Bad Brückenau

Sinntalbahn: Staudenbahn legt Widerspruch ein

Alle vier Kommunen an der Bahnstrecke haben den lang ersehnten Freistellungsbescheid bekommen. Doch sie haben sich zu früh gefreut.
Als kleiner Junge ist Wilhelm Friedrich oft mit der Sinntalbahn gefahren. Heute wartet der Zeitlofser Bürgermeister nicht mehr auf den Zug, sondern auf den Radweg. Foto: Ulrike Müller       -  Als kleiner Junge ist Wilhelm Friedrich oft mit der Sinntalbahn gefahren. Heute wartet der Zeitlofser Bürgermeister nicht mehr auf den Zug, sondern auf den Radweg. Foto: Ulrike Müller
| Als kleiner Junge ist Wilhelm Friedrich oft mit der Sinntalbahn gefahren. Heute wartet der Zeitlofser Bürgermeister nicht mehr auf den Zug, sondern auf den Radweg. Foto: Ulrike Müller
Die Freude war groß. Sie löste sich aber schnell in Luft auf. Am 24. Februar erhielt die Stadt Bad Brückenau den Freistellungsbescheid für die Flurstücke der Sinntalbahn. Endlich, dachte sich Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks. Endlich, dachten sich auch ihre Bürgermeisterkollegen. Denn es folgten Freistellungsbescheide für alle betroffenen Kommunen der Brückenauer Rhönallianz: Wildflecken (2. März), Riedenberg (7. März) und Zeitlofs (10. März). Einen Monat nach der Zustellung sollten sie rechtswirksam werden.


Radweg verzögert sich erneut

Am 31. März aber legte die Staudenbahn Widerspruch ein, und zwar gegen alle vier Bescheide. "Fristgerecht", sagt Moritz Huckebrink von der Pressestelle des Eisenbahn-Bundesamtes und begründet das mit der Verwaltungsgerichtsordnung . Der Widerspruch hat aufschiebende Wirkung. Damit ist der interkommunale Radweg an der Sinn entlang einmal mehr in weite Ferne gerückt. "Den Bürgern ist die Verzögerung nicht mehr zu erklären", sagt Jürgen Pfister, 2. Bürgermeister von Bad Brückenau (PWG). "Da war ich schon enttäuscht", sagt der Zeitlofser Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU). Nach mehr als 15 Jahren habe man endlich Licht am Ende des Tunnels gesehen.

Ganz anders freilich sieht das Hubert Teichmann. "Ich weiß nicht, ob die politisch Verantwortlichen wissen, was sie tun", sagt der Geschäftsführer der Staudenbahn. Die Region sei dabei, die wertvolle Infrastruktur zu verspielen. "Überall wird reaktiviert, nur in der Rhön nicht!" Seinen Angaben zufolge habe die Staudenbahn noch immer die Absicht, die Strecke zu kaufen - allerdings nur Schienen, Bahnsteige und Ladestellen für Güterverkehr. Die Bahnstrecke steht offiziell zum Verkauf ausgeschrieben - für eine halbe Million Euro. Nach wie vor sieht Teichmann ein "riesiges Potenzial" in der Sinntalbahn.


Empörung bei Kreisräten

"Wo sollen denn die Millionen herkommen, die dafür gebraucht werden?", fragt Wolfgang Illek, 2. Bürgermeister von Wildflecken (CSU). Der erklärte Gegner einer Reaktivierung zeigt sich optimistisch, dass die Region am Ende doch noch ihren Radweg bekommt. Roland Römmelt (CSU), Bürgermeister von Riedenberg, setzt voll und ganz auf die Rhönallianz.

Auch bei den Kreisräten war die Sinntalbahn ein Thema. Jürgen Dobler von der Tiefbauabteilung des Landratsamtes schilderte, dass der Landkreis keine Handhabe hat. "Wir sind darauf angewiesen, dass die Freistellung rechtskräftig wird", sagte er in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses. "Das jetzt abzuarbeiten, dauert wieder eine Zeit lang, so dass es uns wieder mindestens ein Jahr kostet", lautet Doblers Prognose. Dabei läuft schon seit Anfang April die spezielle Artenschutzprüfung.

In der Sitzung wurde der gesammelte Unmut der Kreisräte und der Verwaltung deutlich: "Solche Angebote kann man scheinbar jederzeit aus dem Hut zaubern, wenn es um das Männer-Spielzeug Eisenbahn geht", sagte Dobler. Auf Nachfrage der Kreisräte berichtete er zudem, dass die Angebote der Privatbahnen auch immer plausibel scheinen: "Aber letztlich hapert's an der Umsetzung."


Zweifel an Zuständigkeit

"Ich habe das Gefühl, man spielt mit uns Katz' und Maus", sagte der Bad Brückenauer PWG-Kreisrat Jürgen Pfister. "Da taucht in der Sinn immer mal ein U-Boot auf und dann hört man wieder zwei Jahre lang nichts", scherzte auch Landrat Thomas Bold (CSU). Der Landtagsabgeordnete und Kreisrat Sandro Kirchner (CSU) regte sogar an, die Zuständigkeiten juristisch prüfen zu lassen.

Dafür gab es Unterstützung von seinem Fraktionskollegen Walter Gutmann, langjähriger Bürgermeister von Wildflecken: Auch er zweifelte die alleinige Zuständigkeit des Eisenbahn-Bundesamtes in einer so wichtigen Infrastruktur-Frage an. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass es so ist, aber wir müssen das akzeptieren", sah Landrat Bold aber keine rechtliche Handhabe.


Stadt Bad Brückenau sichert sich Vorkaufsrecht


Einziger Lichtblick in der Verhandlung war der Hinweis des Zeitlofser PWG-Kreisrates Roland Limpert, dass es immerhin bei der Staatsstraße durch das Sinntal voran gehe: "Da wird jetzt talseits gebaut, ohne Grundstücke der Bahn mit einzubeziehen", berichtete er von Verhandlungen mit dem Staatlichen Bauamt.

Der Stadtrat Bad Brückenau hat übrigens in der vergangenen Woche schon einmal vorsorglich eine Vorkaufssatzung erlassen. Insbesondere das Bahnhofsgelände ist fester Bestandteil der städtebaulichen Planung. Einzig die SPD-Fraktion stimmte dagegen. Deren Sprecher Benjamin Wildenauer setzt sich seit Jahren für die Reaktivierung ein. "Keiner kann sagen, wie hoch die Kosten sein werden", wollte er die Entscheidung des Stadtrats nicht mittragen.
Ralf Ruppert und Ulrike Müller
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