HAMMELBURG

Stadtrat will das Gedenken breiter aufstellen

Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Mitbürger, die der Nazi-Herrschaft zum Opfer fielen, wird es in Hammelburg zunächst nicht geben. Der Stadtrat sprach sich gegen eine Initiative des Arbeitskreises Hammelburger Geschichte aus, vor den einstigen Häusern der Holocaust-Opfer Steine mit Namensgravur einzulassen.

Bürgermeister Ernst Stross und verschiedene Stadträte sprachen sich dafür aus, mit dem Arbeitskreis und anderen Geschichtsexperten noch einmal gemeinsam nach Formen des Gedenkens zu suchen. Ziel soll sein, das Erinnern breiter aufzustellen und damit auch den Widerstand und die Zivilcourage politisch Verfolgter in der Region zu würdigen.

Von Arbeitskreis-Sprecher Hermann Bock und Petra Kaupp-Clement nahm Stross ein Gedenkbuch entgegen, das 95 Namen von Opfern des Nationalsozialismus aus Hammelburg, Untererthal und Westheim enthält. Sie stammen aus den Online-Archiven der Gedenkstätte Yad Vashem und dem Bundesarchiv in Koblenz und sollen nach dem Wunsch des Arbeitskreises für jeden einsehbar in der Touristinformation ausliegen.

„Der Arbeitskreis Hammelburger Geschichte leistet bemerkenswertes“, sagte Stross. Er verwies aber auch auf weitere Initiativen, die das Vermächtnis jüdischer Mitbürger angemessen in Erinnerung bringen. Sie reichten von der Taufe des Samuel-Sichel-Platzes und der Einladung von Emigranten bis zur Herausgabe von Büchern. Über weitere Ansätze sollten sich alle Beteiligten verständigen.

Kritisch setzte sich Stross mit dem Wirken von Mit-Antragstellerin Petra-Kaup-Clement auseinander. Die Diskussion dürfe nicht mit „Provokationen, Beleidigungen und Verleumdungen“ geführt werden. Oft sei gar nicht klar, wann Kaupp-Clement für sich und wann für den Arbeitskreis Geschichte spreche.

In diesem Sinne äußerten sich auch verschiedene Stadtratsmitglieder. Nachdem manche jüdischen Kultusgemeinden Stolpersteine nicht für die richtige Gedenkform hielten, prüfe man andere Möglichkeiten. Darunter eine Aktualisierung der Gedenktafel im Rathaus.

Stolpersteine könnten heute den Eindruck erwecken, als ob Hausbewohner zu unrecht in den gekennzeichneten Häusern leben. Den Betrachtern fehle häufig der Transfer zum künftigen Umgang mit Minderheiten. Juden, die kein eigenes Haus hatten, würde das Gedenken mit den Stolpersteinen gar nicht zuteil.

„Der Arbeitskreis Hammelburger Geschichte leistet bemerkenswertes“

Für Stolpersteine plädierte dagegen Hermann Bock vom Arbeitskreis Hammelburger Geschichte. Sieben Paten für Steine habe man schon und einen Termin für die Verlegung vor der Dalbergstraße 55 und der Kissinger Straße 17 durch Künstler Günter Demnig (Köln) im September auch schon. Anders als eine Gedenktafel könnte die Stolperstein- Aktion immer weiter fortgeschrieben und dabei von privaten Unterstützern getragen werden. Jugendliche und Schulklassen könnten Paten werden und darüber hinaus eine Online-Präsenz Erklärungen liefern.

„Die Stadt hat keinen Zeitdruck“, sprach sich Bürgermeister Stross für einen ausführlichen Dialog zum Thema Gedenken aus. Sie müsse sich nicht von vorneherein nach dem Terminkalender eines Künstlers richten.

Die anwesenden Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte bekundeten Interesse an Gesprächen. „Ja, geht klar“, stimmte Hermann Bock zu. Petra Kaupp-Clement wies in einem Anruf in der Redaktion die Vorwürfe von Bürgermeister Ernst Stross gegen sich zurück.

Ernst Stross Bürgermeister von Hammelburg

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