Bad Kissingen

Projekt Kantstraße: Laut Gesetz braucht es ein bauliches Vorbild

Wogebau-Geschäftsführer Michael Rüth will das Projekt noch nicht öffentlich machen. Die Bauaufsichtsbehörde erklärt, was am Bauantrag geprüft wird.
Auf diesem Grundstück in Hanglage sollen demnächst vier Mehrfamilienhäuser entstehen.  Foto: Archiv Ingeborg Hehn       -  Auf diesem Grundstück in Hanglage sollen demnächst vier Mehrfamilienhäuser entstehen.  Foto: Archiv Ingeborg Hehn
| Auf diesem Grundstück in Hanglage sollen demnächst vier Mehrfamilienhäuser entstehen. Foto: Archiv Ingeborg Hehn

Dass in der Kantstraße in Bad Kissingen demnächst ein größeres Bauprojekt ansteht, beunruhigt die Anwohner. Sie sammelten 68 Unterschriften und reichten vor fünf Wochen bei Oberbürgermeister Dirk Vogel eine Petition ein. In ihrer Straße befänden sich "keine vergleichbaren Mehrfamilienhäuser", führen die Anwohner unter anderem in dieser Petition an. Sie befürchten, dass "das Bild der dort vorherrschenden villenähnlichen Bebauung" mit diesem Projekt zerstört würde. Wir fragten jetzt beim Bauträger der geplanten Maßnahme und bei der Stadt Bad Kissingen nach.

Begibt man sich im Internet auf die Suche nach Spuren des neuen Bad Kissinger Bauprojekts, wird man schließlich im Portal von Infobau Münster, einem Informations- und Servicedienst für die Bauwirtschaft , fündig. Dort geht es um die Ausschreibung der Firma Wogebau Objektbau GmbH Bad Kissingen für ein "Privat/Gewerbliches Bauvorhaben" in der Kurstadt. Beschrieben wird der Neubau von vier Mehrfamilienhäusern mit 27 Wohneinheiten plus Tiefgarage in der Kantstraße 32 bis 34.

"Noch nichts spruchreif"

Wogebau-Geschäftsführer Michael Rüth zeigt sich im Gespräch mit dieser Redaktion zunächst offen, das neue Projekt vorzustellen. Aber dann hat er Bedenken, über die anstehende Maßnahme ausführlich zu sprechen, bevor sie von der städtischen Baubehörde genehmigt ist. Es sei noch nichts "spruchreif", bevor die Unterlagen an ihn zurückgingen, sagt er am Mittwoch.

Unterdes machen sich die Bewohner der Kantstraße offenbar Sorgen darüber, dass in ihrer Nachbarschaft auf rund 24 000 Quadratmetern nun bald vier Wohnhäuser in die Höhe wachsen sollen. Erste Anzeichen für den baldigen Baubeginn gebe es schon, sagt einer der Anlieger am Dienstag im Gespräch mit dieser Redaktion und erzählt von Schildern, welche die Stadt in der Kantstraße habe anbringen lassen, um am Straßenrand einen gesperrten Raum auszuweisen. Dort wolle man, wie er vermutet, wohl Baufahrzeugen den Weg frei halten.

In die nähere Umgebung einfügen

Vonseiten der Stadt zeigt man sich erstaunt, dass ein privater Bauantrag in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Eingereicht wurde dieser von der Firma Wogebau am 18. Dezember 2020, teilt die Bauverwaltung der Kreisstadt auf Anfrage dieser Redaktion mit. Es handelt sich dabei um ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren, heißt es weiter.

Geprüft werden die Gegebenheiten dieses Antrags nach Artikel 59 der Bayerischen Bauordnung (BayBo), schreibt die Bauverwaltung. Augenmerk richtet die Stadt demnach unter anderem auf die Zulässigkeit der baulichen Anlagen, was Aufschüttungen bzw. Abgrabungen angeht, auf die vorgeschriebenen Abstandsflächen sowie die äußere Gestaltung der Gebäude bezüglich der Erhaltung und Gestaltung des Ortsbildes. Was die geplante Tiefgarage angeht, seien bestimmte brandschutztechnische Voraussetzungen einzuhalten, teilt die Stadt mit.

Bei der Baugenehmigung richte man sich nach Paragraf 34 Baugesetzbuch (BauGB), so die Bauverwaltung. Und weiter heißt es in der Presseantwort: "Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist." Dies sei in diesem Fall gegeben, so die Bauabteilung.

In Paragraf 34 BauGB ist auch nachzulesen, dass der Bauherr sich "zur Wahrung des Nachbarschutzes und zum Nachweis eines baulichen Vorbilds, an dem sich das neue Vorhaben orientiert", verpflichtet. Er darf das Vorhaben umsetzen, so der Gesetzestext, "wenn es in der Nachbarschaft, der sogenannten näheren Umgebung, bereits ein ähnliches Vorhaben gibt". Die Nachbarn zu beteiligen ist seit Februar 2021 "nicht mehr Bestandteil des Prüfprogramms der Behörde", so die Bauverwaltung. Diese Aufgabe liege beim Antragsteller. "Die Beteiligung der Nachbarn wurde vom Bauherren nach geltendem Recht durchgeführt", heißt es weiter. Die Bad Kissinger Stadträte müssten über das Projekt, so wie es geplant ist, nicht unterrichtet werden, so das Bauamt .

Bis 2035 großer Bedarf an Wohnungen

Derzeit würden die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange (Immissionsschutz, Naturschutz, Stadtwerke, Tiefbau, Site Management, Stadtplanung, Grünplanung, Brandschutz , Stadtbrandinspektor, Amt für Landwirtschaft und Forst, Abteilung Forst der Stadt Bad Kissingen ) erwartet. Wenn diese geprüft sind, so die Bauabteilung der Stadt , könne die Baugenehmigung erfolgen. Nach der Wohnmarkt-Analyse der Stadt von 2019 bestehe "großer Bedarf an Wohnungen" in der Kurstadt, heißt es aus dem Rathaus. In der Tat hatten die Stadtplaner aus Kassel und Bremen seinerzeit ermittelt, dass 2018 bis 2035 in der Kurstadt weitere 1200 Wohnungen gebraucht werden.Isolde Krapf

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