LKR Bad Kissingen

So wirbt der Landkreis Bad Kissingen um Fachkräfte

Vor allem ländliche Regionen tun sich schwer, gut ausgebildete Menschen zurück in die Heimat zu bringen. Was fehlt den jungen Menschen hier, was wird ihnen geboten? Die Redaktion hat darüber mit Jürgen Metz vom Landratsamt gesprochen und mit drei Schulabgängern, die bald das Studium beenden werden.
Sven Schröter (Gerryland) und Landrat Thomas Bold präsentierten 2019 die neuen Plakat-Motive der Standortkampagne. Foto: Archiv/ Lena Pfister       -  Sven Schröter (Gerryland) und Landrat Thomas Bold präsentierten 2019 die neuen Plakat-Motive der Standortkampagne. Foto: Archiv/ Lena Pfister
| Sven Schröter (Gerryland) und Landrat Thomas Bold präsentierten 2019 die neuen Plakat-Motive der Standortkampagne. Foto: Archiv/ Lena Pfister

Fachkräftemangel ist überall ein Thema. Daher steht auch Bad Kissingen in Konkurrenz mit anderen Regionen: Es muss attraktiv genug sein, dass es junge Leute nach Ausbildung und Studium wieder in die Heimat zieht. Und möglicherweise auch Auswärtige die Vorteile der Region erkennen.

Fachkräfte fehlten beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Pflege und im Baugewerbe , sagt Jürgen Metz. Er ist die Abteilungsleitung für Kreisangelegenheiten im Landratsamt. Für diese Berufsgruppen gebe es Programme, die die Auszubildenden in die Region ziehen sollen. Als Beispiel nennt Metz "Ausbildung mit Wert". Dabei handelt es sich um ein regionales Gütesiegel. Es wird vergeben, wenn ein Ausbildungsbetrieb verschiedene Kriterien einhält.

Standortkampagne

Ein Projekt des Landkreises, um mehr Menschen nach in die Region um Bad Kissingen zu holen, ist die Standortkampagne. Sie startete im November 2017. Dafür hingen Plakate in München, Berlin, Frankfurt, Erfurt und Fulda. Auf denen waren Texte zu lesen, wie: "Geile Stadt . Aber ein bisschen mehr Platz wäre gut. Geht's auch besser? - Hier geht's besser. www.bad-kissingen.land ". Außerdem schaltete der Landkreis vereinzelt Radiospots und Kinoclips.

Zum Thema des Platzes macht sich Justus Tillmann Gedanken. Er ist gerade im Dualen Studium des Maschinenbaus . Generell hat er vor, wieder in die Heimat zurückzukehren, aber: "Mich treibt die Frage des Wohnungsbaus um. Wo geht man hin, dass man genug Platz hat - für private Interessen und für die Kinder zum Spielen. Aber trotzdem eine Nähe hat zur Infrastruktur: Also Einkaufen, Ärzte, Schulen?"

Genügend Kulturangebote?

Janina Schopf hat im Februar ihr Studium der Sozialen Arbeit in Esslingen bei Stuttgart beendet: "Ich denke nicht darüber nach, wieder in die Region zu kommen." Das liege zum einen an den beruflichen Auswahlmöglichkeiten. Dazu kommt: "Man kann hier in einfach sein Leben spontan und flexibel gestalten, weil die Strukturen dafür ausgelegt sind, dafür da sind."

Ausgenommen von Corona gebe es in ihrer Wahl-Heimat in Esslingen "wahnsinnig tolle Freizeitangebote und Kulturveranstaltungen", sagt sie. "Das würde ich in den nächsten Jahren als Ausgleich zu meiner emotional anstrengenden Arbeit nicht missen wollen." Aus ihrer Sicht brauche Bad Kissingen "definitiv mehr Kulturangebote."

Jürgen Metz vom Landratsamt schätzt das Kulturelle Angebot im Landkreis als gut ein. "Es ist durchaus so, dass junge Leute sich in Theatergruppen oder Musikkapellen engagieren." Es gebe das Rakoczy-Fest , Lutzi oder die Musikinitiative Hammelburg. "Wir haben kulturell schon was zu bieten, was junge Menschen anspricht", sagt er.

Förderung des Nachtlebens schwierig

Zu Kultur gehört auch das Nachtleben: Mit einem Club im ganzen Landkreis zählt Bad Kissingen zumindest nicht zu den Vorreitern. Dazu kommt das Kneipensterben, das sich durch Corona weiter verschlimmert. "Wir müssen erst mal abwarten, wo wir am nach Corona landen und wo wir ein Stück weit Unterstützung vermitteln können", sagt Jürgen Metz. "Als Landkreis haben wir das Verbot einer direkten Wirtschaftsförderung. Wir können höchstens Förderhilfen des Staates vermitteln."

Naht der Ausbau des ÖPNV?

Auch der ÖPNV ist ein Thema: Vivien Vorndran merkt an: "Ein wenig fehlt mir die Anbindung an die nächstgrößeren Städte ." An ihrem Studienort sei sie es gewohnt, sehr schnell via Busverbindung von einem Ort zum nächsten zu kommen. "Leider hat sich die Anbindung von meinem Heimatort an die Städte Bad Kissingen beziehungsweise Bad Neustadt immer noch nicht stark verbessert."

Auch Justus Tillmann thematisiert den Nahverkehr : Er schlägt für Freitag und Samstagabend eine Ausweitung auf 22 und 24 Uhr vor. Dazu passend ist die Überlegung, ob nicht ein Disko-Shuttle möglich wäre - nach Corona. "Es gab mal den Diskobus", sagt Jürgen Metz, "der eingestellt wurde, weil er nicht genutzt wurde."

Zum ÖPNV sagt er: "Wir sind gerade dabei, in einem langwierigen Prozess die Fortschreibung des Nahverkehrsplans zu machen." Dabei soll es einen Ein- bis Zwei-Stundentakt geben, neue Bedienzeiten und mehr Rufbusse. Ziel ist die Einführung bis Mitte 2021. "Wir sind gerade dabei, das zu planen, um es dem Kreistag vorzulegen."

Freizeitbuslinien laufen gut

Was gut laufe, seien die Freizeitbuslinien. Zudem gebe es derzeit das Projekt, den Verkehrsbund Mainfranken aufzustellen. Das heißt: Von Mellrichstadt bis Würzburg sollen alle Regionen in einem Verkehrsbund sein. Bis 2022 soll der Verkehrsbund stehen.

Was den digitalen Ausbau angeht, hat das Landratsamt zu Beginn des Jahres die Stelle Breitband und Mobilfunk geschaffen. Das Ziel seien Glasfaser bis zum Haus. Die Anträge seien gestellt. "Der limitierende Faktor sind die Kapazitäten im Tiefbau." Denn die Firmen, die die Kabel verlegen, seien ausgebucht,. Dennoch: 80 Prozent der Haushalte im Landkreis empfangen 100 Mbit/s.

In Sachen Krippenplätze schätzt Metz: "Ich glaube, dass wir da gut aufgestellt sind. In Bad Kissingen ist zwar noch Bedarf, aber da wird gerade noch nachgeschärft." Im Vergleich zu Ballungszentren sei die Lage hier gut.

Jobmöglichkeiten aufzeigen

Ein wichtiger Aspekt, Fachkräfte zu gewinnen ist: Ihnen die beruflichen Möglichkeiten im Landkreis zu präsentieren. Vivien Vorndran sagt: "Im Rahmen der beruflichen Orientierung in den Abschlussklassen wäre es meiner Meinung nach eine gute Initiative, wenn sich vor allem auch die regionalen Unternehmen mit ihren Ausbildungsberufen und Dualen Studienmöglichkeiten vorstellen würden."

Als sie sich in der Entscheidungsphase befunden habe, sei ihr nicht genau bewusst gewesen, welche Möglichkeiten der Heimatlandkreis bietet. Ein genaueres Wissen darüber würde den Landkreis für junge Menschen bestimmt attraktiver machen.

Dazu gab es von Juni bis Oktober 2018 die Aktion Jobblogger, bei dem zwei junge Menschen aus dem Landkreis in 20 Wochen in 20 Jobs schnupperten. Damit sollen den Jugendlichen die Vielfalt an Jobmöglichkeiten in der Region aufzeigen. Das spielten sie auf Facebook , Instagram und in einem Blog aus. "Das hatte sehr positive Resonanz gegeben", sagt Metz.

Hier verlinkt finden Sie Infos zur Standortkampagne , zur Landingpage des Landkreises: Sie zeigt auf einer Karte freie Arbeitsstellen , Immobilien und Flächen, sowie Freizeit- und Bildungsangebote und Gesundheitseinrichtungen, sowie den Facebook - und Instagram -Auftritt des Landratsamtes.

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