Bischofsheim an der Rhön

Orthodoxer Weihnachtsgottesdienst ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Die Gläubigen der russisch-orthodoxen Kirche feierten am Abend des 6. Januar den Heiligen Abend in der Prokopiuskirche in Bischofsheim.
Pfarrer Fjodor Hölldobler bei der Weihnachtsmesse in der Prokopiuskirche  in Bischofsheim. Foto: Marion Eckert
Pfarrer Fjodor Hölldobler bei der Weihnachtsmesse in der Prokopiuskirche in Bischofsheim. Foto: Marion Eckert

Das neue Jahr hat Einzug gehalten, und vielerorts sind die Krippen und Weihnachtsbäume schon aus den Wohnzimmern verschwunden. Wenn auch die Weihnachtsbeleuchtung an manchen Häusern noch brennt, in der Wahrnehmung ist Weihnachten schon wieder vorbei. Nicht so in der russisch-orthodoxen Kirche, die Gläubigen feierten am Abend des 6. Januar den Heiligen Abend in der Prokopiuskirche in Bischofsheim.

Der Grund für das abweichende Datum sind unterschiedliche Kalender. Die russisch-orthodoxen Christen berechnen das Fest nach dem älteren julianischen Kalender und nicht nach dem seit 1582 eingeführten gregorianischen Kalender. Sie behielten den alten Kalender und feiern somit Christi Geburt 13 Tage später.

Weihnachten in der russisch-orthodoxen Gemeinde in Bischofsheim ist immer wieder ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Weihnachtliche Stimmung hing schon in der Luft, als die Gläubigen den mit Kerzen erleuchteten Kirchenraum betraten. Sie begrüßten sich, es wurde sich gegenseitig umarmt und leise Unterhaltungen geführt. Beinahe jeder Gläubige hatte ein Bündel dünner Bienenwachskerzen in der Hand, zündete sie vor verschiedenen Ikonen an und betete leise. Es war eine familiäre und sehr persönliche, warmherzige Atmosphäre. Die Kirche schien ein Zuhause sein, ein Ort der Geborgenheit und der Gemeinschaft.

Gespannte und ehrfurchtsvolle Erwartung

Der Blick auf den Altarraum war durch einen goldenen Vorhang und die geschlossenen halbhohen Türen versperrt. Pfarrer Fjodor Hölldobler ging im prächtigen, mit goldenen Stickereien besetzten liturgischen Gewand durch den Kirchenraum und begrüßte die Gläubigen. Eine gespannte und  ehrfurchtsvolle Erwartung hing in der Luft, es war eine festliche und zugleich gelöste Atmosphäre. Dann begann die Schola, die den gesamten Gottesdienst mit dem Gesang begleitete: "Erhöre mich Herr", diese Bitte wurde immer wieder wiederholt. Der Gesang nimmt einen sehr wichtigen Platz im orthodoxen Gottesdienst ein. Instrumentale Kirchenmusik  gibt es nicht, es gibt keine Orgel, kein Klavier oder sonstige begleitende Instrumente. Einzig der eindrucksvolle Gesang ist zu hören, er ist Teil der Liturgie, keine Ausschmückung oder Ergänzung oder Begleitung. Währenddessen verehrten die Gläubigen die verschiedenen Ikonen mit Christus, der Gottesmutter, den biblischen Szenen, den Heiligen.

Ikone ein Fenster zur Ewigkeit

Auch Ikonen sind in der orthodoxen Kirche Bestandteil der prächtigen Liturgie.  Doch die Verehrung gilt nie dem Kunstwerk oder gar dem Künstler, sondern immer dem hinter der Ikone stehenden Urbild Gottes, dem einzig die wahre Anbetung gebührt. Für den orthodoxen Christen ist die Ikone gleichsam ein Fenster zur Ewigkeit, ein Übergang von der sichtbaren zur unsichtbaren Welt.

Mit dem Öffnen des Tores und des Vorhangs vor dem Altarraum begann der eigentliche liturgische Teil des Weihnachtsgottesdienstes. Kaplan Alexander Schäfer kam mit Weihrauch zu den Gläubigen. Ikonen, Menschen, der Kirchen- und Altarraum wurden mit dem heiligen Duft versehen. Kleine Schellen erklangen am Weihrauchkessel, der Duft erfüllte den Raum und hüllte die Gläubigen ein, sie standen dicht gedrängt sogar auf den Aufgangsstufen der Kirche. Viele Schriftlesungen aus dem alten und neuen Testament gehörten zur Liturgie des Weihnachtsabends, sie alle verwiesen auf Jesus als Erfüllung der Prophezeiungen der Propheten.  Zwischen den Lesungen, die singend vorgetragen wurden, immer wieder der Ruf des Priesters: "Seit aufmerksam, hört die Weisheit."  Ein Höhepunkt war die Verkündigung der Geburt des Herrn, wie sie im Lukas-Evangelium zu lesen ist. Kaplan Alexander Schäfer, kam diese Aufgabe zu.  Begleitet von Ministranten mit Kerzen und Kreuzen sang er in russischer Sprache. Ein ergreifender Moment.

Predigt von Leo dem Großen

Wie es in der Tradition der Orthodoxie üblich ist, trug Pfarrer Hölldobler am Heiligen Abend die Predigt von Leo dem Großen (Papst Leo I.) vor,der als der bedeutendste römische Bischof des 5. Jahrhunderts gilt. "Lasst uns frohlocken, Geliebteste; denn heute ist uns der Heiland geboren. Niemand wird von der Teilnahme an dieser Jubelfeier ausgeschlossen, alle haben den gleichen Grund, in festlicher Stimmung zu sein." Diese Worte aus alter Zeit tragen auch noch heute, denn trotz aller äußerlichen Unterschieden in der Liturgie, der Inhalt des Weihnachtsfestes ist doch gleich und verbindet Christen aller Konfessionen miteinander. Zu Weihnachten wird in der gesamten Christenheit dasselbe gefeiert: die Geburt Jesu Christi, die Menschwerdung Gottes.

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