Neuwirtshaus

Schnapsidee ist ein Hingucker

Der Brennerweg in Wartmannsroth setzt Potenziale frei. Zweimal musste die Feier zur Eröffnung der neuen Destillathek abgesagt werden. Warum Bolds dennoch zufrieden sind.
Lothar und Ingrid Bold eröffnen in Neuwirtshaus eine neue Destillathek. Wolfgang Dünnebier       -  Lothar und Ingrid Bold eröffnen in Neuwirtshaus eine neue Destillathek. Wolfgang Dünnebier
Lothar und Ingrid Bold eröffnen in Neuwirtshaus eine neue Destillathek. Wolfgang Dünnebier

Bei der Fahrt durch das ruhige Neuwirtshaus ist auf den ersten Blick alles wie immer. Fast: Denn auf dem Hof von Lothar und Ingrid Bold ereignete sich ein baulicher Quantensprung. In der Lücke zwischen Wohnhaus und Scheune erstreckt sich die neue Destilla-thek. Bolds Schnapsideen, so der Name des Familienbetriebs, präsentiert sich nun in schnörkelfreier Architektur aus Licht, Glas, Stahl und Eiche.

Der Brennerweg als touristisches Angebot motiviert Betriebe vor Ort. Knapp 500 000 Euro hat Familie Bold investiert. Nach umfangreichen Vorüberlegungen mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG, Veitshöchheim) nahm 2018 ein Planungsbüro die Arbeit auf. Die angemessene Einweihung nach der Fertigstellung in diesem Jahr musste zweimal coronabedingt verschoben werden. Nun ist sie auf den 2. Mai 2021 terminiert. Denn nach Feiern ist es dem Ehepaar nach eigenem Bekunden schon.

Bislang sei man gut durch die Pandemie gekommen, freut sich Lothar Bold. "Es funktioniert auch in so einem kleinen Dorf, umreißt der staatlich geprüfte Brenner seine bisherigen Erfahrungen mit dem repräsentativen Neubau. Die Zeit während des ersten Lockdowns habe man genutzt, um die Rezeptur für den ersten eigenen Gin auszuarbeiten. Über den Sommer wurden Zutaten gesammelt.

Inspiration habe es reichlich gegeben. Positiv sei die Entwicklung zum Urlaub in Deutschland zu spüren. Häufig stünden Autos auf den Parkplätzen am Brennerweg. Coronabedingt waren es zumeist kleinere Grüppchen, die nach einer Wanderung zu einem Schnapsseminar vorbeischauten.

Alte Birnbäume im Blick

"Und manche Menschen aus der Region, die früher immer vorbeigefahren sind, schauen jetzt mal rein", so Bold. Einzelne Freundeskreise haben die Möglichkeit genutzt, im neuen Schulungsraum mit seinen 40 Sitzplätzen und Blick ins Grüne die Lockerung der ersten Ausgangsbeschränkungen zu feiern.

Mit dem Neubau geht schon die sechste aufwendig gestaltete Destillathek in der Großgemeinde in Betrieb. Für Bold, der auch Vorsitzender des örtlichen Brennervereins ist, eine konsequente Entwicklung, die unterstreiche, wie erfolgreich man mit Spezialisierung und Wertschöpfung vor Ort sein kann.

"Der Ernteradius ist etwa zehn Kilometer um den Hof, 95 Prozent kommt aus unserer Gemarkung", erläutert der Brenner seine Strategie. Das Getreide stamme aus dem eigenen Anbau. Man sei immer auf der Suche nach alten Apfel- und Birnensorten, die sich zum Brennen eignen. Im Blick sei der Erhalt alter Birnbäume, die oft einzeln landschaftsprägend in der Flur stehen. "Um diese Sorten zu erhalten, haben wir bereits Auftragsveredlungen machen lassen", beschreibt Bold einen Effekt seines Handwerks.

Brennerei und Landschaftspflege ergänzen sich in einigen Bereichen. Der Jahresbrand 2019/20 aus Wildapfel entstand zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten. Dazu wurden Bäume im Wald abgeerntet und mittlerweile gepflegt. Das besondere Destillat wird mit der LWG vermarktet.

Die Vorfahren auf dem rund 200 Jahre alten Hof hätten sich nicht träumen lassen, dass von hier aus Schnaps auch über das Internet nach ganz Deutschland und in Gaststätten der weiteren Region verkauft wird. Gebrannt wird hier seit 95 Jahren. Nach Einstieg in die Direktvermarktung Anfang des Jahrtausends und Umstellung auf ökologischen Landbau 2004 bauten Bolds 2004 eine neue Brennerei mit einem Verkaufsraum, der sich jedoch bald als zu klein erwies.

Mit der Ausbildung zum Edelbrandsommelier (2012) und staatlich geprüften Brenner (2019) rundete Lothar Bold seine Qualifikation ab. Bei teils internationalen Verkostungswettbewerben hat er schon für Aufsehen gesorgt. So hat der Waldhimbeergeist bei der nach seinen Angaben größten Direktvermarktermesse in Wieselburg (Österreich) dreimal hintereinander eine Goldmedaille gewonnen. 2020 holte er bei der Craft spirits, einem internationalen Wettbewerb für handwerklich hergestellte Destillate, mit einem im Sherryfass gereiften Roggenbrand eine Goldmedaille.

Ein Faktor für den Erfolg der Brennerei in Wartmannsroth ist für Bold der Gemeinschaftsgeist unter seinen Kollegen und die Unterstützung der Gemeinde. Auch Bürgermeister Florian Atzmüller spricht auf Nachfrage dieser Redaktion von einer ungeahnten Erfolgsgeschichte, von der die Großgemeinde profitiere. Die kommenden Monate will die Gemeinde nutzen, um sich über weitere Angebote Gedanken zu machen, darunter auch über bessere Beherbergungsmöglichkeiten. Dabei setze aber der Personalmangel in der Gastronomie Grenzen, schränkt Atzmüller ein. Hoffnungsfroh ist er, dass die dieses Jahr abgesagten Tage der edlen Brände 2021 wieder stattfinden können. Wolfgang Dünnebier

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