Bad Kissingen

Neue Ideen fürs Stadtbild

Wie bereitet sich die Stadt auf den möglichen Welterbe-Titel vor? Das Projektteam macht sich in Sachen Stadtplanung Gedanken über Gäste, ein Besucherzentrum, Wegeverbindungen und den Schutz des Unesco-Gebiets.
Das Projektteam macht sich in Sachen Stadtplanung Gedanken über Gäste, ein Besucherzentrum, Wegeverbindungen und den Schutz des Unesco-Gebiets. Foto: Benedikt Borst
Das Projektteam macht sich in Sachen Stadtplanung Gedanken über Gäste, ein Besucherzentrum, Wegeverbindungen und den Schutz des Unesco-Gebiets. Foto: Benedikt Borst

Aus Unesco-Sicht könnte das Jahr 2020 das entscheidende für Bad Kissingen werden. Voraussichtlich im Sommer wird sich das Welterbekomitee mit dem Antrag der Great Spas of Europe befassen und darüber entscheiden, ob der Städtetyp "europäischer Kurort" so bedeutend ist, dass die elf Bewerberstädte auf die Weltkulturerbeliste gehören. Das Projektteam um Kulturreferent Peter Weidisch hofft natürlich auf den Idealfall: Dass die Unesco dazu direkt Ja sagt und die elf Orte sich künftig mit dem Prädikat Unesco-Weltkulturerbe schmücken dürfen. Wie bereitet sich die Stadt aber auf genau diesen Fall vor?

Standort für Besucherzentrum

"Aus unserer Sicht gibt es dazu verschiedene Themen", sagt Stadtplanerin Christine Schwind. "Aktuell haben wir eine Untersuchung laufen, an welcher Stelle das Welterbezentrum entstehen könnte." Das Bauamt hat bereits ein Planungsbüro beauftragt, eine Standortanalyse zu erstellen. Es wird geprüft, ob die zentrale Anlaufstelle für Welterbegäste in einem bestehenden Gebäude möglich ist, ob es einen Neubau braucht, wo freie Flächen dafür vorhanden sind und natürlich, was das ganze kostet. Die Lage in der Schutzzone spielt eine Rolle, ebenso wie die Frage danach, auf welchen Wegen die Besucher vom Zentrum zu den Welterbestätten gelenkt werden sollen. Neben der Standortanalyse für das Welterbezentrum soll eine zweite Untersuchung zum Thema Welterbe und nachhaltiger Tourismus beauftragt werden.

Das Kulturreferat bereitet aktuell die Vergabe vor. "Wir haben bei der Erstellung der Standortanalyse festgestellt, dass uns touristische Daten fehlen", berichtet Weidisch. Die sollen parallel zur Standorterkundung gewonnen werden und bis zum Sommer vorliegen.

Wer kommt als Unesco-Gast?

Die zweite Studie beschäftigt sich mit Fragen zu den möglichen Welterbegästen. Welche Menschen werden angesprochen, wo kommen sie her, wie reisen sie an, welche Kaufkraft bringen sie in die Stadt mit und: "Wie muss sich die Stadt aufstellen, um damit umzugehen", sagt Weidisch. Das fängt an bei der Verkehrsführung und der Frage nach Park- und Busparkplätzen und geht weiter zu Überlegungen, wie das Unesco-Schutzgebiet erschlossen wird. Auch inwiefern Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel in der Stadt für das Thema gerüstet sind, soll die Studie betrachten.

Eine mögliche Weltkulturerbe-Auszeichnung und zusätzliche Welterbegäste würden "sich auch auf den Bürger und den Gesundheitsgast auswirken", sagt Weidisch. Die Planung müsse also gewährleisten, dass sich die drei Gruppen nicht gegenseitig ins Gehege kommen. "Da könnte es Konfliktpotenzial geben", meint Schwind. Etwa wenn Bürger und Gesundheitsgäste sich in den Park oder die Kuranlagen begeben, um Ruhe suchen, dabei aber von Touristengruppen gestört werden.

Die Besucher zu lenken, ist für die Planer auf der einen Seite zwar eine Herausforderung, auf der anderen Seite bietet das aber auch Chancen für die Stadt. "Wir wollen keinen Fotopoint-Tourismus", betont Weidisch. Ziel müsse es sein, den Unesco-Gast in der Stadt zu halten, ihn dazu zubringen, die kulturellen und gesundheitlichen Aspekte Bad Kissingens mitzunehmen und auch Geld in der Stadt auszugeben. Ein Vorteil dabei könnte sein, dass sich die potenziellen Welterbestätten über das Stadtgebiet verteilen, vom Kaskadental und der Unteren Saline im Norden bis zum Schlachthof und zum Golfplatz im Süden. Schwind: "Wir haben nicht den einen Punkt, den man sich anschaut, sondern viele Stätten auf einer großen Fläche." Wer davon viel sehen möchte, benötigt einen längeren Aufenthalt.

Neben der Standortanalyse und den touristischen Vorüberlegungen hat die Stadtplanerin noch ein drittes Thema auf dem Schirm: "Wie schützen wir unser Welterbe?", sagt sie. Dabei geht es nicht nur um die offenkundigen Denkmäler wie den Regentenbau, sondern zum Beispiel auch um Wohn-, Kur- und Geschäftshäuser, die im Unesco-Gebiet liegen. Die Stadt habe verschiedene Schutzmechanismen, um diese Bausubstanz zu schützen. Dazu gehören die Kurzone und zwei neu ausgewiesene Sanierungsgebiete für Altstadt und Umgriff. Für die Kurzone bereitet die Verwaltung ebenfalls ein Sanierungsgebiet vor. Damit ist ein großer Teil des Propertys abgedeckt.

Über kommunale Zuschüsse und steuerliche Vorteile bekommen die Eigentümer in diesen Gebieten Anreize, "dieses Schutzgut, zu erhalten", sagt Schwind. Auch wenn es sich um private Häuser handelt, kann das Rathaus sich über Eigentümerberatungen mit dem Investor abstimmen und hat so die Möglichkeit, auf die Stadtentwicklung Einfluss zu nehmen. Bei den Eigentümern stoßen sowohl die Sanierungsgebiete, als auch die Welterbe-Bewerbung auf Interesse. "Es kommen mehr Anträge. Man merkt an Gesprächen mit Investoren, dass Unesco ein Thema ist", berichtet Schwind. Aus stadtplanerischer Sicht bringen die Great Spas schon jetzt frischen Wind.

Zur Unesco-Serie

Bewerbung Elf traditionsreiche Kurorte aus Deutschland, Tschechien, Österreich, England, Italien, Frankreich und Belgien wollen als "Great Spas of Europe" von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt werden. Welche Argumente führt Bad Kissingen an, als Teil der Gruppe welterbewürdig zu sein? Die Saale-Zeitung beleuchtet regelmäßig in einer redaktionellen Serie über die Hintergründe. lbo

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