Karlstadt

Stadtmauer für zehn Jahre Steuerfreiheit

Um das Jahr 1200 wurde Karlstadt unter dem Bischof Konrad von Querfurt gegründet und bekam wenige Jahre später einen Befestigungsring. Schon 1236 bei der Rienecker Fehde hielt dieser stand.
So sah Karlstadt mit der großen Stadtmauer am Main um 1900 aus. Das Bild ist aus der Sammlung Rudi Kalb. Repro: Alfred Dill       -  So sah Karlstadt mit der großen Stadtmauer am Main um 1900 aus. Das Bild ist aus der Sammlung Rudi Kalb. Repro: Alfred Dill
| So sah Karlstadt mit der großen Stadtmauer am Main um 1900 aus. Das Bild ist aus der Sammlung Rudi Kalb. Repro: Alfred Dill

Die Gründung der Stadt Karlstadt durch den Würzburger Bischof Konrad von Querfurt (1198-1202) um das Jahr 1200 bildete im Zusammenwirken mit der Höhenburg jenseits des Maines einen wichtigen Stützpunkt des fürstbischöflichen Gebietes bei der Sicherung der nördlichen Grenzen. Der Baugrund für die zukünftige Stadt wurde aus dem Gebiet des frühfränkischen Zentralortes Karlburg ausgegliedert.

Als Bebauungsfläche diente das relativ ebene Gelände gegenüber der Karlsburg. Das Flussufer bildet den westlichen Abschluss des Stadtmauerrings, der sich in einem etwas flachen Halbkreis nach Osten ausgreifend um das Stadtgelände zieht.

Das Anlegen der planmäßigen Gründungsstadt war um das Jahr 1200 ein bautechnisches Großunternehmen. Die von Norden nach Süden verlaufende Hauptstraße und die vom Main nach Osten ziehende Maingasse/Alte Bahnhofstraße treffen sich am Marktplatz und unterteilen die Stadt in vier Viertel. Eine Grundfläche von knapp 12,5 Hektar lies Karlstadt von Anfang an zu den größeren Städten des Hochstifts zählen.

Die Funktion der sich im Aufbau befindlichen und von wehrfähigen Bürgern besetzten und befestigten Stadt ist aus einer Urkunde des Bischofs Otto von Lobdeburg (1207-1223) von 1219 ersichtlich. Darin versprach der übernächste Nachfolger des Stadtgründers Konrad von Querfurt den gegenwärtigen und zukünftigen Bewohnern auf zehn Jahre Befreiung von allen Steuern und Abgaben. Dafür mussten sie aber die Stadt innerhalb von sechs Jahren mit einer zweckmäßigen Mauer umgeben. In jedem Jahr sollte ein bestimmtes Stück davon aufgebaut werden.

Größte gemeinschaftliche Einzelbauaufgabe

Die Errichtung der etwa 1330 Meter langen und durchschnittlich fünf bis sechs Meter hohen Mauer stellte als bislang größte gemeinschaftliche Einzelbauaufgabe in der jungen Stadtgeschichte äußerste Anforderungen an Geld und Arbeitskräfte.

Der Ausbau war in weiten Bereichen um 1236 bereits so weit gefestigt, dass die junge Stadt der "Rienecker Fehde" standhielt. Bei der Fehde zwischen Würzburg und den Rieneckern wurde der Ort Karlburg im Maintal in Schutt und Asche gelegt. Jedoch fehlen Hinweise dafür, dass im Laufe der Auseinandersetzung auch die Karlsburg auf dem Bergsporn über Mühlbach eingeäschert wurde.

Die um 1200 entstandene Hohe Kemenate (Hauptstraße 56) in der Nähe des Oberen Torturmes legt die Funktion eines Ministerialensitzes nahe. Hier waren, wie in anderen Städten auch, bischöfliche Dienstmannen zur Verstärkung der Wehrhaftigkeit angesiedelt. Die Verwaltung dieser Zeit ist im Nordteil der unter Julius Echter erweiterten Amtskellerei zu suchen.

Der ehemalige Buelinshof, ein romanisch-frühgotischer Wohnturm mit Saalgeschoss, einem einzigen durchgehenden Raum mit Kamin im oberen Stockwerk, beherbergt seit 1918 die Polizeiinspektion. Das Gebäude gehört neben der Hohen Kemenate, zur ältesten Bausubstanz der Stadt .

Bau begann mit der Mauer an der Ostseite

Zunächst wurde die Ostseite der Stadtmauer zum freien Feld hin mit einer starken Mauer in der Höhe von fünf bis sechs Metern umgeben, deren älteste Teile noch aus dem 13. Jahrhundert stammen dürften. Dort musste durch den der Stadtmauer vorgebauten Zwingergraben ein stärkerer Schutz der Stadtbewohner gewährleistet werden.

Von den Zwingertürmen haben sich in der Jahnanlage noch zwei dreiviertelrunde, zur Stadt hin offene, Turmreste mit Maulscharten erhalten. Das Bruchsteinmauerwerk hierfür entstand im 15. und 16.Jahrhundert. Ein relativ flacher Stadtgraben schloss sich an, der im flussnahen Bereich mit Wasser gefüllt gewesen sein mag. Ein Ring von Gärten grenzte außerhalb des Stadtgrabens den engeren Stadtbereich ab. Die westliche Stadtseite war durch den Main einigermaßen geschützt, die Stadtmauer zum Main hin stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert und verfügte über eine Höhe von sieben bis acht Metern.

Bauwelle

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging eine Bauwelle durch die Stadt , wie die vielen Jahreszahlen an den Häusern zeigen. Das Material mochte zum Teil aus der im Bauernkrieg 1525 zerstörten und nunmehr endgültig aufgelassenen Karlsburg stammen. Mit deren Wegfall als Festung war der Bischof bestrebt, Karlstadt stärker zu sichern.

Anno 1549 ließ Bischof Melchior Zobel vor den Oberen Stadtturm einen Torbau südlich des Grabens stellen, der im Kriegsfall den Zugang von Würzburg her erschweren sollte. Dieses Torhaus auf der äußeren Grabenseite war durch eine hölzerne Brücke mit dem bündig in die Stadtmauer gesetzten Stadtturm verbunden. Bei Gefahr konnte das innere Brückenteil hochgezogen und der Stadteingang mit einem Fallgitter und vier starken Torflügeln verschlossen werden.

Fallbrücke

Die Karlstadter wollten das östlich der Stadtmauer gelegene und 1673 eingeweihte Kapuzinerkloster (heute Stadtverwaltung ) gut erreichen. Die Stadtmauer wurde durchbrochen und mit einem sogenannten "Schneller" ab 1684 die direkte Verbindung zwischen Stadt und Kloster hergestellt. Der Schneller war eine Fallbrücke über den Stadtgraben hinweg, die im aufgezogenen Zustand die Toreinfahrt verschloss. Wegen Baufälligkeit wurde das Schnellertorhaus 1852 eingelegt.

Im Oktober 1854 wurde der Betrieb der Eisenbahn aufgenommen und der Bahnhof errichtet. Dadurch war die Verbindung zum Kapuzinerkloster abgeschnitten. Man durchbrach deshalb dort die Stadtmauer straßenbreit und führte den Zugang zur Bahnstation um die Brauerei Siligmüller herum. Den Weg zum Kapuzinerkloster und in die Felder östlich der Stadt ermöglichte die "Klosterschranke", die 1961 geschlossen wurde und aus der "Schnellergasse" wurde die Bahnhofstraße.

Entlang der östlichen Stadtmauer waren einst vier rechteckige, nach hinten offene Schalentürme. Ein Einziger hat sich als " Turm am Nürnberger Hof" in dieser Form bis heute erhalten.

Im Jahr 1880 erfolgte am östlichen Ende der "Büttnergasse" ein Mauerdurchbruch, dabei wurde der Wehrturm eingelegt und ein bereits bestehender Durchlass erweitert. Die Brauerfamilie Siligmüller trat Teile des Stadtgrabens ab, die über einen Fahrdamm nunmehr bis zum Bahnhof verlängert werden konnte. Aus der "Büttnergasse" wurde die Neue Bahnhofstraße, aus der "Schnellergasse" die Alte Bahnhofstraße.

Mit Auflösung des Fürstbistums Würzburg und dem Übergang des Landgerichts Karlstadt an Bayern um 1814 wurden baufällig gewordene Teile nicht mehr erneuert und die Stadtmauer stückweise abgebrochen.

Im Dezember 1819 erwarb der Bierbrauer Franz Siligmüller das Gelände an der Nordostseite der Stadt . Die Mauerkrone der Stadtmauer wurde eingelegt. Mit der Anlage von Bierkellern im Stadtgraben begründete Siligmüller die Braugeschichte der Frankenbräu. Dort befindet sich heute die Tiefgarage II mit der darüber liegenden Geschäfts- und Ladenzeile "Am Schnellertor".

Um für die angrenzenden Häuschen Licht und Luft zu schaffen, wurde beim Bau der Mainbrücke um 1880 die Stadtmauer zwischen Katzenturm und Mühlturm teilweise abgebrochen. Dabei verschwand auch der Dicke Turm im südwestlichen Zwingerbereich. Die Stadtmauer zwischen dem Postamt in der Büttnergasse und der Unteren Hauptstraße wurde um 1900 niedergerissen. Heute stehen noch das Obere Tor, der Katzenturm, der Mühlturm - heute Brückenturm, der Maintorturm, der Rote Turm sowie der Mauerturm am Nürnberger Hof und die zwei Zwingertürme in der Jahnanlage. Insgesamt erstreckte sich der Stadtmauerring über eine Gesamtlänge von 1330 Metern. Davon sind etwa 82 Prozent in äußerlich gutem Zustand bis heute erhalten geblieben.

von Georg Büttner (Kreisheimatpfleger für den Altlandkreis Karlstadt )

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