Oberleichtersbach

Oberleichtersbach: Für eine schnellere Politik

Direkt und kritisch formuliert Oliver Fell seine Ideen für die Gemeinde. Er sieht sich als Macher, der vor der Bürokratie in der Kommunalpolitik nicht zurückschreckt.
Oliver Fell wohnt mit seiner Lebensgefährtin im Ortskern von Oberleichtersbach. Seine Tattoos sind sein Markenzeichen. Foto: Julia Raab       -  Oliver Fell wohnt mit seiner Lebensgefährtin im Ortskern von Oberleichtersbach. Seine Tattoos sind sein Markenzeichen. Foto: Julia Raab
| Oliver Fell wohnt mit seiner Lebensgefährtin im Ortskern von Oberleichtersbach. Seine Tattoos sind sein Markenzeichen. Foto: Julia Raab

Auf dem Hals hinter dem linken Ohr prangt ein tätowierter Drache, der bis auf die Kopfhaut reicht. Die Unterarme sind beide nicht minder sichtbar tätowiert. Die Innenseite seines rechten Arms ziert ein Bild zweier Kleinkinder. Seine beiden Kinder seien das, mittlerweile erwachsen, erzählt Oliver Fell, Bürgermeisterkandidat der CSU für die Gemeinde Oberleichtersbach . Auf dem linken Arm ist eine Feder zu sehen, die "passion for my work" schreibt. Übersetzt heißt das "Leidenschaft für meine Arbeit" - eine Andeutung , wie wichtig Fell sein eigener Baggerbetrieb ist.

Wie ein typischer CSU-Politiker sieht Oliver Fell sicher nicht aus. Dessen sei er sich bewusst, sagt er. Anfänglich habe es auch aus der Partei Vorbehalte gegeben. "Mittlerweile sind die Bedenken wie weggeblasen", sagt der 48-Jährige . Er gehe offen auf die Menschen zu, "nur damit kann ich Vorurteile abbauen". Als Bürgermeister kandidiert er, weil er unzufrieden ist. "Finanziell steht die Gemeinde so gut da, aber die aktuelle Führung hat sich in den vergangenen sechs Jahren nur auf dem Bestehenden ausgeruht", kritisiert Fell.

Sohn übernimmt Betrieb

Deshalb auch der Wahlspruch auf den Wahlplakaten, der lautet: "Unsere Gemeinde kann mehr". Konkret spricht er die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes, eine Entlastungsstraße und "ganz einfache Dinge wie beispielsweise einen Spielplatz im Neubaugebiet in Oberleichtersbach " an. Es gehe ihm alles zu langsam, und dieses Gefühl werde ihm auch von vielen Bewohnern der Gemeinde widergespiegelt.

"Mein Vater war früher im Gemeinderat und für mich ist jetzt die Zeit gekommen, mich mehr einzusetzen", sagt Fell. Als kommunalpolitischer Neuling versucht Fell gleich den Sprung ins Bürgermeisteramt. Gemeinderat war in der Vergangenheit keine Option für ihn, denn "als Bürgermeister kann ich viel mehr bewegen". Für die kommende Wahlperiode stehe er allerdings auch als Gemeinderat zur Verfügung. Im Fall eines Wahlsieges übernehme Sohn Kevin den Baggerbetrieb, damit er sich ganz auf sein Amt konzentrieren könne.

Von der Kandidatur selbst habe er keinen persönliche Vorteil. Manche sagen ihm nach, es ginge ihm um Aufträge für sein Unternehmen. Doch das Gegenteil sei der Fall: "Ich stelle mich in den öffentliche Diskurs, werde kritisiert und spreche auch problematische Themen an. Damit muss ich umgehen können", sagt er. Ihm sei deshalb ein fairer Wahlkampf äußerst wichtig. "Ich möchte meinem Konkurrenten auch danach noch in die Augen sehen können - egal, wie die Wahl ausgeht."

Neue Straße als Idee

Ein heißes Thema im Wahlkampf ist für Fell die Entlastung der Dörfer Mitgenfeld und Breitenbach durch den Schwerlastverkehr vom Gewerbegebiet zur Autobahn. Eine Entlastung über Unterleichtersbach und Einraffshof - wie es Bürgermeister Dieter Muth (AWG) präferiere - ist für Fell allerdings nur eine "Problemverlagerung, die nicht zum Ziel führt". Für ihn sei die einzig richtige Lösung eine komplett neue Straße vom Gewerbegebiet Buchrasen zur Autobahn. "Ich habe bereits mit vielen Landbesitzern und Betrieben in dieser Umgebung gesprochen, nur dadurch kann eine passende Lösung für alle gefunden werden", ist er sich sicher.

Im Fall einer Niederlage gehe für ihn alles weiter wie bisher. "Ich setze mich mit meiner Kandidatur auch einem Risiko für meinen Betrieb aus", sagt Fell. Trotzdem gehe er lieber den geraden Weg. "Ich spreche alle Menschen direkt an, die Kommunikation und der Austausch sind mir besonders wichtig."

Drei Fragen an Oliver Fell

Was zeichnet Sie als Bürgermeisterkandidaten in Oberleichtersbach im Vergleich zu Ihrem Konkurrenten aus?

Mein Konkurrent ist Dieter Muth . Ich bin mutiger. Es gilt, anzupacken, die Zukunft aktiv anzugehen und sich nicht auf Bestehendem auszuruhen. Trotz guter finanzieller Lage der Gemeinde wurde nichts Neues in Angriff genommen. Viele unserer Punkte findet man jetzt auch im Wahlprogramm von Herrn Muth wider, doch leider hat sich gerade bei diesen Themen in der letzten sechs Jahren nicht genügend getan.

Wie sieht das Gewerbegebiet Buchrasen in zehn Jahren aus?

Als Bürgermeisterkandidat steht es mir nicht zu, Spekulationen für die nächsten zehn Jahre zu betreiben. Als realistische Chance sehe ich jedoch bei entsprechender Förderung und Unterstützung, unsere wachsenden Bestandsbetriebe sowie auch jungen Firmen zu stärken, die unsere zentrale und günstige Lage zu schätzen wissen.

Die Gemeinde Oberleichtersbach steht finanziell hervorragend da. Welche Herausforderungen sehen Sie dennoch, wenn Sie in die Zukunft blicken?

Es gibt viel zu tun. Zum Beispiel haben die meisten Ortsteile nicht mal einen vernünftigen Spielplatz für unsere Kinder. Der Anteil der älteren Mitbürger nimmt stetig zu. Hier gilt es, Einkaufsmöglichkeiten und den Bürgerbus umzusetzen und auf lange Sicht ein Seniorenwohnheim zu realisieren. Die Feuerwehren und Vereine sind das Rückgrat unserer Gemeinde. Es muss eine bedarfsgerechte und faire Förderung umgesetzt werden. Größte Herausforderung der nächsten Jahre wird eine Entlastungsstraße für unsere Ortsteile sein. Zum einen brauchen unsere Betriebe eine gute Anbindung zur Autobahn, zum anderen leiden viele Anwohner unter dem Verkehrsaufkommen. Unser Ziel muss es sein, eine Lösung zu finden, mit der die betroffenen Landwirte gut leben und auch unsere schöne Natur so wenig wie möglich beeinträchtigt wird.

Zur Person

Vita Oliver Fell ist 48 Jahre alt und auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern in Oberleichtersbach aufgewachsen. Nach seinem Hauptschulabschluss lernte er Baumaschinenführer bei der Firma Stolz. 1991 gründetet Fell seinen eigenen Baggerbetrieb. Wenige Jahre später übernahm er zusätzlich die Landwirtschaft seiner Eltern . Seit 2019 teilt er sich die Arbeit im Betrieb mit Sohn Kevin. Fell hat zwei erwachsene Kinder, ist geschieden und lebt mit seiner Lebensgefährtin in Oberleichtersbach .

Interessen Im Musikkorps Oberleichtersbach spielte Fell das Saxofon. Er ist Gründungsmitglied des Burschenvereins und war Mitglied bei der Jugendfeuerwehr. In seiner Freizeit tanzt Fell Salsa.

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