Bad Bocklet

Reisen in verschiedene Epochen

Jonas Hopf auf Zeitreise: Im König-Ludwig-II.-Kostüm steht der 33-Jährige auf dem Außenbalkon von Schloss Aschach.
Foto: Tassilo Hopf | Jonas Hopf auf Zeitreise: Im König-Ludwig-II.-Kostüm steht der 33-Jährige auf dem Außenbalkon von Schloss Aschach.

Jonas Hopf aus Aschach (Lkr. Bad Kissingen) steht mit beiden Beinen auf dem Boden, kann aber auch „abheben“. Er war Gebirgsjäger bei der Bundeswehr, hat ein Diplom zum Wirtschaftsingenieur in der Tasche und war drei Jahre lang Coach bei Bestseller-Autor Bodo Schäfer („Der Weg zur finanziellen Freiheit“) in Köln. Aber er kennt auch die Leichtigkeit des Seins, war 2003 bis 2005 überall in der Welt unterwegs, besichtigte zum Beispiel historische Stätten in Mexiko, studierte die Kultur der Mongolen, erkundete Indien und kämpfte sich durchs eisige Sibirien.

Hobby und Beruf zu verbinden – das wär?s! Das dachte der gebürtige Aschacher schon vor zehn Jahren. Zunächst schien ihm das verwegen. Doch dann wurde der Gedanke zur fixen Idee. 2015 gründete der 33-Jährige in seinem Heimatort die Firma kulevo und bietet „Zeitreisen“ an.

Leben wie einst die Ureinwohner

Wer bei ihm bucht, lernt nicht nur ungewöhnliche Länder und deren Geschichte kennen, sondern lebt auf einem Drittel der Reise so, wie einst die Ureinwohner des Landes lebten. Auf der Wikinger-Reise zum Beispiel wird er in Dänemark und Schweden herumkommen, kann sich für bestimmte Zeit mal in Fell und Tierhäute hüllen und ein Wildschwein am offenen Feuer braten oder im Hafen das Kriegsschiff zum Auslaufen flottmachen.

Dem Sohn eines Omnibusunternehmers wurde die Liebe zum Reisen schon in die Wiege gelegt. Als er klein war, schenkten ihm die Eltern lauter Sachbücher, die seinen Wissensdurst weckten. Später bei den Pfadfindern erwachte die Lust auf eigene Abenteuer, schildert Hopf seine Entwicklung. Hinzu kam in der Schule die Vorliebe fürs Historische. Nach dem Fachhochschulabschluss zog es ihn dann erst mal in die Ferne. 25 Länder hat der Globetrotter schon durchstreift. Hie und da blieb er länger hängen, wie zum Beispiel in China, wo er sich in Shanghai, Peking und Hongkong von der Hektik mittreiben ließ und sich sieben Monate mit Englischunterricht finanziell über Wasser hielt.

Der Drang, die Menschheitsgeschichte, das Entstehen der antiken Völker und die politischen Strukturen moderner Länder zu erforschen, lässt ihn bis heute nicht los, erzählt er mit Leidenschaft in der Stimme. Wen wundert?s, dass er seine Firma „kulevo“ taufte – eine Wortschöpfung aus „Kultur“ und „Evolution“, die synonym stehen soll für Reisen zurück in vergangene Epochen.

Ein halbes Jahr lang arbeitete sich der Freizeit-Globetrotter für die Firmengründung durch Paragrafen und Formulare, stellte Anträge, besuchte Seminare, ging zum Notar, hatte einen Rechtsanwalt an der Hand, bekam Zusagen, stellte Folgeanträge und wartete dazwischen immer wieder, bis die Bürokratie ihren Lauf nahm. Das alles kostete viel Zeit und Geld. Während der 33-Jährige damit beschäftigt war, seine Firma aufzubauen, schrieb er nebenbei ein Hörbuch über die Zeit der Aufklärung.

Mit seiner Crowdfunding-Initiative im Internet hatte Hopf dann allerdings Pech. „Ich habe leider die falsche Plattform benutzt.“ Es kam zwar einiges an Geld auf dem Online-Account zusammen, jedoch nicht der Mindestbetrag, den Hopf bei dem Portal hatte eintragen lassen. So konnte er das Geld nicht in Anspruch nehmen, es ging wieder an die Sponsoren zurück. „Und ich war fast pleite.“ Über private Kontakte fand er dann einen Mäzen, der ihm finanziell unter die Arme griff. „Er glaubte an meine Geschäftsidee und hat fünf Prozent der Firma gekauft.“

Ins Reich der Minoer

Die Reise zu den Steppenvölkern Kirgisistans ist nun also in trockenen Tüchern. Ein paar Tausend Euro fehlen Hopf jetzt trotzdem noch, damit er die anderen drei Reisen 2017 an den Mann oder die Frau bringen kann. Entweder findet er einen, beziehungsweise mehrere weitere Investoren, oder er muss ab Januar erst mal als Ingenieur arbeiten gehen, um sich das restliche Geld dazu zu verdienen – so hat er sich das jedenfalls zurechtgelegt.

Im zweiten Fall könnte er die geplanten Touren zu den alten Römern nach Italien und Österreich, zu den Wikingern nach Dänemark und Schweden und zu den alten Minoern auf die Insel Kreta jedoch erst 2018 umsetzen.

Man merkt Hopf an, dass ihm der lange Atem des Existenzgründers allmählich auszugehen droht. Er hat jede Menge Vorarbeit geleistet, bis sein Start-up aus dem Ei schlüpfen konnte. Inzwischen hat er interessante Routen für seine vier Reisen zusammengestellt, hat ein Team von Experten und Archäologen rekrutiert, die auf den Touren dort zur Verfügung stehen. Sollte sich alles nun letztlich mangels Geld erneut hinausziehen? „Ich hoffe, dass es bald klappt, denn schließlich hab' ich zu Hause noch drei Leitz-Ordner voll weiterer kreativer Ideen.“

Infos: kulevo.de

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Bad Kissingen und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Bad Bocklet
Aschach
Isolde Krapf
Bundeswehr
Ureinwohner
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!