Geroda

Parkettleger-Meister bleibt bodenständig

Micha Bienmüller aus Geroda hat sich dem Handwerk verschrieben. Seit letztem Jahr ist der 22-Jährige "Meister im Parkettlegerhandwerk". Zwei Auslandsaufenthalte stärkten ihn fürs Leben.
Meisterbrief und Meisterstück haben ihren Ehrenplatz: Aus Räuchereiche, Ahorn- und Kirschholz fertigte Micha Bienmüller ein Parkettsegment.  Foto: Stephanie Elm       -  Meisterbrief und Meisterstück haben ihren Ehrenplatz: Aus Räuchereiche, Ahorn- und Kirschholz fertigte Micha Bienmüller ein Parkettsegment.  Foto: Stephanie Elm
Meisterbrief und Meisterstück haben ihren Ehrenplatz: Aus Räuchereiche, Ahorn- und Kirschholz fertigte Micha Bienmüller ein Parkettsegment. Foto: Stephanie Elm

"Handwerk hat goldenen Boden", besagt ein deutsches Sprichwort. Dies trifft auf Micha Bienmüller gleich doppelt zu. Voll und ganz hat er sich dem Handwerk verschrieben, insbesondere dem Parkettlegen. 2016 schloss er seine Ausbildung als unterfränkischer Kammersieger ab, seit letztem Jahr ist der 22-Jährige "Meister im Parkettlegerhandwerk".

Micha Bienmüller ist überzeugt: "Der Boden ist die Basis, sie bestimmt das Raumgefühl." Und mehr noch: "Parkettboden lebt und erzählt, was hier passiert ist. Jeder Kratzer ist eine Geschichte." Außerdem wirkt Holzboden hygroskopisch. Er kann sowohl überschüssige Luftfeuchtigkeit aufnehmen, als auch Feuchtigkeit wieder an die Luft abgeben, und wirkt so ideal auf ein gesundes Raumklima.

Alten Böden neuen Glanz zu verleihen

Eine besondere Passion ist es für Bienmüller, alten Böden neuen Glanz zu verleihen. Mit seiner bevorzugten Arbeitstechnik Schleifen kann er alte Böden wieder aufleben lassen. Fasziniert ist Bienmüller von seinem Lieblingsholz, der Eiche. Holzton, Farbe und Verarbeitungspotenzial stellen für ihn die ideale Kombination für Möbel und Böden dar. Sein Gesellenstück, einen Tisch, hat er aus verschiedenen Eichenhölzern gefertigt und steht nun im Wintergarten. Auch sein Meisterstück beinhaltet Eichenholz: Eine Kombination aus Räuchereiche, Kirsche und Ahorn hängt als Parkettbodensegment im Treppenhaus.

Ganz vorne

Wenn Micha Bienmüller über Parkett spricht, sprüht die Begeisterung. Sein Werdegang hätte kaum anders sein können, früh wurde ihm von Großvater und Onkel die Liebe zu Holz mitgegeben. Nach dem qualifizierenden Mittelschulabschluss in Schondra begann der damals 16-Jährige die Ausbildung zum Parkettleger bei Fußboden Bauer in Kothen. Drei Jahre später war er unterfränkischer Kammersieger, zweiter bayerischer Landessieger und mit seinem Gesellenstück Erstplatzierter im Wettbewerb "Die gute Form".

Im vergangenen Jahr besuchte Bienmüller die gewerbliche Schule für Parkett- und Bodenleger in Ehingen sowie im Bildungszentrum in Schweinfurt und nahm nach sieben Monaten Vollzeitschule den Meistertitel inklusive Ausbilderschein mit nach Hause.

"Lernen fiel mir immer schwer", gibt Micha Bienmüller zu, also nutzte er ein Erasmus-plus-Stipendium und verbrachte 2017 drei Monate in England. Er besuchte dort die Sprachschule und arbeitete in der Schreinerei seiner Gastfamilie. Nach der Fortbildung zum Meister nahm Bienmüller die nächste Weiterbildung in Angriff. Wieder mit einem Stipendium, da er als Auszubildender Kammersieger geworden war, reiste er Anfang dieses Jahres für zwei Monate nach Australien. Beide Auslandsaufenthalte machten ihn sprachsicher und "gestärkt für das Leben", so Bienmüller. "Entspannter" nennt sich nun der "gewissenhafte" junge Mann. Die "Tea Times" in England und das Outback in Australien "fokussierten" ihn. Noch auf dem fünften Kontinent, kündigte er bei seinem Betrieb, der ihn durch die Ausbildung und die Meisterschule begleitet hatte. "Es fiel mir schwer, aber ich wollte etwas Neues machen". Bei seinem neuen Arbeitgeber "Hannweber flooring" in Dettelbach (Landkreis Kitzingen) will er nun "in die neuen Herausforderungen wachsen".

Weiterhin auf Baustellen gehen

Trotz klassischer Meistertätigkeiten wie Angebotserstellung oder Personalplanung ist es Bienmüller wichtig, "weiterhin mit auf die Baustellen zu gehen". Die Arbeit mit Kollegen, mit Kunden und vor allem mit Holz soll weiterhin seine Berufslaufbahn bestimmen. "Das ist das Schöne am Handwerk: Man sieht, was man geschafft hat".

Die Aufwertung des Handwerks ist ein Ziel, das Micha Bienmüller nun verfolgt. Vom Hauptschüler zum Meister ist ein Musterbeispiel für die vielfältigen Laufbahnen, die das deutsche Schulsystem bereit hält. "Man hat alle Möglichkeiten", mit dem Meistertitel kann man sogar studieren. Seit dem 1. Januar dieses Jahres darf sich Bienmüller als Meister auch "Bachelor Professional" nennen. Diese Zusatzbezeichnung soll bewirken, dass die handwerkliche der akademischen Ausbildung als gleichwertig anerkannt wird. Im Landkreis Bad Kissingen ist Micha Bienmüller der erste, der beide Titel tragen darf.

Förderung selbst erfahren und wieder weitergeben

Dass für auszubildende Parkettleger nun wieder die Meisterpflicht gilt, hält Bienmüller für "wichtig. Die Meisterpflicht hilft, das Handwerk aufleben zu lassen." Überzeugt ist er, dass Handwerker und auch Auszubildende im Handwerk bessere Verdienstmöglichkeiten bekommen sollen. Sein Motto ist allerdings die "Freude am Beruf". Dies ist sowohl Antrieb, als auch Ziel, das er jungen Leuten vermitteln möchte: "Du kannst etwas erreichen." Als Ausbilder und stellvertretendes Mitglied im Prüfungsausschuss, zu dem er im Februar ernannt wurde, möchte er Prüflinge bestmöglich auf Prüfungen vorbereiten.

Er hatte diese Förderung selbst erfahren. Sein "Altgeselle" Helmut Link prägte ihn durch sein bescheidenes und kollegiales Verhalten, "von Anfang an war ich mit ihm bei Kunden im Einsatz", denkt Micha Bienmüller noch heute dankbar an den Rückhalt und die Unterstützung seines Vorbildes. Das will er an zukünftige Prüflinge und Parkettleger weitergeben: "Dann habe ich alles geschafft, was ich erreichen wollte", oder ganz nach Helmut Link: "Ich will abends auch gut schlafen können."

Tenorhorn beim Jugendblasorchester

Ein bisschen Zeit hat der engagierte Gerodaer immer noch für Tenorhorn-Spielen beim Jugendblasorchester Scholz und für das Fitnessstudio als Ausgleich. Weitere berufliche Ziele stehen in den Sternen, doch ansatzweise schon als Idee in Micha Bienmüllers Hinterkopf.

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