Bad Kissingen

Rechtsdirektor blickt zurück

Eberhard Gräf hat als Jurist im Kissinger Rathaus die Stadt über Jahre mitgeprägt. Er diente unter vier Oberbürgermeistern und engagiert sich bis heute ehrenamtlich. Am Donnerstag, 3. Dezember, wird er 80.
Eberhard Gräf hat als Jurist sowohl im Landratsamt als auch später bei der Stadt Bad Kissingen große Projekte betreut. Anlässlich seines 80. Geburtstages, den er am 3. Dezember feiert, sprach er mit der Redaktion über diese Zeit. Foto: Benedikt Borst       -  Eberhard Gräf hat als Jurist sowohl im Landratsamt als auch später bei der Stadt Bad Kissingen große Projekte betreut. Anlässlich seines 80. Geburtstages, den er am 3. Dezember feiert, sprach er mit der Redaktion über diese Zeit. Foto: Benedikt Borst
| Eberhard Gräf hat als Jurist sowohl im Landratsamt als auch später bei der Stadt Bad Kissingen große Projekte betreut. Anlässlich seines 80. Geburtstages, den er am 3.

Die Saale-Zeitung hat Eberhard Gräf einmal als "Mensch gewordenen, kommunalpolitischen Brockhaus" bezeichnet. Der Jurist hat unter vier Oberbürgermeistern gedient, insgesamt 30 Jahre hat er als Jurist im Rathaus gearbeitet. Er prägte über viele Jahre als Rechtsdirektor die Stadt , arbeitete dabei an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung. Von der Ausweisung der Kurzone, über die Gründung der Staatsbad GmbH, bis zur Planung der Kisssalis-Therme - Gräf war über die Jahre an vielen für die Stadt bedeutsamen Projekten beteiligt. Am 3. Dezember 2020 feiert der Träger des Bundesverdienstkreuzes seinen 80. Geburtstag.

Erste Aufgabe: Gebietsreform

Dass er beruflich einmal Karriere machen würde, deutete sich schon früh an. "Mein Vater ist aus dem Krieg nach Hause gekommen und hat mir dann das Lesen beigebracht", erzählt er. Der Junge übersprang deshalb direkt die erste Klasse. Bis zum Schulabschluss an der Oberrealschule (heute: Gymnasium) war Gräf unter seinen Klassenkameraden zwar immer der jüngste, wurde von seinen Mitschülern aber geschätzt und setzte sich als Klassensprecher ein. "Wir haben bis heute eine gute Verbindung", sagt er.

Nach dem Jura-Studium in Würzburg zog es ihn schnell zurück nach Bad Kissingen , zunächst an das Landratsamt, damals noch für den Altlandkreis Bad Kissingen . "Das war bestimmend für meine weitere Laufbahn ." Der Bauboom und die notwendige Baulandbeschaffung der Kommunen beschäftigten den jungen Juristen Anfang der 1970er Jahre, außerdem musste die Gebietsreform bewältigt werden: Die Altlandkreise Hammelburg (zumindest der größte Teil), Bad Kissingen und Bad Brückenau sowie die kreisfreie Stadt Bad Kissingen gingen 1972 im heutigen Landkreis Bad Kissingen auf. Zudem wurden viele ehemals eigenständige Gemeinden in andere Kommunen eingegliedert. "Wir haben damals die Lehre aus München an den Mann und die Frau gebracht. Das war eine heiße Zeit", erinnert er sich an die kommunalpolitischen Kämpfe.

Nach weiteren Stationen wechselte Gräf 1975 ins Rathaus. "Der damalige Oberbürgermeister Hans Weiß hatte angerufen und angefragt, ob ich Interesse habe, als Rechtsrat zur Stadt zu wechseln." Gräf erbat sich zwar eine kurze Bedenkzeit, traf die Entscheidung aber schnell und hat sie nicht bereut. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 2005 blieb er der Stadtverwaltung treu. Eines der ersten großen Projekte für Gräf unter Hans Weiß: das Sondergebiet Kur.

Zweite Aufgabe: Kurzone

"Das war das größte Kurgebiet in einem Kurort . Für mich gab es keine Blaupause. Wir machten das Kissinger Modell. Ich war froh, dass wir es durchgebracht hatten", erzählt er. Bad Kissingen habe auf der einen Seite die Altstadt mit der Geschäftswelt und direkt daran angrenzend die Kurviertel mit den Hotels, Sanatorien und Kurhäusern. Er ist bis heute überzeugt, dass die Stadt die Kurzone braucht, damit die Kurviertel sich nicht in reine Wohngebiete verwandeln. "Das Kurgebiet hat uns eine gehörige Zahl an Nutzungen für den Gast erhalten", betont er. Dass auf dem Steigenberger-Areal jetzt wieder ein Hotel geplant wird, sei der Kurzone zu verdanken. "Ich bin mir sicher, dass ohne sie dort ein Altenheim stehen würde." Dass die Kurzone vor vier Jahren modifiziert und Wohnnutzung in geringem Maß erlaubt wurde, hält der Jurist aber für richtig.

Dritte Aufgabe: Kisssalis-Therme

Egal ob die Oberbürgermeister Hans Weiß, Georg Straus oder Christian Zoll hießen. "Ich hatte zu allen ein vertrauenswürdiges Verhältnis." Einzig mit Karl Heinz Laudenbach sei die Zusammenarbeit schwierig gewesen. Grundsätzlich verbindet der ehemalige Rechtsdirektor mit jedem dieser Politiker wichtige Projekte. Unter Straus war es der Kissinger Sommer . Straus rief das Musikfestival 1986 ins Leben. "Er hat es zur Blüte geführt über Bad Kissingen hinaus und es zum neuen Markenzeichen gemacht", sagt Gräf. Die Schwerpunktsetzung auf die Kultur habe ein Stück weit das schwächelnde klassische Kurwesen ersetzt.

Unter Zoll war eines der prägendste Projekte die Planung der Therme. "Die Kisssalis war eigentlich im Luitpoldbad geplant, aber es kam nicht dazu, weil es dem Freistaat zu teuer wurde", erzählt Gräf. Der Standort sei jedoch auch wegen der Lage im Park ungünstig gewesen. Um alle Bedürfnisse (z.B. Parkplätze) an eine moderne Therme abzudecken, wären Eingriffe in den Park unvermeidbar gewesen.

Aus Platzgründen schied auch ein Standort am Terrassenschwimmbad aus, letztlich entschied sich die Stadt für die Heiligenfelder Allee in Garitz. "Vor dem Architektenwettbewerb sind wir (OB Zoll, Gräf, Betreiber Kannewischer sowie Stadtwerkechef Manfred Zimmer, Anm. d. Red.) durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gefahren und haben uns Bäder angeschaut", berichtet er. Die Skepsis in der Stadt gegenüber der Therme sei groß gewesen, der Bau aber wichtig. Heute ist die Kisssalis mit mehr als 400 000 Gästen im Jahr der wichtigste Anziehungspunkt der Stadt .

Am meisten hatte Gräf in seinem Berufsleben aber die Abwicklung der Bäder oHG gefordert. 1983 übernahm er die Leitung über die 120 Mitarbeiter. Er kam zu einer Zeit, in der die Bäderverwaltung mit riesigen Einbrüchen zu kämpfen hatte. "Wir haben damals jedes Jahr 400 000 bis 500 000 Mark Umsatz eingebüßt." Während in den 1970er Jahren noch mehr als 80 Prozent der Kurgäste die Angebote der OHG nutzten, sank der Anteil auf am Ende 15 Prozent ab. Hotels, Kliniken und Sanatorien hatte alle eigene Badeabteilungen eingerichtet, die öffentlichen Kurmittel wurden nicht mehr benötigt. Die Gesundheitsreform in den 1990er Jahren setzte der klassische Kur ohnehin ein Ende. "Es war klar, dass neue Verträge notwendig waren. Es begannen harte Verhandlungen mit dem Freistaat", erinnert sich Gräf.

Vierte Aufgabe: Staatsbad GmbH

Am Ende entstand 1999 die Staatsbad GmbH, in der die Bäderverwaltung sowie die stattliche Kurverwaltung zusammengeführt wurden. Als Gesellschafter sind an dem Unternehmen bis heute Stadt und Freistaat beteiligt. Über zwei Ergebnisse ist Gräf dabei froh. Erstens: Der Freistaat sicherte zu, die große Baulast für die Kurgebäude zu tragen. Zweitens: Kein Mitarbeiter der Bäder oHG musste entlassen werden. 60 Personen wurden in die Staatsbad überführt, die übrigen im Vorfeld anderweitig untergebracht. "Das hat mir viele schlaflose Nächte bereitet."

Seinen Geburtstag verbringt der Jubilar in Würzburg.

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