Bad Kissingen

Prohibition vor 100 Jahren

Vor hundert Jahren, am 17. Januar 1920, wurde Alkohol in den USA gesetzlich verboten . 1933 galt der Versuch, ein Land alkoholfrei zu gestalten, als gescheitert.
Ute Pansi schenkt Bier für ihre Gäste ein. Ein Verbot für Alkohol, wie es die USA vor hundert Jahren eingeführt hatte, hält sie für wenig sinnvoll.  Foto: Anja Vorndran
Ute Pansi schenkt Bier für ihre Gäste ein. Ein Verbot für Alkohol, wie es die USA vor hundert Jahren eingeführt hatte, hält sie für wenig sinnvoll. Foto: Anja Vorndran

Raucher strapazieren ihre Lunge, Kneipengänger ihre Leber, und das geht gewiss bei manchen Menschen an die Grenze des körperlich Ertragbaren. Rauchen ist seit einigen Jahren in Restaurants und derlei vergleichbaren Stätten verboten, Trinken nicht. Vor hundert Jahren, am 17. Januar 1920, trat in Amerika - auch wenn Präsident Woodrow Wilson dem nicht zustimmte - die Prohibition in Kraft. Eine alkoholfreie Gesellschaft und damit verbunden bessere Menschen waren das Ziel. Das landesweite Verbot von Herstellung, Transport und Verkauf von Alkohol ging schief: 1933 galt der Versuch, ein Land alkoholfrei zu gestalten, als gescheitert - obwohl nachgewiesen werden konnte, dass die körperlichen Schäden durch den vorherigen Missbrauch zurückgingen.

Schwarzbrennereien entstanden

Wer Alkohol verbietet, so die Erfahrung von damals, schafft es dennoch nicht, die Menschen vom Trinken desselben abzuhalten. Er schafft es, die Illegalität zu aktivieren: Wie Pilze schossen die Schwarzbrennereien aus dunklen Kellern, Hinterhöfen, Garagen und sonstigen zwielichtigen Orten aus dem Boden. Weil wegen Vergehens gegen das Verbot die Menschen hart bestraft wurden, saß die Mutter, die bei einem Glas Whisky erwischt wurde, genauso im Knast, wie der traurige Trinker, der vom Fusel abhängig war. Heute, hundert Jahre später, ist Alkohol nach wie vor ein häufiger Begleiter bei vielen Gelegenheiten.

"Der gedankenlose Umgang mit Alkohol ist einer der größten Problemfaktoren in unserer Gesellschaft", sagt Christian Pörtner, Erster Polizeihauptkommissar bei der Polizei Bad Kissingen . Um auf die Gefahren aufmerksam zu machen, setzt in Bad Kissingen das Team der Polizeiinspektion auf Präventionsarbeit. Aufklärung in Schulen und Jugendeinrichtungen steht dann auf dem Stundenplan. Hier kommt auch schon einmal die Rauschbrille zum Einsatz, der Träger erlebt alle Sichtweisen eines Betrunkenen, angefangen bei der eingeschränkten Rundumsicht, Fehleinschätzungen bei Entfernungen, Verwirrung bis hin zum "Tunnelblick".

Negative Auswirkungen

Was wäre eine Kneipe, ein Restaurant, eine Party ohne Alkohol ? Sicher nicht öde und langweilig! Was man unter Alkohol zustande bringt, das schafft man auch ohne. Allerdings ließen sich etliche Schlägereien und auch Unfälle - auch mit Todesopfern - vermeiden, hätten die Verursacher dem Alkohol weniger zugesprochen. " Alkohol hat negative Auswirkungen auf vielen Ebenen", erklärt der Polizist "die Familie, das soziale Umfeld, den Beruf und natürlich den Straßenverkehr ."

Florian Heuring, Sachbearbeiter Verkehr in der Polizeiinspektion Bad Kissingen zieht die Zahlen aus dem Jahr 2018 aus dem Rechner. Bei 1869 Unfällen im Jahr 2018 standen elf Fahrer unter Alkoholeinfluss, bei allgemeinen Kontrollen saßen 74 alkoholisiert hinter dem Steuer, sie wurden angezeigt.

Für 2019 gibt er vorläufige Zahlen bekannt, denn offiziell wird die Statistik erst im März 2020 veröffentlicht: Rund 1770 Verkehrsunfälle, davon 14 mit der Ursache Alkohol . Dazu kommen etwa 75 angezeigte Trunkenheitsfahrten ohne Verkehrsunfall. Zudem spielen im Landkreis Bad Kissingen Auffälligkeiten durch Alkohol oder Drogen auch außerhalb des Straßenverkehrs so gut wie jeden Tag eine Rolle. Besonders an Wochenenden häufen sich die Vorfälle - von der Rangelei bis zur Messerstecherei ist alles dabei. Das alles würde weitaus weniger stattfinden, wenn kein Rausch im Spiel wäre. Vielleicht würden die Kontrahenten sich auch ohne Bier und Schnaps intus verklopfen - die Wahrscheinlichkeit, dass alles friedlicher geregelt werden könnte, ist allerdings hoch.

Hemmschwelle sinkt

Ist Alkohol im Spiel, sinkt die Hemmschwelle: Kaum jemand würde sich stocknüchtern ausziehen, mit pornographischen Symbolen angemalt, mit Tampons in der Nase und einer Rasierschaumhaube auf dem Kopf zum Gaudium der Mitfeiernden fotografieren lassen. Ganz strenge Vertreter stempeln Alkohol deshalb als Teufelszeug ab. Wer gerne mal ein Bier oder einen Schoppen trinkt, der kann darüber nur verständnislos den Kopf schütteln. "Brüder, ich habe die Sterne getrunken", soll der Mönch Dom Perignon gerufen haben, als er den ersten Champagner trank und brachte damit das herrliche Prickeln auf der Zunge zum Ausdruck. "Die Dosis macht das Gift", wissen die Mediziner und das gilt ebenso für Alkohol . Ein Glas Sekt wirft einen Erwachsenen eher nicht aus der Bahn, eine ganze Flasche wirkt sich da schon anders aus.

Ute Pansi steht seit 2003 hinter der Theke in der Brasserie in Bad Kissingen . "Unsere Gäste trinken mit Genuss", fasst die Hotelfachfrau zusammen, "zum Essen ein Glas Wein oder Bier , ohne Alkohol wäre die Brasserie nicht vorstellbar."

Verbote, das hat das Beispiel USA gezeigt, bringen nichts - Genießer trinken Champagner und Co. ohnehin immer mit Stil und im genau richtigen Maß.

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