Bad Bocklet

Sport mal anders

Seit gut fünf Jahrzehnten besteht die Minigolf-Anlage im Kurgarten Bad Bocklet. Mittlerweile ist sie die einzige der Region.
Diese Kugel wurde 1999 zum zehnjährigen Jubiläum des Bad Bockleter Minigolfclubs herausgegeben. Schon bald steht das nächste Jubiläum an. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Diese Kugel wurde 1999 zum zehnjährigen Jubiläum des Bad Bockleter Minigolfclubs herausgegeben. Schon bald steht das nächste Jubiläum an. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Bahn 18. Konzentriert steht Marcel Hönicke da. Den Oberkörper hält er leicht vornübergebeugt. Sein Blick ist auf den Ball gerichtet. Hönickes rechte Hand umschließt den Griff des Schlägers, nur der Zeigefinger ist ausgestreckt. Die linke Hand unterstützt etwas tiefer positioniert, unterhalb vom Griff. Sieht seltsam aus, ist aber effektiv: Ein kurzes Ausholen genügt und schon ist der Ball im Netz. Der normale "einmal im Jahr"- Minigolfer braucht dafür zahlreiche Versuche, die mehr oder weniger gelingen. Die Profis hingegen nicht. "Das ist eine unserer leichtesten Bahnen", sagt Marcel Hönicke. Sein Bruder Marco bestätigt das.


Bald dreißigjähriges Jubiläum

Der steht an der Bahn nebenan und braucht ebenfalls nur einen Schlag, um seinen Ball ins Ziel zu bringen. So, als wäre es das Normalste auf der Welt. "Wenn man regelmäßig Minigolf spielt, entwickelt sich mit der Zeit das Ballgefühl", ist er überzeugt. Die beiden Hönicke-Brüder sind schon seit ihrer Jugend auf dem Minigolfplatz in Bad Bocklet aktiv, engagieren sich außerdem schon viele Jahre im Vorstand des dazugehörigen Vereins. Miniatur-Golf Club (MGC) Stahlquelle 1898 lautet sein richtiger Name. Wie zum Beweis hält Marcel Hönicke einen blauen Ball mit Logo in die Kamera. "Diesen gab es zum zehnjährigen Jubiläum. Bald feiern wir das Nächste. Da wird es auch wieder einen geben", sagt er. Seine Frau Jeanette ergänzt: "Mein Opa hat den Verein damals mitgegründet. Er war jahrelang der Platzwart." Heute ist sie die erste Vorsitzende des MGC, hat diese Aufgabe 2014 übernommen. "Ich bin hier auf dem Minigolfplatz aufgewachsen. Da hängt mein Herzblut dran", erklärt sie, weshalb sie sich so enorm engagiert. Schließlich hängt an dem Vorsitz mehr dran, als es der erste Blick vermuten lässt.


Nicht alles ehrenamtlich machbar

2014 hat der Verein den Betrieb des Minigolf-Platzes als Pächter übernommen. "Aber alles ehrenamtlich zu machen, das geht nicht", fügt die 33-Jährige hinzu, die auch zweifache Mutter ist. Zur Unterstützung wurden zwei Minijobberinnen eingestellt, die den Minigolfplatz tagsüber bewirtschaften: Sie reinigen die Bahnen mit dem Laubbläser, kümmern sich um die Ausleihe der Schläger, bereiten kleine Speisen zu, und, und, und. "Auch wir übernehmen Schichten, und kümmern uns um den Rest, unter anderem um die Bestellungen, die Buchhaltung, die Platzpflege", sagt Jeanette Humbeck-Hönecke. Letztere ist besonders wichtig. Schließlich wurden die 18 Bahnen erst 2014 vom Verein saniert. Deshalb dürfen darauf auch vom deutschen Minigolfverband lizenzierte Turniere ausgetragen werden. "Denn Minigolf ist ein richtiger Sport", sagt Marco Hönicke.


Meisterschaften wie im Fußball

"Es gibt wie im Fußball verschiedene Ligen, eine Bundesliga und auch Champions-League-Spiele", fügt er hinzu.
Zwar spielen sie nicht ganz so hochklassig, dennoch trainieren die Bad Bockleter Minigolfer jeden Montag. 58 Mitglieder gehören dem Verein MGC Stahlquelle 1989 aktuell an. Etwa 15 davon sind Kinder und Jugendliche. "Ab einem Alter von etwa acht Jahren macht das Sinn", empfiehlt Marco Hönicke. Weitere rund 20 erwachsene Spieler trainieren regelmäßig und nehmen auch an Turnieren teil.

Uwe Ziegler aus Bad Brückenau ist einer von ihnen, bereitet sich soeben auf seine montägliche Trainingseinheit vor. "Minigolf spielt man miteinander und nicht gegeneinander", nennt er einen Vorteil dieser Sportart. "Und man verletzt sich nicht dabei", fügt sein Trainingspartner Sebastian Rübner aus Steinach hinzu. Dennoch halten die beiden Minigolf für eine anspruchsvolle Sportart. "Man braucht hohe Konzentration und Ballbeherrschung. Und man lernt nie aus", sagt Ziegler. Rübner ergänzt: "Nach einem Turnier mit vier Runden biste abends auch platt."

Beruhigend ist: Auch bei den Profis, die mit eigenen Schlägern und Bällen spielen, sitzt nicht jeder Schlag. Diese Erfahrung macht soeben Marco Hönicke. Seine Glaskugel verfehlt ganz knapp den Durchlass. Dabei hält er mit seinen 19 Schlägen den Bahnrekord der Bad Bockleter Anlage. "Er hat das sogar mehrmals geschafft", sagt sein Bruder. Der holt sich soeben einen Ball aus dem Koffer, in dem mehr als 60 sitzen. "Für jede Bahn ist ein anderer Ball erforderlich. Zudem kommt es darauf an, ob es warm oder kalt oder leicht feucht ist", erklärt der 36-Jährige. Wieder konzentriert er sich, hält den Oberkörper leicht vornübergebeugt und holt aus. Wieder ist der Ball im Netz.

Der Minigolfplatz in Bad Bocklet ist in der Hauptsaison von 11 bis 21 Uhr geöffnet, am Wochenende schon ab 10 Uhr. Donnerstags ist Familientag, da zahlen jene nur den halben Eintritt. Am 12. September, wenn die Schule wieder anfängt, beginnt die Nebensaison auf dem Platz. Dann können Minigolfer bis 31. Oktober täglich zwischen 11 und 19 Uhr spielen. Von November bis Ende März ist die Minigolfanlage geschlossen. Eine weitere gibt es in Bad Brückenau, allerdings ohne Verein. Die beiden Bad Kissinger Minigolfplätze sind nicht mehr in Betrieb. kkh

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