LKR Bad Kissingen

So arbeiten Schüler und Lehrer ohne Unterricht

Die Schulen sind geschlossen, Prüfungen werden verschoben: Wie behelfen sich Schüler und Lehrer, um die Zeit zu überbrücken, in der keine reguläre Schule stattfindet?

Das Kultusministerium hat den Beginn der Abitur-Prüfungen auf den 20. Mai verschoben. Die Prüfungen für die Mittleren Schulabschlüsse und die besondere Leistungserhebung zum qualifizierenden Abschluss der Mittelschule verschieben sich um 14 Tage. "Wir wollen genügend Zeit für die Vorbereitung auf die Prüfungen geben", teilt Kultusminister Michael Piazolo über eine Pressemitteilung mit.

Schule lebt von der persönlichen Begegnung. Jeden Tag gibt es zahlreiche Gespräche in Klassenräumen, im Pausenhof, im Lehrerzimmer und in den Fluren einer Schule. Durch die Schulschließungen fällt das weg. Damit Schüler möglichst wenig Unterrichtsstoff verpassen, nutzen viele Lehrer digitale Kommunikationswege.

Die Lernplattform "mebis" des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, die es seit Jahren gibt, bietet sich zur Nutzung an. In "mebis" erstellen Lehrer für ihre Klassen Ordner und füllen diese dann mit Arbeitsaufträgen, Materialien und Internetlinks. Der Zugang zu den Materialien lässt sich so einstellen, dass nur die jeweiligen Lehrer und Klassen darauf Zugriff haben. So ist die Idee. In der Praxis scheiterte die Nutzung des virtuellen Klassenzimmers jedoch zunächst an einem Hacker-Angriff. Vergangene Woche habe es "hunderttausendfache automatisierte Seitenaufrufe" gegeben, twitterte das Social-Media-Team der Lernplattform.

In diversen Whatsapp-Gruppen helfen sich Lehrer in ganz Bayern mit Screenshots und Hilfsanleitungen, über technische Tücken hinweg, die auch andere Schulclouds betreffen.

Auch Verlage, die Schulbücher herausgeben, zeigen sich in der Corona-Krise entgegenkommend. eBooks , für die sonst Schulen Lizenzen erwerben müssen, bieten Verlage teilweise bis zum Schuljahresende kostenlos an.

Mebis funktioniert nicht, sagt Schulleiter Markus Arneth vom Jack-Steinberger-Gymnasium aus Bad Kissingen. An seiner Schule bestehe "heftiger E-Mailkontakt". "Mit besonderem Elan widmen sich unsere Lehrer derzeit der Q11 und Q12." Für die Oberstufenschüler und Lehrer handelt es sich um eine besondere Herausforderung.

Yannis Wüst aus der Q12 vom Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium in Münnerstadt sagt: "Meine Lehrer geben alles, was in ihrer Kraft steht. Trotz Verschiebung der Prüfungen ist die Abiturvorbereitung schwierig."

So läuft die Organisation

An alle Schüler schicken die jeweiligen Fachlehrer des Jack-Steinberger Gymnasiums per E-Mail Arbeitsaufträge. Wie diese gestaltet sind, entscheidet jeder Lehrer individuell für seine Klasse. "Ich habe das Lehrerkollegium gebeten, die Aufgaben mit Augenmaß aufzugeben. Die Schüler sollen nicht mit Aufträgen überladen werden", sagt Arneth.

David Kiesel besucht die 5d am Jack-Steinberger Gymnasium. Der elfjährige Schüler sagt: "Es läuft ganz gut. Man kann sich die Zeit freier einteilen. Ich kann mal früher aufstehen oder auch länger schlafen. Man muss nicht mehr sechs Stunden am Stück arbeiten wie in der Schule."

Mit der Aufgabenmenge, die er zuhause bewältigt, und der Kommunikation über E-Mail ist er ganz zufrieden. Er berichtet aber auch von Probleme, die Mitschüler meist in schülerinternen Whatsapp-Gruppen diskutieren: "Manche lesen die Mails der Lehrer nicht gründlich und wissen dann nicht, bis wann sie Arbeitsaufträge erledigen sollen. Es gibt dann ein ewiges Hin- und Her. Meist haben wir zwei bis drei Tage Zeit, um Aufgaben zu machen."

Mehrere Eltern älterer Schüler anderer Schulen erzählen aber auch, dass ihre Kinder von morgens bis spätabends Aufgaben bearbeiten. Sogar von Sportvideos, die die Schüler aufnehmen und an ihre Lehrer schicken, berichtet eine Mutter.

Reaktionen auf Schulschließung

Über die Schulschließung sagt der Fünfklässler David Kiesel: "Das war eine gute Nachricht! Da haben sich alle gefreut!" Dass es zu Schulschließungen kommen würde, sei absehbar gewesen, meint Arneth. "Bei Schülern und Lehrern gab es keine Panik, keine Angst", sagt der Bad Kissinger Schulleiter. "Aber dann kam bei den Schülern das Bewusstsein, da kommt etwas näher, das sie bisher nur aus den Medien kannten!"

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