Bad Kissingen

Rohre für die Kanäle

Tiefbauchef Thomas Hornung stellte die Ergebnisse von zahlreichen Erkundungsbohren in Sachen Kanal in der Altstadt vor.
Bereits im Oktober 2017 wurde in der Unteren Marktstraße eine sechs Meter tiefe Erkundungsbohrung durchgeführt. Dabei wurden in der Tiefe Messgeräte installiert, die verlässliche Daten über die unterirdischen Wasserströmungen und Mengen in diesem Bereich liefern sollten.  Foto: Benedikt Borst/Archiv       -  Bereits im Oktober 2017 wurde in der Unteren Marktstraße eine sechs Meter tiefe Erkundungsbohrung durchgeführt. Dabei wurden in der Tiefe Messgeräte installiert, die verlässliche Daten über die unterirdischen Wasserströmungen und Mengen in diesem Bereich liefern sollten.  Foto: Benedikt Borst/Archiv
| Bereits im Oktober 2017 wurde in der Unteren Marktstraße eine sechs Meter tiefe Erkundungsbohrung durchgeführt.

"Neue Altstadt: Fußgängerzone - Statusbericht 4. Quartal 2018 - Information" hieß der Tagesordnungspunkt 5 der öffentlichen Stadtratssitzung. Ein einfacher Titel, aber dahinter verbirgt sich das komplizierteste Problem, mit dem sich die Bad Kissinger Bauverwaltung zurzeit herumzuschlagen hat. Denn es geht um Abwasser und gleichzeitig um den Schutz der Heilquellen . Tiefbauchef Thomas Hornung hatte keine leichte Aufgabe.

Dass es bei der Verbindung der beiden Aspekte im Zuge der Erneuerung der Altstadt Probleme geben würde, war von vornherein klar. Denn die Stadt hatte bei der Erneuerung des Abwasserkanals in der Kurhausstraße in den Jahren 1985 und 1986 bereits Erfahrungen - und zwar schlechte - gemacht. Damals wurde unter den Gutachtern heftig diskutiert, ob der alte gemauerte, undichte Kanal durch einen neuen dichten Kanal oder durch einen neuen dichten Kanal mit einem zusätzlichen Drainagerohr ersetzt wird, um das hereindrückende Grundwasser aufzufangen. Damals vertratendie Professoren Quentin und Baumann vom Hydrogeologischen Institut der TU München die Auffassung, dass ein dichter Kanal ausreiche. Und die Stadt verließ sich drauf. Thomas Hornung: "Das war ein Irrtum." Die Konsequenz war, dass in der Kurhausstraße die Keller und Wirtschaftsräume der anliegenden Häuser vollliefen, weil sich an dem Rohr bergseits ein Rückstau bildete, und teure Abhilfemaßnahmen erforderlich wurden. Aber, so Hornung, "eine zusätzliche Drainage wäre auch falsch gewesen." Denn dann hätte nicht genügend Grundwasser die benachbarten Heilquellen erreicht, die irgendwann einmal trocken gefallen wären.

Ein undichter Kanal hätte Grundwasser aufgenommen, aber auch Abwasser abgegeben - und das Heilwasser schmeckt ohnehin schon gewöhnungsbedürftig. Wäre Bad Kissingen nur Kissingen und müsste kein Heilwasser verkaufen, wäre die Kanalsanierung eine der leichtesten Aufgaben. Aber so war man immerhin für die Altstadtsanierung gewarnt. "Das ist eine absolute Pionierarbeit, ständig von Wissenschaftlern begleitet." Denn man musste zunächst einmal herausbekommen, wo unter der Altstadt die Grundwasserströme verlaufen, von wieviel Wasser überhaupt die Rede ist und wieviel davon in die Abwasserkanäle eindringt, um bei einer Erneuerung den Status quo zu erhalten. Nicht nur wegen des Quellenschutzes.

Zahlreiche Messstellen

Denn ein Absinken des Grundwasserspiegels könnte auch Setzungen an den Häusern bewirken. Deshalb wurden vor allem im zurückliegenden Jahr in der Altstadt bei Bohrungen zahlreiche Messstellen angelegt.

Jetzt liegen verlässliche Werte und Zahlen vor, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden konnten und können. Inzwischen weiß man etwa, dass in der Unteren Marktstraße, der tiefsten Zone der Altstadt, rund ein halber Liter Grundwasser pro Sekunde im Abwasserkanal verschwindet - berechnet auf die gesamte Straßenlänge. Damit ist auch die Entscheidung gefallen für ein vermeintliches Paradoxon als Lösung: der dichte undichte Kanal. Aber die Lösung ist plausibel. Die alten, gemauerten Kanäle bleiben erhalten - was den großen Vorteil hat, dass man nicht überall aufgraben muss und dadurch erhebliche Kosten eingespart werden können. Nur werden in diese Kanäle dichte Rohre eingezogen, die das Abwasser abtransportieren, ohne mit dem eindringenden Grundwasser in Kontakt zu kommen. Das kann ganz nebenbei auch die Kläranlage entlasten, wenn dieses Wasser am Ende des Rohrsystems abgezweigt und abgeleitet wird.

Nun ist der Anfall von Grundwasser , das bei dieser Konzeption seine "vertrauten Wege" behält, nicht immer gleich. Um Spitzen zu entschärfen oder - wegen der Gefahr für die Gebäude - einen zu starken Abfluss zu verhindern, werden regulierende Elemente wie eine Pumpstation am oberen Marktplatz oder automatische Schieber oberhalb der Altstadt eingebaut. Für die Stadträte, zumindest für einige, bot der Bericht von Thomas Hornung nicht die großen Sensationen, denn die Maßnahmen in der Altstadt waren immer wieder Thema gewesen.

Das Entscheidende war: Die Untersuchungen und Planungen sind an einem Punkt angekommen, an dem sie durch die Entscheidung für das bereits favorisierte undichte dichte Kanalsystem auf der Grundlage von gesicherten Fakten in die Phase der konkreten Umsetzung wechseln können. Der gefühlte Stillstand dürfte 2019 zu Ende sein.

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