Burkardroth

Nationalpark Rhön: Streitpunkte aus Burkardroth

Der Markt Burkardroth liegt im Zentrum eines möglichen Nationalparks Rhön. Nicht nur die Privatwaldbesitzer befürchten Einschnitte.
Wanderer in der Rhön Foto: Uwe Zucchi       -  Wanderer in der Rhön Foto: Uwe Zucchi
| Wanderer in der Rhön Foto: Uwe Zucchi
Im Markt gibt es momentan ein großes Thema: die Pläne für den Nationalpark Rhön. Egal ob an Stammtischen, bei Familienfeiern oder mit Freunden - überall wird diskutiert. Im Rathaus herrscht Besucherandrang."Täglich stehen bei mir zwei, drei Mann im Büro und wollen Auskünfte", sagt Bürgermeister Waldemar Bug (ödp). Hinzu kommen noch zahlreiche telefonische Nachfragen. Und das nicht ohne Grund. Keine Kommune im Landkreis ist so stark von den Plänen für einen Nationalpark Rhön betroffen wie der Markt Burkardroth. Die Saale-Zeitung nennt die wichtigsten Punkte.
Streitpunkt: Privatwald

Die Waldfläche der Großgemeinde umfasst insgesamt 2531 Hektar. Das ist mehr als ein Drittel der Gemeindefläche, die in der aktuellen Rathausstatistik mit 6913 Hektar angegeben ist. Die Waldfläche des Marktes setzt sich aus 1066 Hektar Staatswald, 688 Hektar Gemeindewald und 762 Hektar Privatwald zusammen. Dessen Grundstücke gehören rund 2 000 Besitzern, machen zusammen genommen rund 30 Prozent der gesamten Waldfläche aus. Etliche dieser Privatwälder grenzen an den Staatsforst oder liegen sogar mittendrin. Deren Eigentümer befürchten nun, dass sie ihre Waldgrundstücke bei Ausweisung eines Nationalparks Rhön nicht mehr so intensiv nutzen können, wie zuvor. "Außerdem ist unklar, wie wir künftig dorthin gelangen. Bleiben die Wege bestehen?", will Alfons Kirchner aus Premich wissen.

Doch eine konkrete Antwort aus dem Umweltministerium gibt es dazu nicht. "Für einen möglichen Nationalpark wird vorwiegend auf staatliche Waldflächen zurückgegriffen. Private Flächen werden nur einbezogen, wenn es der Eigentümer wünscht", teilt Karl-Friedrich Barthmann mit, der Leiter einer eigens im Ministerium gebildeten Projektgruppe. Zudem versichert er, dass es in Privatwäldern außerhalb von Nationalparkflächen keinerlei Nutzungseinschränkungen geben wird. "Die Eigentümer können ihre Wälder wie bisher bewirtschaften", schreibt Barthmann. Das Waldmanagement werde außerdem so ausgerichtet, dass vom Nationalpark keine Auswirkungen auf die angrenzenden privaten Wälder zu befürchten sind." Im Nationalpark Bayerischer Wald findet in der Randzone ein intensives und erfolgreiches Borkenkäfermanagement statt", fügt er hinzu.
Streitpunkt: Wildkammer und Azubi-Stützpunkt

Etwas mehr als zwölf Monate hat der Umbau des ehemaligen Maschinenstandortes an der Ecke Forst-/Wendelinusstraße in Stangenroth gedauert. Dort ist nicht nur ein Ausbildungsstützpunkt der Bayerischen Staatsforsten entstanden, sondern auch eine neue Wildkammer sowie mehrere Büroräume. Rund 475 000 Euro haben die Arbeiten gekostet. Im Oktober 2016 wurde der sanierte Standort bei einem Fest mit der Bevölkerung Stangenroths eingeweiht. Mittlerweile werden vier Lehrlinge zu Forstwirten ausgebildet. Ihre Zukunft scheint nun ungewiss. Doch der Leiter der Projektgruppe im Umweltministerium, Karl-Friedrich Barthmann, gibt Entwarnung. Für das Wald- und Wildtiermanagement in einem Nationalpark Rhön werde sowohl forstwirtschaftlich ausgebildetes Personal als auch eine entsprechende Infrastruktur benötigt. "Die neue Nationalparkverwaltung wird den bislang im Forstbetrieb Beschäftigten eine Übernahme anbieten", schreibt er auf Nachfrage dieser Zeitung. Somit können die Auszubildenden vom Stützpunkt auf eine Übernahme hoffen.

Schließlich sei ein Nationalpark auch Ausbildungsbetrieb, betont der Projektleiter. Wie die bereits vorhandenen und sanierten Gebäude weiter genutzt werden, dazu machte er jedoch keine Angaben. "Das wird im Zuge einer konkreten Nationalparkausweisung gemeinsam mit der Region entwickelt", lässt Barthmann offen.
Streitpunkt: Brennholz

Im Markt Burkardroth gibt es 7 591 Einwohner, die in geschätzt 3 000 Haushalten leben. Eine genaue Zahl wird im Burkardrother Rathaus nicht erfasst. Fast alle Haushalte betreiben einen Holz- oder Kaminofen - in der Wohnung, im Keller, in Werkstätten oder Nebengebäuden. Das bestätigt auch Bezirkskaminkehrermeister Frank Kronewald. Allein die Haushalte in seinem Bezirk, zu dem die Ortschaften Burkardroth, Wollbach, Zahlbach, Frauenroth, Lauter, Katzenbach, Waldfenster, Oehrberg und Gefäll gehören, betreiben rund 2 000 Kaminöfen sowie rund 200 Holzheizungen.

Wenn nun jeder der rund 3 000 Haushalte im Markt Burkardroth einen Holzofen nutzt und im Jahr durchschnittlich 7,5 Ster Brennholz verbraucht, ergibt sich ein durchschnittlicher Bedarf von 22 500 Ster. Das sind umgerechnet 15 750 Festmeter Brennholz pro Jahr. Doch wo kommt das her?

Aus den Staatswäldern, die auf Gemeindegebiet des Marktes Burkardroth und im Salzforst liegen, werden laut Forstbetriebsleiter Wolfram Zeller jährlich rund 1 000 Festmeter Brennholz verkauft. 770 Festmeter davon stammen von Baumkronen, weitere rund 200 Festmeter sind sogenanntes Polderholz. Dabei handelt es sich um rund vier Meter lange Stämme. Auch der Markt Burkardroth verkauft Brennholz. Zwischen 500 und 1000 Festmeter fallen hier pro Jahr an, berichtet der Gemeindeförster Joachim Dahmer.

Wie viel Brennholz in den Privatwäldern erwirtschaftet wird, ist nicht bekannt. Da die Fläche der privaten Waldbesitzer ungefähr so groß wie die des Gemeindewaldes ist, lässt sich ein ähnliches Ergebnis ableiten.
Ein weiterer wichtiger Brennholzlieferant im Markt Burkardroth ist Ferdinand Zink, der sich mit seinem Betrieb im Ortsteil Zahlbach etabliert hat. Pro Jahr verarbeitet der Brennholzhandel rund 4 000 Festmeter Holz. "Wir beziehen alles aus der Rhön", sagt Zink. Wenn ihm diese Bezugsquelle wegen des Nationalparks wegbricht, muss er Holz aus dem Spessart oder anderen Regionen holen. "Das Brennholz wird dann auf jeden Fall teurer", ist er überzeugt.

Oder es muss importiert werden, beispielsweise aus Weißrussland. "Die verkaufen ihr Holz mittlerweile zum selben Preis wie wir", weiß Zink. Nur vergessen viele, dass dieses Brennholz erst 1500 Kilometer weit transportiert werden musste. Das belastet die Umwelt sogar doppelt: Zum einen wird allerhand Kraftstoff für den Transport verbraucht, andererseits entstehen riesige Kahlschläge - mittlerweile gängige Praxis auch in anderen osteuropäischen Ländern. "Für den Brennholzhandel wird es schwierig", schätzt auch Bürgermeister Waldemar Bug. Einiges fiele durch den Nationalpark weg. Dennoch ist er überzeugt: "Es ist alles lösbar."
Streitpunkt: Verkehr

Mitten durch den Markt Burkardroth verläuft die Staatsstraße 2290. Sie führt aus Richtung Oberthulba kommend nach Sandberg, ist somit eine wichtige Verbindung hinauf in die Rhön. 3732 Fahrzeuge passieren laut einer Verkehrszählung von 2010 die Staatsstraße zwischen Lauterer Kreuzung und Premich. Sie bildet in diesem Abschnitt auch die Ortsdurchfahrt von Zahlbach, Burkardroth und Stangenroth. Aktuellere Zahlen zum Verkehrsaufkommen gibt es nicht. Momentan wird im zuständigen Bayerischen Ministerium auf die Freigabe der jüngsten Verkehrszählung von 2015 durch das Bundesverkehrsministerium gewartet, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Laut Bürgermeister Waldemar Bug rollen täglich etwa 7000 Fahrzeuge durch die Ortsdurchfahrt Zahlbachs, an Spitzentagen sind es auch mehr. Für die Anwohner ist das eine enorme Belastung. "Es nicht auszuschließen, dass es mit dem Nationalpark am Wochenende mehr Verkehr gibt", sagt das Ortsoberhaupt. Für Entlastung könnte die Ortsumgehung sorgen, die seit den 1980er-Jahren im Regionalplan hinterlegt ist, aber nie konkret anvisiert wurde. Doch im Umweltministerium scheint diese kein Thema zu sein. Auf Nachfrage antwortet Projektleiter Barthmann: "Ein möglicher Nationalpark wird nicht zu Lasten der Menschen in der Region gehen. Stattdessen wird mit der Region ein intelligentes Verkehrskonzept entwickelt, wie das Igelbussystem im Nationalpark Bayerischer Wald."

Diese sogenannten Igelbusse fahren die attraktivsten Ziele im Nationalparkgebiet an, so dass die Besucher auf den Pkw verzichten können. Zudem ist auf der Homepage des Betreibers nachzulesen, dass dafür "besonders umweltfreundliche Dieselbusse nach den strengen Richtlinien der Euro-VI-Norm" eingesetzt werden.
Parallel zu einem Bussystem werde laut Barthmann auch der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in einem Nationalpark Rhön eine entscheidende Rolle spielen.
Streitpunkt: Information

Burkardroths Bürgermeister Waldemar Bug sind die genannten Punkte und die damit verbundenen Probleme bekannt. Doch auch er weiß noch nichts Konkretes, hat keine Lösungen. "Mir wird sogar vorgeworfen, keine Bürgerinformationen zu geben. Dabei habe ich sie schlichtweg nicht", sagt er. Deshalb hofft er nun darauf, dass der umfangreiche Fragenkatalog beantwortet wird.

Diesen haben die Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner und Steffen Vogel sowie die Landräte für Bad Kissingen, Thomas Bold, und Rhön-Grabfeld, Thomas Habermann sowie die beiden Bürgermeister Birgit Erb und Gotthard Schlereth am 20. April an die Umweltministerin Ulrike Scharf gesendet. Die Antworten stehen noch aus.

Außerdem beabsichtigt Bug, sobald als möglich eine Bürgerversammlung zu den Nationalpark-Plänen im Markt zu organisieren. "Schön wäre es, wenn wir dafür einen hochrangigen Referenten bekämen", fügt er hinzu.
Bug selbst befürwortet einen Nationalpark Rhön, erhofft sich davon einen Aufschwung für den Markt. Schließlich gebe es vom Freistaat ordentlich Geld, um Attraktionen zu schaffen. Vor Kurzem war er selbst im Bayerischer Wald. "Es gibt dort fast keinen Leerstand mehr und viele Gastwirtschaften", sagt er.
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