Fulda

Prozess um tödlichen Flugunfall auf Wasserkuppe: War das Flugzeug zu schwer?

Im Oktober 2018 ereignete sich ein schwerer Flugunfall, bei welchem eine Frau und ihre zwei Kinder starben. Sie wurden am Boden von dem Flugzeug erfasst. Am Dienstag (02.03.21) begann am Landgericht Fulda der Prozess gegen den Piloten.
Nach dem Unfall steht die Cessna auf dem Flugplatz auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Das Kleinflugzeug hatte eine Absperrung durchbrochen und eine Mutter mit ihren beiden Kindern erfasst. Die drei Menschen starben.       -  Nach dem Unfall steht die Cessna auf dem Flugplatz auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Das Kleinflugzeug hatte eine Absperrung durchbrochen und eine Mutter mit ihren beiden Kindern erfasst. Die drei Menschen starben.
Foto: Jörn Perske/dpa | Nach dem Unfall steht die Cessna auf dem Flugplatz auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Das Kleinflugzeug hatte eine Absperrung durchbrochen und eine Mutter mit ihren beiden Kindern erfasst.
  • Prozessauftakt in Fulda: Mutter und Kinder bei Flugunfall 2018 getötet
  • Großer Medienandrang vor Landgericht
  • Maschine war wahrscheinlich zu schwer

Es war ein unfassbares Unglück auf einem der beliebtesten Anziehungspunkte der Rhön, das die Menschen der Region am 14. Oktober 2018 erschütterte. Eine Mutter und ihre zwölfjährige Tochter sowie der elfjährige Sohn waren durch ein außer Kontrolle geratenes Flugzeug getötet worden. Am Dienstag (02.03.21) begann am Landgericht Fulda der Prozess gegen den Piloten. Der Medienandrang war so groß, dass nicht alle Journalisten in den Sitzungssaal des Landesgerichts in Fulda eingelassen werden konnten. Coronabedingt waren die Sitzmöglichkeiten erheblich verringert worden. Kurz vor Verhandlungsbeginn erschien der Ehemann der getöteten Frau. Er nahm am Tisch der Nebenkläger Platz.

Maschine war 62 Kilo zu schwer

Zahlreiche Kameras richteten sich vor Prozessbeginn auf den 59-jährigen Angeklagten aus Ludwigshafen, der sich wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung zu verantworten hat. Das Strafmaß reicht von einer Geldauflage bis zu einem Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren.

Den Auftakt machte die Verlesung der Anklageschrift , in der nach den aktuellen Ermittlungen eine Überladung der Maschine eine entscheidende Rolle bei dem Unglück zugeschrieben wird. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sei die mit vier Personen besetzte Cessna über dem zulässigen Gesamtgewicht gewesen. Laut Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ( BFU ) sei die Maschine 62 Kilogramm zu schwer gewesen. Zudem habe der Angeklagte Fehler beim Anflug und bei der Landung gemacht.

Der Angeklagte äußerte sich mündlich nicht zum Hergang der Ereignisse, schilderte vielmehr nur seinen Lebenslauf und berichtete unter anderem, dass er seit 2002 im Besitz eines Flugscheines sei. Ihm tue das Unglück unendlich leid, versicherte der Mann mit Blick auf den hinterbliebenen Ehemann, ehe ihm die Stimme versagte. Er unterbrach seine Ausführungen. Danach schilderte der Anwalt in einer schriftlichen Einlassung des Angeklagten die Geschehnisse auf der Wasserkuppe aus Sicht seines Mandanten.

Pilot schätzte das Gewicht falsch ein

Demnach war das Flugzeug mit vier Passagieren in Mannheim gestartet. Der Angeklagte habe dort noch etwas Benzin nachgetankt, den Tank aber nicht vollgemacht, um nicht über das zulässige Gesamtgewicht zu gelangen. Das Gewicht seiner Begleiter habe der Pilot geschätzt und sei dabei zur Ansicht gekommen, dass das Limit nicht erreicht ist.

Zum Unglück bei der Landung sei es durch die Verkettung mehrere widriger Umstände gekommen, fuhr der Anwalt fort. Laut eines vom Angeklagten veranlassten Gutachtens herrschten zur Zeit des Vorfalls Wind- und Luftdruckverhältnisse, die die Landung beeinflusst hätten. So soll aufgrund des damaligen Luftdrucks der Höhenmesser eine niedrigere Höhe angezeigt haben, als das Flugzeug tatsächlich hatte. Dadurch habe der Pilot den Landevorgang zu spät eingeleitet. Zudem hätten ungünstige Windverhältnisse geherrscht. Das alles habe dazu beigetragen, dass das Flugzeug über den üblichen Landepunkt hinausgeraten ist. Als der Pilot sich zum Durchstarten entschloss, habe die Maschine jedoch keine Höhe mehr gewonnen, vielmehr setzte sie hinter der Landepiste auf und sei nicht mehr zu steuern gewesen.

Einer der Insassen bestätigte vor Gericht als Zeuge , dass bis zur Landung alles in Ordnung gewesen sei. Der Mann - selbst Pilot - schränkte lediglich ein, dass er die Landung "vielleicht etwas eher" eingeleitet hätte, aber ansonsten habe er keine Fehler des Piloten bemerkt.

Der Prozess wird am Mittwoch (03.03.21) mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt. Er soll nach acht Verhandlungstagen am 23. März enden. Eckhard Heise

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Bad Kissingen und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Angeklagte
Anklageschriften
Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung
Debakel
Flugzeuge
Gerät
Staatsanwaltschaft
Strafarten
Wasserkuppe
Zeugen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen