Trübenbrunn

Rhönallianz: Der Weg zur gemeinsamen Klärschlamm-Entsorgung

Alle acht Allianzgemeinden befürworten die Idee zur Entsorgung des Klärschlamms. Die Stadtwerke erstellen dafür in den kommenden Monaten ein logistisches Konzept.
Abteilungsleiter Horst Steinhoff (links) und Stadtwerkechef Michael Garhamer am Aufbereitungsbecken in der Kläranlage Trübenbrunn. Foto: Julia Raab       -  Abteilungsleiter Horst Steinhoff (links) und Stadtwerkechef Michael Garhamer am Aufbereitungsbecken in der Kläranlage Trübenbrunn. Foto: Julia Raab
| Abteilungsleiter Horst Steinhoff (links) und Stadtwerkechef Michael Garhamer am Aufbereitungsbecken in der Kläranlage Trübenbrunn. Foto: Julia Raab

Es brodelt - aber es stinkt nicht, wie zu vermuten wäre. Horst Steinhoff, Leiter der Abteilung Abwasserbeseitigung der Stadtwerke Bad Brückenau , zeigt auf die großen Becken. "Im Normalfall riecht man nicht viel, nur bei extremen Wettern kann das mal sein", erklärt er. Hier kommt das Ab- und Regenwasser aus allen Stadtteilen Bad Brückenaus, Zeitlofs, dem Gewerbegebiet Buchrasen, Dreistelz und dem hessischen Züntersbach zusammen. Es ist die größte Anlage im Altlandkreis. Elf weitere gibt es in den Gemeinden der Rhönallianz.

Der Abfallstoff, der Klärschlamm , wird schließlich über einen Entsorger an eine Verbrennungsanlage verkauft. "Die Entsorgung wird in Zukunft vor allem für kleinere Kläranlagen aus den umliegenden Rhönallianz-Gemeinden schwierig", erklärt der Geschäftsführer der Stadtwerke, Michael Garhamer. Eine gemeinsame Entsorgung biete für alle einen Vorteil. Denn: Klärschlamm darf kaum noch - wegen zu hoher Bodenbelastung - auf die Felder in der Landwirtschaft aufgebracht werden.

Neues Entwässerungssystem

Wohin also mit dem Abfall? Dafür haben die Rhönallianz-Gemeinden in den vergangenen Wochen der Vereinbarung mit den Stadtwerken zugestimmt, eine gemeinsame Entsorgung anzugehen. Was das genau bedeutet, erklärt der Stadtwerkechef: "Unser Ziel ist es, den Klärschlamm aus allen acht Gemeinden nach Trübenbrunn zu transportieren und in einer Presse oder Zentrifuge den Schlamm vom restlichen Wasser zu trennen."

Denn bis zu 90 Prozent Wasser sind schließlich noch im fertigen Klärschlamm enthalten, das es herauszufiltern gilt. So können große Mengen an stichfestem Schlamm weiter kostengünstiger entsorgt werden. "Je größer die Menge, umso besser ist die Chance, einen guten Entsorgervertrag zu bekommen", erklärt Garhamer.

Presse oder Zentrifuge

Bei der technischen Ausstattung der vorhandenen Anlagen in den Allianz-Gemeinden gibt es große Unterschiede. "Dementsprechend liegen die Schlämme am Ende der Wasserreinigung in unterschiedliche Konsistenzen vor", weiß Garhamer. Manche Kreiskläranlagen hätten beispielsweise keine Rechen oder Siebanlagen, um grobe Hygieneartikel aus dem Schlamm zu filtern.

Und das ist nun die große Aufgabe in den kommenden Monaten: "Wir müssen ein logistisches Konzept erarbeiten, das alle beteiligten Kläranlagen und deren Schlämme mit einbezieht", erklärt der Stadtwerke-Chef. Weiter sind noch Fragen zu klären, ob in manchen Anlagen Rechen oder Siebanlagen nachgerüstet werden müssten und welche Presse oder Zentrifuge in Trübenbrunn schließlich den Schlamm bearbeitet. "Dafür braucht man viel Erfahrung."

Umsetzung beginnt

Rhönallianz-Manager Uwe Schmidt begrüßt die Vereinbarung. "Wegen der hohen fachlichen Anforderung und immer mehr Vorgaben ruft es hier nach einer interkommunalen Lösung", sagt er. Die Berechnungen und Pläne seien hochkomplex, aber "mit den Stadtwerken ist ein Spezialist für alle Gemeinden mit im Boot."

Seit vielen Jahren schon liegt die Frage nach einer gemeinsamen Lösung für die Abwässer der Gemeinden aus dem oberen Sinntal auf dem Tisch. Zahlreiche Untersuchungen und Berechnungen liegen vor. Doch eine Lösung gibt es bis heute nicht. Warum nun die gemeinsame Entsorgung des Klärschlammes der Abwasserfrage vorgezogen wird, erklärt Schmidt: "Um weiter zu kommen hat man sich entschieden, diesen Teilbereich jetzt separat zu behandeln."

Förderung schwierig

Dabei sei das Klärschlammkonzept der erste Schritt. "Die Bearbeitung des Abwasserkonzepts läuft parallel dazu weiter", sagt er. Die Voruntersuchungen sind wichtige Voraussetzungen dafür. Weiterhin offen ist auch die Frage nach einer Förderung. Diese hänge von einer konkreten Maßnahme ab, die jedoch noch nicht feststehe, erklärt Schmidt.

Bis Ende des Jahres hoffen Stadtwerke und Gemeinden auf ein Ergebnis. Dann erst kann eine Entscheidung über die gemeinsame Entsorgung getroffen werden.

Wohin mit dem Klärschlamm ?

Entwässerung Der Klärschlamm muss zunächst durch Wasserentzug weiterbehandelt werden, um den Schlamm zu festigen und für den Weitertransport aufzubereiten. Die geschieht durch eine Zentrifuge oder Presse. Schilffelder entwässer in Trübenbrunn einen Teil des Klärschlammes . Auf rund 3 000 Quadratmetern entziehen die Pflanzen dem Schlamm in einem mehrjährigen Prozess das Wasser . Nach etwa acht Jahren kann der getrocknete Schlamm entsorgt werden.

Endverwertung Für eine weitere Verwertung muss der Klärschlamm von einem Entsorger beispielsweise in eine Müllverbrennungsanlage oder eine Zementanlage gefahren werden. Dort erzeugt die Verbrennung Energie, um beispielsweise Industrieprodukte herzustellen.

5 000 Kubikmeter Abwasser kommen bei Trockenwetter in der Kläranlage Trübenbrunn an.

20 000 Kubikmeter Wasser erreichen aktuell bei Regenwetter die Kläranlage .

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