt. Allerdings hatten sich die Damen des Bürgerbüros mächtig ins Zeug gelegt und aus dem Rathaus einen Zirkus gemacht: "Bei uns ist immer was los, vormittags Zirkus, nachmittags Theater" war als städtische Proklamation an der Rathauswand zu lesen. Entsprechend trat die Chefetage als Zirkusdirektorium ans Fenster des Rathauses.

Unter Fanfarenklängen des Spielmannszugs der Faschingsfreunde aus Hofbieber und der "Stadtkapelle" Bad Brückenau, den Georgi-Bläsern, marschierte pünktlich um 11.11 Uhr der närrische Sturmtrupp an. Sitzungspräsident Frank Vogler von den Brückenauer Karnevalisten stellte die Gastgesellschaften der Ascheberger Wolkenkratzer aus Fulda, den Faschingsclub Selbsthilfe Ebenhausen, die Hammelburger HaKaGe, die Narren aus Hofbieber und erstmals Gäste aus Wartenburg-Angersbach vor.

Gespannt waren alle Anwesenden auf die frisch gekürte Regentschaft der Bad Brückenauer Narren. "Prinzessin Sandy die Erste, First Lady und tänzerische Frohnatur" wird bis Anfang März das närrische Zepter über Bad Brückenau schwingen. Sandy Worschech, so ihr bürgerlicher Name, hat die Nachfolge ihres Bruder Benni II., Haubold übernommen. Aufgrund der unsicheren Zeiten wird sie dabei auf Schritt und Tritt von einer persönlichen, fünfköpfigen "Securitiy" begleitet, dem Männerballett der Gesellschaft.

Souverän gab sie kund, was in Zukunft Ansage ist in der Stadt. So machte sie den Pink-Lauf für den Stadtrat zur Pflicht. Um sich nicht zu sehr zu blamieren, kann das Treppenhaus und die langen Flure des leerstehenden Haus Waldenfels als Undercover-Trainingslager genutzt werden. Zudem verordnete sie dem Gremium die geschlossene Teilnahme am nächsten Faschingszug. Dem Radweg und seine Tücken waren gleich mehrere Punkte gewidmet, so solle die Stadtverwaltung, nun ja vorrübergehend arbeitslos, als Sicherheitspersonal dienen, auch die Bahnschranken sollen wieder in Funktion gesetzt werden, um den Radfahrern sicheres Queren der Straßen zu ermöglichen.

Auch der geöffneten Fußgängerzone widmete sie einige Paragraphen. Nach Meinung der Prinzessin erfordert das enorme Fahrzeugaufkommen in der Ludwigstraße die Möglichkeit zum Tanken und Waschen der Fahrzeuge. Sicherlich wird dadurch die Innenstadt in naher Zukunft wieder boomen.

Nach weiteren Wortgefechten, diesmal gewürzt mit einem Brückenauer Ortsteilquiz an die heimatgeschichtlich bewanderte Prinzessin, dem Herablassen eines Versöhnungstranks und der fast leeren Stadtkasse trat der karnevalistische Rammbock in Aktion und öffnete die Rathaustüren. Gefesselt wurde das "Zirkusdirektorium" auf den Marktplatz geführt. Hier hatten die Karnevalisten als letzte Übergabeprüfung einen symbolischen Radweg aufgebaut, den Meyerdierks, Pfister und Wildenauer mit Spaßrädern aus dem Fahrradmuseum befahren durften. Brigitte Meyerdierks spielte den Ball gleich weiter und ließ Prinzessin Sandy I. den Express-Radweg offiziell als eröffnet erklären. Die gemeinsame Ratssitzung der anliegenden Gemeinden am 22. November dürfte somit schon etwas kürzer ausfallen. Die Verantwortlichen aus Rathaus und Karnevalsgesellschaft einigten sich darauf, wieder eine gemeinsame närrische Stadtratssitzung durchzuführen, in der Hoffnung den Erfolg der letztjährigen, spontanen Sitzung noch zu toppen.

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