Bad Kissingen

So schmeckt das Heilwasser

Zum "Tasting" in die Wandelhalle: Jeden ersten Mittwoch im Monat gibt es eine Probierstunde sowohl für interessierte Einwohner Bad Kissingens und der Region als auch für Gäste der Kurstadt.
Sabine Schmidt, Gesundheitslotsin der Staatsbad GmbH, erklärt ihren Gästen Gisbert Jutz (links) sowie Gertrud und Dietmar Feist die Wirkung der Heilwasser  Fotos: Sigismund von Dobschütz
Sabine Schmidt, Gesundheitslotsin der Staatsbad GmbH, erklärt ihren Gästen Gisbert Jutz (links) sowie Gertrud und Dietmar Feist die Wirkung der Heilwasser Fotos: Sigismund von Dobschütz

Maxbrunnen, Rakoczy und Pandur sowie Luitpold alt: Dies sind die vier Heilwasser, denen das bayerische Staatsbad Bad Kissingen aus vergangenen Jahrhunderten bis heute seinen Ruf als "bekanntester Kurort Deutschlands" verdankt. Im 20. Jahrhundert wurde die Balneologie, also die über Jahrhunderte bewährte Wasserheilkunde, durch die moderne Schulmedizin mehr und mehr aus dem Bewusstsein unserer Gesellschaft verdrängt. Diese Entwicklung in bescheidenem Maß wieder umzukehren, hat sich jetzt die Staatsbad GmbH erneut vorgenommen: An jedem ersten Mittwoch eines Monats gibt es um 14.30 Uhr ein "Heilwasser-Tasting", also eine Probierstunde sowohl für interessierte Einwohner Bad Kissingens und der Region als auch für Gäste der Kurstadt, in der Gesundheitslotsin Sabine Schmidt (30) und erfahrene Brunnenfrauen der Staatsbad GmbH bei einer Verkostung aller vier Heilwasser über deren Anwendung und deren bis heute ungebrochene Wirksamkeit informieren.

Blick in die Geschichte

Sechs Teilnehmer waren am vergangenen Mittwoch zur Premiere gekommen - teils Einwohner, teils Gäste. "Wir wohnen seit zwei Jahren in Bad Kissingen ", erzählen Gertrud und Dietmar Feist. Die beiden Pensionäre waren zeitlebens sportlich aktiv. "Die Heilwasser sind gut für die Gesundheit", weiß Gertrud Feist, "und wir wollen doch gesund bleiben". Doch bevor es zur Verkostung an die Ausgabestellen geht, erzählt Gesundheitslotsin Schmidt zunächst aus der Geschichte der ersten, 1842 von Friedrich von Gärtner erbauten gusseisernen Brunnenhalle. Diese sei schon 1910 abgerissen worden, um der jetzigen, von Max Littmann in Stahlbetonbauweise errichteten "größten Wandelhalle Europas" Platz zu machen. Alle vier trinkbaren Heilwasser werden hier allmorgendlich von 7 bis 9 Uhr sowie montags bis samstags auch nachmittags von 16 bis 18 Uhr ausgeschenkt.

Vor dem Verkosten des ersten Wassers machte Schmidt die Gäste darauf aufmerksam, dass Heilwasser kein Tafelwasser ist, sondern ein in begrenzter Dosis auf nüchternen Magen zu trinkendes Arzneimittel, das entweder präventiv oder eben im Krankheitsfall helfen kann. "Heilwasser fällt unter das Arzneimittelgesetz und unterliegt strengen Prüfungen", betont Schmidt dessen Wertigkeit. Neben den vier Heilwassern bietet Bad Kissingen zusätzlich das auf Basis des Rakoczy-Wassers unter Zusatz von Magnesium- und Natriumsulfat hergestellte Bitterwasser an. Schmidt: "Das gilt aber nicht als Heilwasser, sondern ist wegen seiner Zutaten ein Abführmittel ."

Das Wasser des Maxbrunnens, des ältesten Kissinger Brunnens aus dem Jahr 1520, schmeckt milder als die anderen, merken die Tester sofort. "Nicht schlecht", urteilt Gisbert Jutz aus Wuppertal. Er wohnt zuhause nahe einem Heilwasserbrunnen und kennt sich im Thema aus. "Es gibt geschmacklich Schlimmere." Dietmar Feist hat der Gesundheitslotsin aufmerksam zugehört: "Das Maxwasser ist gut für Sportler." Wer aktiv ist und schwitzt, verliert dabei lebenswichtige Mineralstoffe, die man durch Heilwasser mit viel Magnesium und Natrium wie dem Maxwasser dem Körper wieder zuführen kann. Aber das Rakoczy hat mir am besten geschmeckt - irgendwie mineralischer." Ehefrau Gertrud war von keinem der vier Wasser angetan. "Aber ich trinke sie, weil sie wegen ihrer Mineralstoffe gesund sind." Dass die Bad Kissinger Heilwasser keineswegs "von gestern", sondern ein wirksames Nahrungsergänzungsmittel sind, zeigt die Gesundheitslotsin an einem modernen Beispiel: "Veganer trinken keine Milch, was zu Calciummangel führen kann." Diesen Mangel kann man mit Rakoczy, Pandur oder Maxwasser ausgleichen.

Mit einem süßen Ausgleich gegen den herben Geschmack der Heilwasser-Proben überraschte Sabine Schmidt ihre Gäste am Ende dieser ersten Probierstunde: Jeder Teilnehmer bekam eine von Pralinen Troll nach neuer Rezeptur aus Spuren von Rakoczy, Pandur und Max hergestellte Heilwasser-Praline.

Heilwasser-Tasting: Jeden ersten Mittwoch im Monat;

Uhrzeit: 14.30 Uhr;

Gebühr pro Person: 9,90 Euro pro Person inkl. vier Heilwasserproben, Trinkglas und Heilwasser-Praline; Anmeldung erforderlich.

Tickets und Info: Tourist.Info Arkadenbau, Tel.: 0971/ 8048444

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