Hammelburg

Statt Schultheatertage Hammelburger Online-Theater-Festival

Die Theatergruppe des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg produzierte aufwendig ein Märchentheater in Form einer Reality-Show. Jede Figur gibt seine Sichtweise wieder, gespickt mit aktuellen Gegebenheiten und schrägen Gedanken.
Ulrich Knüttel spielte im Video einen Zwergen-Spiegel. Foto: Eva-Maria Conrad       -  Ulrich Knüttel spielte im Video einen Zwergen-Spiegel. Foto: Eva-Maria Conrad
Ulrich Knüttel spielte im Video einen Zwergen-Spiegel. Foto: Eva-Maria Conrad

Hammelburg Auch Corona konnte die "FrobFrogs", die Theatergruppe des Frobenius-Gymnasium Hammelburg , nicht aufhalten. Statt der üblichen Aufführungen im Rahmen der "Bayerischen Schultheater-Tagen" schwang sich die rund 20-köpfige Gruppe vor die heimischen Kamera und produzierte aufwendig einen Beitrag für das "Online-Theater-Festival Spiel - Platz_2.0 der Landesarbeitsgemeinschaft Theater und Film an den bayerischen Schulen e.V. mit ihren dazugehörigen Mitgliedsverbänden.

Kreatives Umdenken

Am Festival beteiligten sich insgesamt 28 Gruppen quer durch Bayern. Eine Woche lang gibt es verschiedenste Beiträge, wie Musical-Trailer, Gedichtvorträge, Tänze, Puppentheater , Stop-Motions und andere Filmbeiträge zu bewundern. Das Team aus dem FGH produzierte ein Märchentheater in Form einer Reality-Show. Ursprünglich sollte das Stück, das seit Schuljahresbeginn geplant war, auf der Bühne aufgeführt werden. Doch Corona forderte die Mitglieder zu kreativem Umdenken. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Da gibt es zum Beispiel den bösen Wolf, der gar nicht böse war, sondern sich vegan ernährte und Mitglied bei Greenpeace war - sehr zum Ärger seines Vaters. Jede Märchenfigur gibt seine Sichtweise auf die Handlung des Märchens wider, gespickt mit aktuellen Gegebenheiten und schrägen Gedanken. Zum Schreien komisch, macht aber auch nachdenklich.

Das Stück bzw. die Darstellung der Figuren und den Text der Show hat jedes Theatermitglied mitentwickelt. Dann musste jeder Schauspieler seinen Part aufnehmen - vor einem einfarbigen, neutralen Hintergrund, damit dieser später themenbezogen bearbeitet werden konnte.

Das war einmal was ganz anderes für die Schüler : "Während des Lockdowns hatten wir eh' nicht viel zu tun", bemerkt Ulrich Knüttel zur neuen Herausforderungen. Trotzdem ist der Siebtklässler wie viele seiner Mitstreiter der Meinung: "Live-Theater macht viel mehr Spaß."

Theater auf der Bühne nicht zu ersetzen

Die einzelnen Videos fügte Eva-Maria Conrad, Leiterin der Theatergruppe , zusammen. Insgesamt ein sehr aufwendiger Akt: "Die Herausforderung, einen Film zu drehen und zu schneiden ist im Unterrichtsalltag und unter Corona-Bedingungen sehr schwierig unterzubringen. Andererseits setzt man sich mit neuen Möglichkeiten auseinander und lernt viel dazu. Außerdem ist es gut, das Projekt, das so plötzlich und kurz vor der Aufführung von Corona unterbrochen wurde, dennoch wenigstens zu einem vorläufigen Ende zu bringen und so das Schuljahr abzurunden." Dennoch weiß die Leiterin der Theatergruppe : "Das Theater auf der Bühne und die Interaktion zwischen den Schülern bei der Stückentwicklung, den Proben, den Aufführungen ist nicht über den Film oder über Zoom-Konferenzen zu ersetzen. Auch die Publikumsreaktion fehlt den Schauspielern sehr."

Auch für die Schüler selbst ist das Online-Festival ein zusätzlicher Zeitaufwand: Während des Festivals läuft normaler Unterricht und Konferenzen. Die Zeit, sich alle Beiträge anzusehen und sämtliche Präsenzveranstaltungen mitzuerleben, fällt in den Nachmittag und Abend. Ein entspannter Kulturgenuss neben dem normalen Alltag ist das nicht. Auf einem Festival hat man ja normalerweise Zeit und den Kopf frei, weil man einfach vor Ort ist und miterlebt.

Ein Funken von Theater gerettet

"Der Wechsel zwischen Zoomkonferenzen, Live-Performances, digitalen Beiträgen und deren Bewertung per Padlet (Digitale Pinnwand - Anm. der Red.) ist anstrengend, auch für die Augen. Der Bildschirm trennt meiner Meinung nach mehr, als dass er Fenster in eine andere Welt eröffnet, so wie es das Theater eigentlich tun sollte. Außerdem fehlt das Gemeinschaftserlebnis auf allen Ebenen, denn nicht nur beim Dreh, sondern auch als Publikum ist man sehr allein und hat niemanden, mit dem man sich austauschen kann", bemerkt Eva-Maria Conrad, "das Vergnügen , der Abwechslungsreichtum und auch das Lernen neuer Konzepte rechtfertigt den Aufwand, der damit verbunden ist, nicht. Analoges Theater ist auf keinen Fall zu ersetzen. Die Interaktion, die zwischen den Gruppen auf einem Festival stattfindet, fehlt sehr und eine echte Festival-Atmosphäre kommt nicht auf. Trotzdem Danke an die Veranstalter, die wenigstens den Funken von Theater in dieser Zeit gerettet haben und dafür viel Zeit und Geduld in neue Mittel und Wege investiert haben."

Trotzdem hofft die Theatergruppe , die sich außerordentlich für dieses Festival engagiert hat, dass es wieder zu einer Aufführung vor dem Publikum kommt - zumindest im neuen Schuljahr .

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