Bad Kissingen

Nur noch ein Kissinger Kreisrat setzt auf Briefpost

In der ersten Arbeitssitzung wurden Ausschüsse besetzt und Formalitäten geklärt. Als einziger im Gremium nimmt Robert Römmelt nicht an den elektronischen Ladungen teil.
Im Herbst kandidierte er für den Landtag, bis vor zwei Wochen war er Riedenberger Bürgermeister, aber einen privaten Computer braucht Robert Römmelt nicht: "Mein PC hatte vor einem halben Jahr einen Maschinenschaden, und ich vermisse ihn gar nicht", erzählt der 58-Jährige. Deshalb ist der Riedenberger Kreisrat auch der einzige, der sich seine Sitzungsunterlagen per Post schicken lässt. "Das abhörsicherste System des russischen Geheimdienstes ist immer noch die Schreibmaschine", sagt Römmelt lachend.

Ein Brief pro Quartal für alle

In der Arbeitssitzung beschloss der Kreistag unter anderem die neue Geschäftsordnung. Diese sieht - wie bereits seit 2008 - auch elektronische Ladungen vor. Sprecher Stefan Seufert stellte das System vor: Einmal pro Quartal werden die Sitzungstermine per Post verschickt, die einzelnen Tagesordnungen und Sitzungsunterlagen können sich die Kreisräte dann elektronisch abrufen. Für anfallende Druckkosten sei die Monatspauschale bereits 2008 erhöht worden. Weitere Vorteile: Die Räte können auch ältere Daten und Unterlagen von Ausschüssen, denen sie nicht angehören, herunterladen.

59 der 60 Kreisräte überzeugte Seufert: Sie unterschrieben die Einverständniserklärung und erhielten ihre Passwörter für das Kreistagsinformationssystem. Nur Römmelt blieb hartnäckig: Ausgerechnet der promovierte Akademiker setzt auf Briefpost. "Nur für den Kreistag schaffe ich mir keinen neuen Rechner an." Die Lösung sei keine Technik-Verweigerung, sondern auch betriebswirtschaftlich sinnvoll. "Egal ob auf Papier oder am Bildschirm: Wichtig ist, dass man überhaupt mal quer drüber liest", sagt Römmelt. Und: "Wenn mir was nicht klar ist, rufe ich einfach im Landratsamt an." Und seine Informationen hole er sich generell nicht aus dem Internet, sondern aus der Saale-Zeitung und der "taz". Und wenn Römmelt wirklich mal was auf dem Computer erledigen muss, geht er einfach zu Bekannten.

Erst Kiesel, dann Wegner

In der ersten Arbeitssitzung wurden vor allem sämtliche Ausschüsse besetzt (siehe Info-Kasten). Die Plätze wurden jeweils nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren vergeben. Wo nur ein Vertreter zu bestellen ist, fällt der Platz somit automatisch der CSU zu. PWG, ödp und FDP teilten einzelne Plätze unter sich auf. Eine Sonderregelung wurde für den Rechnungsprüfungsausschuss getroffen: In diesem Gremium hat die ersten drei Jahre der laufenden Amtsperiode Robert Kiesel (CSU) den Vorsitz und Jürgen Wegner (Grüne) vertritt ihn, danach tauschen beide die Positionen.

Kreisausschuss Robert Kiesel, Matthias Klement, Benno Metz, Brigitte Meyerdierks, Paula Vogler und Armin Warmuth (alle CSU), Alfred Schrenk und Ernst Stross (beide SPD), Stefan Lang (FW-CBB), Johannes Wegner (Grüne/BfU), Dieter Muth (PWG) sowie Waldemar Bug (ÖDP).

Rechnungsprüfungsausschuss Edgar Kast, Robert Kiesel und Paula Vogler (alle CSU), Wolfgang Görner (SPD), Stefan Lang (FW-CBB), Johannes Wegner (Grüne/BfU) sowie Adelheid Zimmermann (FDP).

Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens: Siegfried Erhard, Sandro Kirchner und Edgar Thomas (alle CSU), Sabine Dittmar (SPD), Wolfgang Dünisch (FW-CBB), Volker Partsch (Grüne/BfU) sowie Waldemar Bug (ÖDP).
Wirtschafts- und Umweltausschuss Wolfgang Back, Peter Hart, Michael Heppes, Sandro Kirchner, Egon Klöffel und Walter Müller (alle CSU), Achim Bieber, Robert Römmelt und Jürgen Englert (alle SPD), Gotthard Schlereth und Stefan Lang (beide FW-CBB), Volker Partsch (Grüne/BfU), Roland Limpert (PWG) sowie Norbert Schmäling (ÖDP).

Kulturausschuss Patrick Bindrum, Albrecht Eyrich-Halbig, Walter Gutmann, Harald Hofmann, Edgar Kast und Karin Renner (CSU), Britta Bildhauer, Jürgen Englert und Wolfgang Görner (SPD), Eugen Albert und Sabine Oschmann-Hockgeiger (FW-CBB), Richard Fix (Grüne/BfU), Roland Limpert (PWG) und Oswald Türbl (ÖDP).

Stifungsrat "Carl-von-Hess'sche Sozialstiftung Hammelburg: Patrick Bindrum, Helmut Blank, Irmgard Heinrich, Brigitte Meyerdierks, Karin Renner und Martin Wende (CSU), Jürgen Englert, Hans-Dieter Scherpf und Ernst Stross (SPD), Peter Sell und Reimar Glückler (FW-CBB), Christian Fenn (Grüne/BfU), Jürgen Pfister (PWG) und Adelheid Zimmermann (FDP).

Sportbeirat Martin Wende (CSU), Hans-Dieter Scherpf (SPD), Eugen Albert (FW-CBB), Richard Fix (Grüne/BfU), Roland Limpert (PWG), Manfred Dittmar (FDP), Norbert Schmäling (ÖDP).

Vorbereitungsgremium für die Verleihung des Kulturehrenbriefes:
Bernd Hammer (CSU), Jürgen Englert (SPD), Eugen Albert (FW-CBB), Monika Horcher (Grüne/BfU), Dieter Muth (PWG), Adelheid Zimmermann (FDP) sowie Oswald Türbl (ÖDP).
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