Motten

Rund ums Josefsheim Motten - eine Baustelle mit Überraschungen

Barrierefrei sollen der Zugang und das Areal rund um das Mottener Josefsheim werden, im Moment lässt die Baustelle noch nichts davon erahnen.
Bürgermeisterin Katja Habersack und Architekt Ulrich Dölker stehen in regelmäßigem Kontakt bezüglich der Bauarbeiten rund um das Josefsheim.  Foto: Stephanie Elm       -  Bürgermeisterin Katja Habersack und Architekt Ulrich Dölker stehen in regelmäßigem Kontakt bezüglich der Bauarbeiten rund um das Josefsheim.  Foto: Stephanie Elm
| Bürgermeisterin Katja Habersack und Architekt Ulrich Dölker stehen in regelmäßigem Kontakt bezüglich der Bauarbeiten rund um das Josefsheim. Foto: Stephanie Elm

Jeder Meter der Baustelle birgt Stolperfallen, das alte Pflaster, die alte Treppe, die alten Steine sind weg. Doch Ulrich Dölker von Baurconsult hat den Überblick und das Bild dessen, wie es werden soll, nicht nur auf dem Plan , sondern auch im Kopf. Seit 2016 ist er mit dem Projekt betraut, damals liefen die ersten Gespräche, die ersten Ideen wurden formuliert. Seit Juli nun rollen die Bagger über das Terrain, von dem der Landschaftsarchitekt schon vor vier Jahren wusste: "Die Baustelle hat es in sich". Die Hanglage des Areals ist definitiv eine "topographische Herausforderung". Da keine direkte Zufahrt möglich ist, muss jegliches Baumaterial per Kran vom Kirchberg aus zu den Arbeitern gehoben werden.

Bislang sind diese mit dem Fundamentalen beschäftigt, der Grundlage für die angestrebte Barrierefreiheit. Von der Grundschule aus entsteht ein circa 50 Meter langer Zuweg. Mit einem Neigungsgrad von 0,5 Prozent ist er laut Dölker "fast eben" und für Rollstuhlfahrer befahrbar. Der Verlauf ist bereits sichtbar, demnächst wird er durch Gabionen hangabwärts gesichert. Die alte Bruchsteinmauer an der Stelle musste eingerissen werden, sie war für den neuen Zweck nicht sicher genug. Zeitgleich soll an der anderen Seite des Josefsheims "Wand 12" errichtet werden. Sie wird den alten Pfarrgarten vom Kirchberg abtrennen. Diese Wand und die Stützmauern der neuen Treppenanlage werden aus Beton-Fertigteilen bestehen. Eine leichte Struktur auf der Oberfläche soll für das Auge gefällig sein.

Hohlräume unter einem Fundament

"Wir finden immer neue Herausforderungen" sagt Katja Habersack. Die Bürgermeisterin steht in regelmäßigem Kontakt zu Ulrich Dölker und Bauleiter Steffen Beck von der Firma Theo Hahn. Leitungen, die in keinem Plan aufgezeichnet sind, kamen zutage, Hohlräume unter einem Fundament sowie Klärgruben samt Inhalt - in vergangenen Zeiten einfach zugeschüttet.

Die zufällig gefundene Leitung unter dem alten Pfarrgarten wird an die Kanalleitung am Kirchberg angeschlossen werden. "Das ist die kürzeste und kostengünstigste Variante", befürwortet auch Katja Habersack die Entscheidung von Ulrich Dölker. An der unteren Ecke des Josefsheims musste die Wand unterfangen werden, bevor es mit weiteren Grabungsarbeiten weitergehen konnte. Ohne die Unterfütterung wäre das Gebäude irgendwann abgesackt.

Pläne nicht deckungsgleich

Das größte Problem stellten die gefundenen Anschlüsse und die Klärgrube unter der alten Treppenanlage dar. Ursprünglich sollte der Mischwasserkanal darunter verlaufen. Der Plan der Treppe und der Plan des Kanalverlaufs waren jedoch nicht deckungsgleich, weshalb die ursprüngliche Planung der vorherigen Firma von Baurconsult überarbeitet werden musste. Der neue Plan sieht vor, den Kanal komplett unter die neue Treppenanlage zu verlegen. Nur geringfügig muss er tiefergelegt werden, da er bislang nur 50 Zentimeter unter der Erde lag. Steffen Beck von der Firma Theo Hahn betont jedoch: "Damit er frostfrei bleibt, muss er mindestens 80 Zentimeter tief liegen". Viel tiefer müssen allerdings die Stützmauern der neuen Treppe verbaut werden. Die L-förmigen Betonteile formen mit ihren Füßen quasi das Fundament, auf dem der Mischwasserkanal liegen wird.

Ist dieser in die Stützmauerformation eingebaut, werden die 61 neuen Treppenstufen als krönender Abschluss verlegt werden. Etwas steiler wird der Aufstieg in Zukunft zu bewältigen sein. "Der Treppenlauf musste verändert und höhenmäßig angepasst werden", erläutert Dölker.

Ohne Baustopp

Einen Baustopp gab es trotz all der Überraschungen nicht, Arbeiten gibt es genug. Einzig die Problematik um die Treppenanlage veranlasste Bauleiter Steffen Beck, die Arbeiten dort vorerst einzustellen. "Es ging sukzessiv weiter", so Ulrich Dölker. So mussten beispielsweise Vermessungsarbeiten durchgeführt werden. Mit den Nachbarn gibt es laut Dölker eine gute Kommunikation. Auf Grund von gemeinsamen Gartenmauern werden ihre Belange auch tangiert.

Vier Jahre vor Baubeginn hatte Ulrich Dölker das Projekt schon auf dem Plan . Für außergewöhnlich lange hält er dies aber nicht. "Ursprünglich sollte das Projekt zusammen mit dem Kirchenteilrückbau erfolgen", blickt er auf die Anfänge zurück. Da die Diözese die Planungen einstellte, wurde die barrierefreie Sanierung rund um das Josefsheim als separate Maßnahme in Angriff genommen.

Anfang 2019 erfolgte die erste Ausschreibung, die jedoch ergebnislos aufgehoben werden musste, da keine Baufirma ein Angebot unterbreitet hatte. Auch dies solle laut Dölker "nicht überbewertet" werden. Baufirmen seien momentan mehr als ausgelastet. "Mit veränderten Gewerken" schrieb die Gemeine erneut aus, diesmal mit Erfolg. Die aus dem ursprünglichen Plan herausgenommen Schlosserarbeiten und der Landschaftsbau werden separat ausgeschrieben werden.

Komplett mit Erde aufgefüllt

Gänzlich wegfallen wir die Stahlkonstruktion, die im ersten Planentwurf von Baurconsult die Treppenanlage überqueren und balkonartig um das Josefsheim bis zum Eingang verlaufen sollte. "Die Regierung von Unterfranken hat das nicht bewilligt", erklärt Dölker. Stattdessen wird das Areal komplett mit Erde aufgefüllt werden, bis ein ebener Zugang zu den beiden Eingängen möglich ist. 300 Kubikmeter werden dafür benötigt werden.

Bewilligt hat die Regierung von Unterfranken jedoch die Verlängerung des Förderantrags. Auf Grund der ergebnislosen ersten Ausschreibung verlängert sich der Abschluss der Arbeiten. "Mit Bewilligung der Förderung ist man an Fristen gebunden", betont Bürgermeisterin Katja Habersack. Die neue Frist ist nun bis Ende dieses Jahres einzuhalten. Habersack und Dölker gehen davon aus, dass der Bauabschluss tatsächlich noch in diesem Jahr erfolgen kann.

Hintergrund

Insgesamt wird die Sanierung über 800.000 Euro kosten, förderfähig sind knapp 769.000 Euro. Bei einer Förderung von 60 Prozent übernimmt der Staat also etwas mehr als 461.200 Euro. Die Förderung wurde über die Rhönallianz beantragt. Gefördert wird die überörtliche Zusammenarbeit im Rahmen des Städtebauförderprogramms.

Eigentümer der Immobilie und des Grundstücks ist die Diözese . Mit ihr besteht eine Nutzungsvereinbarung, laut der die Gemeinde auch für die Gestaltung des Außenbereichs verantwortlich ist. Der Bereich der Treppenanlage gehört nicht der Kirche, sondern der Gemeinde.

In Zahlen:

300 Kubikmeter müssen entlang des Josefsheims aufgeschüttet werden.

Der neue Treppenlauf steigt auf einer Länge von 35 Metern um circa 9,30 Meter. Das entspricht einem Steigungsgrad von 26 Prozent.

Der Zuweg vom Kirchberg aus wird circa 50 Meter lang sein und einen Neigungsgrad von 0,5 Prozent haben.

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