Bad Kissingen

Seltene Arten breiten sich wieder in der Rhön aus

Seltene und geschützte Arten sind wieder auf dem Vormarsch in den Revieren der Bayerischen Staatsforsten im Salzforst und Rhön-Grabfeld.
Ein seltener Geselle: der Feuersalamander, hier in Steinach. Fotos: Martin Eggert, Marina Bosdorf       -  Ein seltener Geselle: der Feuersalamander, hier in Steinach. Fotos: Martin Eggert, Marina Bosdorf
Ein seltener Geselle: der Feuersalamander, hier in Steinach. Fotos: Martin Eggert, Marina Bosdorf

Die Revierleiter der drei Staatsforstreviere im Salzforst können im Nachgang zum "Tag der Artenvielfalt" freudig feststellen, dass sich seltene und geschützte Arten wieder ausbreiten und sich etablieren. Gleichzeitig finden aber auch zunehmend Pflanzen ein neues Refugium, wie zum Beispiel die Robinie, die im Zuge des Klimawandels zukünftig als Mischbaumarten an Bedeutung gewinnen könnten.

Bereits letztes Jahr konnten in den Revieren Steinach und Burgwallbach junge Wildkatzen beobachtet werden. Die Pflege von Strukturen und Diversität im Wald begünstigt deren Verbreitung und die zunehmenden Sichtungen auch in diesem, Jahr freut Reviervertreter Lukas Hofmann/ Revier Burgwallbach sehr: "Wir bekommen dadurch erneut eine Bestätigung, dass sich die Wildkatze etabliert und eine stabile Population aufbaut."

Die Herausforderung der Forstwirtschaft, mit Schadholzmengen durch Sturm, Trockenschäden oder Borkenkäfer, umzugehen, bietet aber auch Chancen zur Lebensraumverbesserung. So werden bewusst Baumstümpfe oder auch umgeworfenes Laubholz als Biotopstruktur im Wald liegen gelassen. Marina Bosdorf vom Revier Steinach erläutert: "Von holzzersetzenden Insekten oder Pilzen über Wildbienen bis hin zu Fledermäusen und Spechten oder der Wildkatze - diese Biotophölzer bieten einer großen Vielfalt von Arten ein Refugium, bis sich der Kreislauf wieder schließt und das Holz nach einigen Jahren komplett zersetzt wurde."

Das Revier Unterebersbach unter Leitung von André Schönfeldt präsentiert sich auch dieses Jahr erneut als Schwarzstorch-Hotspot. Die bereits letztes Jahr emsig mit der Balz und Nahrungsflügen in der Brutphase beschäftigten Störche, stellen sich als teilweise so gar nicht scheue Gesellen heraus und beeindrucken in der Ortschaft Unterebersbach gerne durch akrobatische Flugeinlagen. Der Wald hält hier genügend attraktive Strukturen für den Horstbau bereit.

Revierleiter haben Bitte an Besucher

Eine große Bitte haben die drei Revierleiter an die Waldbesucher : Während der Setz- und Brutzeiten sollten die Tiere möglichst ungestört der Aufzucht ihrer Jungen nachgehen können, deshalb sollte der Wald auf den Forstwegen begangen und Hunde an der Leine geführt werden. Auch Rehwild, Rotwild und Schwarzwild haben frisch gesetzte Jungtiere und benötigt entsprechend Ruhe. Wenn Jungtiere gesichtet werden, sollte man sich ruhig verhalten und Distanz wahren.

Ein altbekannter, aber selten gewordener Waldbewohner ist der Feuersalamander, Reptil des Jahres 2016 und gerade dieses Jahr erfreulicherweise im Salzforst sehr oft zu beobachten. Er liebt hügelige, eher kühlere Laub - und Mischwaldgebiete mit naturnahen Bachläufen, Totholzanteil und Blocküberlagerungen. Habitate, die die Rhön als passenden Lebensraum qualifizieren und anhand der Sichtungen dieses Jahr auch den Salzforst als geeigneten Lebensraum wieder in den Fokus rücken lassen. Der Feuersalamander gilt mittlerweile als "besonders geschützt". Seine Gestalt und die giftigen Drüsensekrete führten in der Vergangenheit zu einigen abergläubischen Handlungen - so dachte man, dass Feuersalamander Brände löschen könnten und warf sie in das namensgebende Feuer.

Der Wonnemonat Mai ist namensgebend für das Breitblättrige Knabenkraut, die "Orchidee des Jahres 2020". Eine Art, die auf der Roten Liste geführt wird, laut Lukas Hofmann, aber eine auf einigen Waldwiesen zuverlässig zu findende Pflanzenart ist. Die auch Breitblättrige Fingerwurz genannte Orchidee bevorzugt feuchte bis nasse Wiesen und sonnige Standorte. In der Rhön bzw. den Salzforsten ist die Pflanze noch verhältnismäßig weit verbreitet. Um die Population nicht zu gefährden, bittet auch Revierleiterin Marina Bosdorf darum, nur den Anblick zu genießen, aber keine Pflanzen zu entnehmen.

Während alteingesessene, aber mittlerweile seltene Arten sich offensichtlich wieder stabilisieren, etablieren sich neue Arten, die ursprünglich an wärmere und trockenere Standorte angepasste Arten wie die Robinie, "Baum des Jahres 2020". Diese Baumart kommt bisher nur sehr vereinzelt an Wegrändern im Salzforst vor, könnte aber zumindest als Beimischung zukünftig eine interessante Klimabaumart werden. So ist sie z.B. im rheinland-pfälzischen Weinbauklima zusammen mit der Edelkastanie zwischenzeitlich eine fest etablierte und genutzte Baumart . Das Holz der Robinie weist eine besondere Härte und hohe Witterungsbeständigkeit aus - eine regionale Alternative zu Tropenhölzern. Im Möbelbau, bei Spielplätzen, aufgrund des hohen Heizwertes im Energieholzbereich, im Wasserbau oder bei Lärmschutzwänden findet die Baumart ihre Anwendung.

"Im Salzforst dagegen beschränkt sich der Nutzen bisher aber auf die hohe Attraktivität als Bienenweide", erklärt André Schönfeldt lachend. "Dennoch reicht die Anzahl der Bäume noch nicht für den geschätzten hellen und milden, fälschlicherweise als "Akazienhonig" bezeichneten Brotaufstrich." Während die einen Arten um das Überleben kämpfen und daher Unterstützung benötigen, müssen die "Gewinner" der Klimaerwärmung aufgrund ihres enormen Ausbreitungspotenzials kritisch im Auge behalten werden. Ein Balanceakt, der zunehmend an Bedeutung für die Arbeit der Forstleute, auch im Hinblick auf die Verteilung der Baumartenzusammensetzung, gewinnt.

Die drei Revierleiter stellen zufrieden fest: "Diese stetigen kleinen Erfolge über drei Salzforstreviere und damit rund 6.000 Hektar Staatswald hinweg, bestätigen uns, dass wirksamer Naturschutz und naturnahe Forstwirtschaft keine Gegensätze sind."

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