Hammelburg

Spatz als Zeichen der Dankbarkeit

Weil zwei Bekannte im Koma lagen, betete Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher zur schwangeren Madonna an der Saale. Weil es ihnen besser geht, löst er nun ein Versprechen ein.
Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher zeigt einen Plan der Schale mit Spatz darauf, die er vor der schwangeren Madonna an der neuen Saale-Brücke aufstellen lassen will. Foto: Ralf Ruppert       -  Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher zeigt einen Plan der Schale mit Spatz darauf, die er vor der schwangeren Madonna an der neuen Saale-Brücke aufstellen lassen will. Foto: Ralf Ruppert
| Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher zeigt einen Plan der Schale mit Spatz darauf, die er vor der schwangeren Madonna an der neuen Saale-Brücke aufstellen lassen will. Foto: Ralf Ruppert

Die Statue der schwangeren Madonna an der Saalebrücke in den Bleichwiesen gehört zu den Lieblingsplätzen von Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher . "Ich habe mich schon lange in diese Madonna verliebt", sagt der 55-Jährige lachend. Deshalb sei es auch kein Zufall, dass er im Frühjahr angesichts der schweren Covid-19-Erkrankung von zwei Bekannten dort nicht nur betete, sondern ein Versprechen abgab: "Wenn die beiden wieder gesund werden, wollte ich jeden Tag Blumen vorbei bringen." Das mit den Blumen hat sich als undurchführbar herausgestellt, Pfarrer Eschenbacher löst das Versprechen aber anders ein.

Mitten in der ersten Welle erlebte Thomas Eschenbacher hautnah, wie gefährlich Corona sein kann: Zum einen sei eine Familie im engsten Freundeskreis betroffen gewesen. Der Vater habe über Wochen im Koma gelegen, die Ärzte befürchteten das Schlimmste. Personalien nennt der Stadtpfarrer keine. Die Lage sei dramatisch gewesen, er habe mit der Ehefrau sogar bereits über eine mögliche Beerdigung des Familienvaters gesprochen.

Ein ähnlich schwerer Covid-19-Fall habe sich in seinem FC-Nürnberg-Fanclub ereignet: Eschenbacher ist ein echter "Clubberer". Mit dem Verein und dem Fanclub verbinde ihn eine "große Leidenschaft", berichtet der Pfarrer . Umso erschrockener sei er über die Nachricht der schweren Erkrankung eines Mitglieds gewesen.

Keine Bittprozessionen möglich

Beide Fälle wendeten sich fast zeitgleich zum Guten, beide Covid-19-Patienten überlebten. "Ich habe mit beiden schon gesprochen: Sie sind zwar noch längst nicht dort, wo sie vorher waren, aber es geht ihnen gut", ist Eschenbacher erleichtert. Natürlich sei ihm rational klar, dass die Genesung seiner beiden Bekannten nicht direkt auf seine Gebete und sein Versprechen zurück zu führen sei, trotzdem halte er daran fest: "Maria ist die Mutter der guten Hoffnung, und wir brauchen doch aktuell alle Zeichen der Hoffnung", betont Thomas Eschenbacher , der seit knapp sieben Jahren Stadtpfarrer in Hammelburg ist.

Nach Eschenbachers Meinung ist die Corona-Pandemie besonders vertrakt: "Eigentlich wären jetzt Bitt-Prozessionen angesagt, aber gerade jetzt ist die Gemeinschaft der Gläubigen nicht möglich", sagt der Pfarrer . Also will er auf eigene Kosten ein Zeichen setzen. "Zum einen geht es mir um die Erinnerung daran, dass nichts im Leben selbstverständlich ist", sagt der 55-Jährige, und: "Ich will auch allen Mut machen."

Wie geht das? Thomas Eschenbacher hat sich intensiv Gedanken gemacht, was er statt der täglichen Blumengabe machen könnte. Mit dem Fuchsstädter Künstler Ralph Hartan entwickelte er die Idee einer Schale aus Muschelkalk, in der immergrüne Mauerwurzeln gepflanzt werden und die mit einem Spatz aus Sandstein verziert wird. "Wir greifen damit die Materialien auf, die hier bereits verwendet wurden", erzählt Eschenbacher. Die Gestaltung sei bereits mit der Stadt und den zuständigen Behörden abgestimmt worden: Die Schale mit einem Durchmesser von rund 40 Zentimetern soll vor der schwangeren Madonna aufgestellt werden.

"Der Spatz schaut nach oben zur Madonna und symbolisiert die Hoffnung", sagt Eschenbacher und verweist auf das Matthäus-Evangelium . Dort heißt es: "Fürchtet euch nicht (...): Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Schwarm Spatzen!" Symbolträchtig sei auch der Ort vor der Madonna: "An diesem Knotenpunkt kommen jeden Tag viele tausend Menschen vorbei." Er selbst gehe oft dort spazieren, und selbst wenn er mit dem Auto vorbei fahre, sei er ergriffen: "Hier steht die Madonna goldrichtig", kommentiert er den Standort an der neuen Saale-Brücke, und: "Sie ist versonnen und in sich gekehrt, mit Blick auf die Stadt denkt sie nach." Deshalb wählte der Stadtpfarrer ein Foto von der schwangeren Madonna auch schon vor längerem als Motiv für das gedruckte Angelusgebet aus. Die Madonna sei auch eine der Stationen bei der jährlichen Wallfahrt ins Steinthal jeden ersten Sonntag im Mai.

Aufstellen lassen will der Stadtpfarrer die Schale nach Möglichkeit noch vor Weihnachten. Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ) informierte bereits den Stadtrat . In der Werkstatt des Künstlers habe sich bereits einiges getan. Einen genauen Termin gebe es aber noch nicht. Und wenn sie steht und es einem der Bekannten besser gehe, sei klar: "Ich will mit ihm und seiner Familie irgendwann mal ganz alleine an diesen besonderen Ort kommen."

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