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Regionale Radrennen: viele Absagen, etwas Hoffnung

Die meisten Radsport-Veranstaltungen in der Region wurden wegen Corona abgeblasen. Aber zumindest für ein Rennen besteht noch Hoffnung - wenn es nicht als Großveranstaltung gewertet wird.
So enges Zusammenfahren wie beim Radmarathon Rhön300 im vergangenen Jahr soll es diesmal nicht geben. Noch setzt der Veranstalter darauf, dass das Rennen auch stattfindet. Andere Radklassiker sind dagegen längst abgesagt. Foto: Archiv/Sebastian Schmitt       -  So enges Zusammenfahren wie beim Radmarathon Rhön300 im vergangenen Jahr soll es diesmal nicht geben. Noch setzt der Veranstalter darauf, dass das Rennen auch stattfindet. Andere Radklassiker sind dagegen längst abgesagt. Foto: Archiv/Sebastian Schmitt
So enges Zusammenfahren wie beim Radmarathon Rhön300 im vergangenen Jahr soll es diesmal nicht geben. Noch setzt der Veranstalter darauf, dass das Rennen auch stattfindet. Andere Radklassiker sind dagegen längst abgesagt. Foto: Archiv/Sebastian Schmitt

Großveranstaltungen: bis Ende August untersagt. Sport: maximal in Gruppen bis zu fünf Leuten, kontaktlos, fünf Meter Mindestabstand. So häufen sich auch bei Radsportevents in der Region die Absagen. Aber ein Rennen will der Veranstalter definitiv durchziehen.

Wer die Internetseite des Radmarathons "Rhön300" anklickt, erlebt eine Überraschung. "Jetzt anmelden für Rhön300 am 1. August 2020", steht da geschrieben. Ein Irrtum in Zeiten von Corona, in der reihenweise Großveranstaltungen abgesagt werden?

"Kein Irrtum ", sagt Peter Baumgart, Erfinder und Organisator von Rhön300. Im Gegenteil, der Schondraer sieht sich auf einem guten Weg, was die Genehmigung des Radmarathons angeht. "Ich bin mit der Regierung von Unterfranken in Verhandlung. Die Gespräche mit dem Sachbearbeiter verlaufen positiv."

Baumgart bemüht sich aber klarzumachen, dass die dritte Auflage von Rhön300 für ihn keine Massenveranstaltung darstellt. Morgens, 6 Uhr, sollen maximal 150 Starter zur 300-Kilometer-Marathontour aufbrechen. Erfahrungsgemäß ziehe sich das Fahrerfeld bereits nach fünf bis sechs Kilometern weit auseinander.

Auch am Start für die 180er-Tour um 7 Uhr sollen nicht mehr als 150 Radsportler stehen. Diejenigen, die sich auf die 110er-Strecke machten, würden eh individuell starten.

Vor 16 Uhr kommt keiner der Extremstreckler ins Ziel in Schondra, berichtet Baumgart aus Erfahrung. Die letzten trudelten gegen 21 Uhr ein. "Da sind die 180er, die 110er und die Fit-&-Fun-54er lange weg." Und so erwartet der Veranstalter auch am Endpunkt der Tour keinen Massenauflauf.

"Ich bin gerade dabei, ein Konzept für die Verpflegung zu schreiben", berichtet Baumgart weiter. Neun Stationen sieht der Plan vor, drei große und drei kleine.An den kleineren könnten sich die Fahrer mit Getränken in Flaschenform und kleinen Snacks eindecken. An den kleineren soll es "etwas Warmes" geben. Da stellt sich der Veranstalter "Portionen, die man in kochendem Wasser aufbereiten kann oder Instantsuppen" vor.

Baumgart hofft bis zum Start auf weitere Lockerungen. Immerhin dürfen ja zum Beispiel Wirtschaften bald wieder öffnen. Normalerweise wird in Schondra auch gecampt. Aber dadurch, dass das Rennen am Samstag stattfindet, könnten viele Starter schon heimfahren.

125 Anmeldungen verbuchte Peter Baumgart bisher, alle vor der Corona-Krise. Kurzfristige Nachmeldungen sind möglich.

Schon an Ostern abgesagt wurde der Hessisch-Bayerische Radvierer. Eine besonders schmerzliche Entscheidung, wäre es doch der 20. gewesen, sagt Manfred Herget, Vorsitzender des Veranstalter-Vereins aus Hünfeld-Mackenzell (Landkreis Fulda).

Der Radvierer setzt sich alljährlich aus vier Ausfahrten für Breitensportler zusammen. Begonnen worden wäre in wenigen Tagen mit der Tour rund um den Monte Kali in Neuhof bei Fulda; das Rennen rund um den Mottener Ortsteil Kothen Ende August/Anfang September hätte den krönenden Abschluss des Jubiläums bedeutet.

Die Gründe für die Absage leuchten ein: Großveranstaltungen - und das wäre das Breitensportereignis Radvierer mit bis zu 1000 Teilnehmern pro Rennen gewesen - sind bis 31. August untersagt. "Auch steht die Gesundheit der Teilnehmer und Helfer im Vordergrund", sagt Herget.Er glaubt, dass für die Veranstalter die verschärfte Hygiene bei der Versorgung der Teilnehmer kaum zu stemmen gewesen wären. Und es wären weit weniger Breitensportler als in normalen Zeiten angetreten. "Viele scheuen derzeit Massenveranstaltungen."

Immerhin: Allzuviel Geld hat die Vorbereitung nicht verschlungen. Flyer wurden noch nicht gedruckt. Und die schon gelaufene Organisation taugt teils auch für 2021. Herget: "Wir sind frohen Mutes, dass wir nächstes Jahr unser Radvierer-Jubiläum feiern können."

In Geroda sollte am 14. Juni die 17. Droohdeseldour steigen. Doch die Organisatoren von der örtlichen Schützengesellschaft haben sie auf den 13. Juni 2021 verschoben. Die Entscheidung wurde bereits Mitte/Ende März gefällt, berichtet Udo Reppert, Mitglied im Vorstandsteam des Veranstalters.

Den frühen Zeitpunkt erklärt er mit organisatorischen Zwängen. Im März eines jeden Jahres sind die Ankündigungsflyer fertig gestaltet; Anfang April werden sie gedruckt, Mitte des Monats an alle 3500 Menschen verschickt, die je an der Tour teilgenommen haben. "Wir haben abgesagt, weil absehbar war, dass die Flyer zu drucken keinen Sinn macht. Und wir wollten die Werbepartner, die uns finanziell unterstützen, nicht verärgern."

Im Verein sei man sich einig gewesen, dass die Krise länger dauert. Trotz aktueller Lockerungen sieht Reppert diese Einschätzung bestätigt. "Zur Droohdeseldour kommen knapp 1000 Leute. Die sind abgekämpft, schwitzen und sitzen auf Bänken. Enger geht es nicht", ergänzt der Gerodaer.

Ausfallen muss wegen Corona dieses Jahr auch der "Bike & Run" des SV Wildflecken . Er hätte zusammen mit dem "Run up the Hill" am 3. Juli stattgefunden. Wenn überhaupt. Denn für Organisator Wolfgang Illek ging die Tendenz so und so dazu, die Kombination aus Laufen und Radfahren dieses Jahr ausfallen zu lassen. Grund dafür: die im Vergleich zum hohen Aufwand schmale Teilnehmerzahl von 19 Teams. So war organisatorisch in diese Richtung kaum etwas gelaufen.

Abklatschen nicht angesagt

Aber auch sonst wäre der Bike & Run nicht Corona-kompatibel gewesen. Sich sportlich verausgaben und dann den Teamkollegen per abklatschen auf die Reise schicken - das widerspricht jeglicher gebotener Kontaktvermeidung.

Noch nicht offiziell verkündet ist die Absage für den Kuppenritt am 12. Juli. "Bis jetzt wird der Rhöner Kuppenritt wie geplant stattfinden", steht auf der eigens dafür eingerichteten Internetseite. Doch Norbert Hanft, Leiter der Radsportabteilung des ausrichtenden TSV Brendlorenzen , bestätigt auf Anfrage den Ausfall der Breitensportveranstaltung . "Der Kuppenritt findet nicht statt auf den offiziellen Strecken."

Sich anmelden, ihre Kilometer fahren und beim Veranstalter "einreichen" können die Menschen trotzdem - nur eben individuell und im Zeitraum vom 3. bis 19. Juli. Gefahren werden können die Touren überall; sie müssen nicht in Bad Neustadt starten oder den Kreuzberg hinaufführen. Die "Teilnehmer" können auch ihre "Startgelder" spenden; sie kommen der Corona-Hilfe zugute. Der TSV lobt zudem Einkaufsgutscheine und Sachpreise aus, so Hanft. Das Anmeldeportal ist ab Juli geöffnet.

Das größte Radspektakel der Region sollte an Pfingsten (30./31. Mai) im hessischen Bimbach starten. Doch die Absage steht seit 22. oder 23. April, informiert Christoph Blum, Pressesprecher des Veranstalters RSC Bimbach. Dieses Breitensportevent hätte bis zu 7000 Menschen angelockt; die Atmosphäre wäre "extrem familiär" gewesen. "Wir konnten uns nicht vorstellen, dass solche Veranstaltungen genehmigt worden wären. So haben wir frühzeitig die Reißleine gezogen." Das treffe die Organisatoren sehr hart; Tränen seien geflossen.

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