Ramsthal

Ramsthal: Solarpark soll Strom für bis zu 9000 Haushalte liefern

15 bis 18 Millionen will die Firma Wattmanufactur in einen Solarpark bei Ramsthal investieren. Aktuell läuft die frühzeitige Bürgerbeteiligung. Vereinzelt wird Kritik laut.
In der Gemarkung Häuslein nahe der Aussiedlerhöfe bei Ramsthal soll ein Solarpark entstehen.
In der Gemarkung Häuslein nahe der Aussiedlerhöfe bei Ramsthal soll ein Solarpark entstehen. Foto: Wolfgang Dünnebier

Bereits ab 2021 soll nahe der Aussiedlerhöfe bei Ramsthal aus Sonnenlicht Strom produziert werden. Die vorgesehene Fläche ist erheblich. Wenn die Planung durchgeht, umfasst die Anlage 26 Hektar, was etwa 36 Fußballfeldern entspricht. 13 Hektar werden laut der Entwürfe unmittelbar von Kollektoren überdeckt. Als Ausgleichs- und Verkehrsfläche sollen weitere sechs Hektar herangezogen werden.

Mit 12:0 Stimmen hatte der neue Gemeinderat den Vorentwurf eines Bebauungsplanes im Mai gebilligt. Aktuell läuft die frühzeitige Bürgerbeteiligung für die Aufstellung des ebenfalls erforderlichen Flächennutzungsplanes. Im Zuge der Beteiligung können noch bis zum Freitag, 7. August, Einwendungen erhoben werden. Sämtliche Unterlagen können im VG-Gebäude und auf der Homepage der Gemeinde eingesehen werden. 

Nur von den Aussiedlern zu sehen

Michael Dess ist einer der sieben Aussiedler, die für den Solarpark Flächen verpachten. "Der Standort ist gut gewählt", spielt er auf die Lage in der Senke hinter den Aussiedlerhöfen an. Obwohl der Park direkt unterhalb des Knückeleins als höchstem Aussichtspunkt der Gemeinde liegt, ist er von dort kaum zu sehen. Erst recht nicht aus dem Dorf tief im Tal dahinter. Einzig die Aussiedler selbst schauen auf die Anlage.

"Bei der Windkraft sind die Beeinträchtigungen ganz anders", sagt Dees mit einem Fingerzeig Richtung Ramsthaler Rotoren.  Er erzählt von Beschwerden aus den Gemeinden ringsherum über ein Surren in der Luft, das je nach Windrichtung zu vernehmen sei. Da sei Photovoltaik einfach landschaftsverträglicher.

Auf 30 Jahre angelegt

Die Investition ist erheblich. 15 bis 18 Millionen Euro will die Firma Wattmanufactur aus Schleswig-Holstein investieren. Bei maximalen Sonnenschein könne die Anlage laut Betreiberangaben Strom für bis zu 9000 Vier-Personen-Haushalte erzeugen. Die Nutzung der Anlage ist nach aktueller Gesetzeslage auf maximal 30 Jahre angelegt.

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wägt der Umweltbericht von Landschaftsarchitekt Martin Beil die Folgen des Solarparks mit den drei Meter hohen Modulen ab. Als Untergrund sollen Gras und Weide wachsen. "Optische Nahwirkungen" von dem künftig eingezäunten Geländes sollen durch Pflanzung von Hecken, Gras- und Krautfluren verhindert werden. Blendwirkung und Lichtreflexionen auf die Staatsstraße zwischen Sulzthal und Obbach, Wander- und Radwege und die Aussiedlerhöfe schließt der Bebauungsplan allerdings nicht ganz aus.

Projektleiter Florian Spannbauer von der Wattmanufactur verweist auf die ökologischen Ausrichtung seines Unternehmens. "Wir kommen aus der Landwirtschaft" sagt er. Durch die Anlage verbessere sich der Lebensraum für Kleinlebewesen. Auch bei der Bayerischen Staatsregierung gewinne die Photovoltaik an Stellenwert, sagt Spannbauer.  Dafür spreche die Energiewende  und eine verminderte Flächenutzung mit Erholung der Böden eine Rolle. Es gebe sogar Überlegungen, künftig keine teuren Ausgleichsmaßnahmen mehr zu fordern.

Keine öffentliche Diskussionsveranstaltung?

Kritik an dem Vorhaben ist nur vereinzelt zu vernehmen. So habe es keine öffentliche gemeindliche Informationsveranstaltung gegeben, wie sie in einer Gemeinderatssitzung  bei der ersten Vorstellung der Pläne im November 2019 versprochen worden sei, moniert ein Landwirt, der im betreffenden Bereich keine Flächen hat. Er hadert damit, dass  es um Ramsthal ohnehin nur wenig landwirtschaftliche Flächen gebe, die jetzt zusätzlich knapper und wohl teurer würden.

 Da stört es ihn, dass sich nach seiner Auffassung Informationsveranstaltungen des Betreibers nur an Grundstückseigentümer gerichtet hätten. Ohne die Möglichkeit zum öffentlichen Diskurs habe der Gemeinderat dann im Dezember für die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes gestimmt. Anders sieht es Michael Dees: Zu der Vorstellung des Projektes im Gasthaus Wahler hätte jeder kommen können. Im übrigen gebe es genügend landwirtschaftliche Flächen um Ramsthal. Im Bereich der Anlage seien sie nicht besonders hochwertig.

Auch nach dem Willen der Staatsregierung sollen in Bayern künftig mehr Freiflächen-Photovoltaikanlagen entstehen. Dieses Bild zeigte eine Anlage in Brandenburg.    
Auch nach dem Willen der Staatsregierung sollen in Bayern künftig mehr Freiflächen-Photovoltaikanlagen entstehen. Dieses Bild zeigte eine Anlage in Brandenburg.     Foto: Patrick Pleul

Keine Informationsdefizite für die Öffentlichkeit sieht auch Verwaltungsleiter Michael Unsleber. Zwar sei eine Behandlung des Themas im März der Corona-Lage zum Opfer gefallen. Im Mai habe der Gemeinderat dann öffentlich einstimmig für die Änderung des Flächenutzungplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes gestimmt. Es gebe keine Geheimnisse. Bisher gebe es bei der Bürgerbeteiligung bis auf die Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange kaum Reaktionen.

Das bisherige Verfahren in Ramsthal sieht Florian Spannnbauer als erfreuliches Indiz dafür, dass alle Beteiligten samt Gemeinde und Landkreis an einem Strang ziehen. Allerdings räumt er ein, dass man eben auch wegen Corona von einer zwischenzeitlich angedachten Saalveranstaltung mit Diskussionsmöglichkeit abgerückt sei.

Unterdessen geht Michael Unsleber davon aus, dass der Flächennutzungsplan nach der Bürgerbeteiligung, erneuter Behandlung im Gemeinderat und einer zweiten Auslegung mit denkbaren Änderungen genauso wie der Bebauungsplan im November beschlossen werden kann. Damit wäre man dem Baubeginn 2021 ein entscheidendes Stück näher.

Die Wattmanufactur

Die Wattmanufactur ist eine Tochterfirma des Osterhofes in Galmsbüll. Der Hof wird nach Firmenangaben seit acht Generationen als landwirtschaftlicher Familienbetrieb auf mehr als 500 Hektar Land bewirtschaftet. Seit Anfang der 1990er Jahren betreibt der Osterhof ausschließlich biologischen Ackerbau und beteiligt sich aktiv in der Windenergie. In diesem Zuge befindet sich auf dem Osterhof die Verwaltung von Bürgerwindparks der Gemeinde Galmsbüll.
Die Wattmanufactur, die im Jahr 2010 als Tochterfirma des Osterhofs startete, hat sich über die Jahre zu einem Team von aktuell 30 Mitarbeitern entwickelt. Bis heute hat das Team der Wattmanufactur Solarparks mit einer Gesamtleistung von rund 175 MWp in ganz Deutschland geplant und gebaut. In der hauseigenen technischen Betriebsführung werden über 200 MWp betreut.
Quelle: Wattmanufactur

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