Bad Bocklet

Steinach: Ein Aquarell soll Spenden bringen

bb-ksvd-Steinach Bergkapelle 01       -  Zum Ankauf dieses Aquarells, gemalt von Heinrich Roos, werden Spenden gesammelt.Repro: Elmar Freibott
| Zum Ankauf dieses Aquarells, gemalt von Heinrich Roos, werden Spenden gesammelt.Repro: Elmar Freibott

Nur ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs begannen heimgekehrte Soldaten auf Anregung des damaligen Ortspfarrers Johannes Schilling am Ortsrand von Steinach mit dem Bau der Bergkapelle, die bereits am 16. Oktober 1946 vom Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried geweiht werden konnte. Der Heimatverein Steinach lädt aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der Kapelle und der umliegenden Gedenkstätte am kommenden Sonntag, 17. Oktober, um 13 Uhr zu einer Andacht mit Diakon Michael Sell.

Nach anschließender Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) folgt der gesellige Teil, in dessen Verlauf Spenden für den Ankauf eines Aquarells gesammelt werden, das die Bergkapelle im Winter 1977 zeigt. Der Erlös des Festes ist für den Unterhalt der Kapelle vorgesehen.

Viele Verluste

Auch Steinach hatte im Weltkrieg viele Männer im Kampf an der Front verloren. Nur einen Monat vor Kriegsende fielen noch zusätzlich 85 der damals 784 Steinacher im dreitägigen Kampf um Steinach, vom 6. bis 8. April 1945. Dieser Toten zu gedenken, sahen heimgekehrte Soldaten als ihre Pflicht an und beschlossen am Jahreswechsel 1945/1946, dem Aufruf von Pfarrer Johannes Schilling folgend, den Bau einer „Kriegergedächtniskapelle“ auf einem 350 Meter hoch liegenden Grundstück am Bergskopf am südlichen Ausläufer des Mehlbergs, das Eigentümerin Barbara Metz der Katholischen Kirchenstiftung überließ.

Unter Aufsicht des Steinacher Poliers Otto Schäfer sen. wurde dort am 10. Juni der Grundstein gesetzt und mit Einsatz heimischer Arbeiter und Hilfskräfte der Bau aus Bruchsteinmauerwerk hochgezogen. Pfarrer Schilling hatte zuvor seine Helfer in Arbeitsgruppen für unterschiedliche Aufgaben eingeteilt. Doch nicht alles lief glatt, wie Hauptlehrer Kreller in seiner Chronik schilderte: So hatte Polier Schäfer bei der Aufstellung des gotischen Bogens auf ein Stützgerüst verzichtet, weshalb der Schlussstein nicht passte. Plötzlich kippte der komplette Bogen nach vorn und dem Polier vor die Füße. Kreller: „Eine peinliche Sache! Aber sie war nicht zu ändern.“ Erst danach ließ der Polier eine Verschalung zimmern und den Steinbogen erneut aufrichten.

Auch anderes wusste der Lehrer zu berichten: So machten die Bauarbeiter dem schönen Fräulein Angeline Fries neidvoll große Augen. Aber nicht etwa, weil sie die Dorfschönheit war, sondern weil das wohlhabende Bauernmädel aus Nickersfelden in den Arbeitspausen Butterbrote aß, die dick mit Wurst und Schinken belegt waren. „Das konnte sich, ein Jahr nach dem Krieg, niemand leisten.“ Nachdem das Werk in nur vier Monaten vollbracht war, stand die festliche Weihe bevor. Am 16. Oktober 1946 fuhr August Bocklet mit seiner Kutsche und eigenen Pferden den Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried voller Stolz zur Kapelle hinauf. Nach der Messe führte Pater Eugen, Lehrer am Münnerstädter Gymnasium, mit seinen Studenten das Theaterstück „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal auf, das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“.

Zum Gedenken der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und der im Kampf um Steinach umgekommenen Einwohner wurden westlich und östlich der Kapelle Reihen mit inzwischen 101 Kreuzen angelegt. „Das letzte Kreuz wurde auf Veranlassung von Pfarrer Thurn für den jüdischen Einwohner Adam Frank aufgestellt, der 1942 im KZ Dachau ermordet wurde“, weiß Elmar Freibott. Erst 1974 wurde die Gedenkstätte um das Denkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 ergänzt, das zuvor auf dem Steinacher Marktplatz stand.

Elmar Freibott war 2018 von Bürgermeister Sandwall gefragt worden, ob er sich als Nachfolger von Paul Roth um die Außenanlage rund um die Kapelle kümmern möchte. „Ich sagte spontan zu und organisiere ein paar Mal im Jahr freiwillige Helfer für die Pflege der Gedächtnisstätte.“ Zum Unterhalt der Kapelle hat sich die Marktgemeinde Bad Bocklet – bei der Eingemeindung von Steinach im Jahr 1978 – in einem Vertrag zwischen den Bürgermeistern Helmut Schuck (Steinach) und Alois Gundalach (Bad Bocklet) verpflichtet. In früheren Jahren fanden im Mai noch regelmäßig Marienandachten in der Bergkapelle statt. Auch für Taufen oder Feiern zu Goldenen Hochzeiten wurde sie gelegentlich genutzt. Auch daran soll am kommenden Sonntag mit der Jubiläumsandacht erinnert werden.

Heimatverein möchte Bild kaufen

Während der Jubiläumsfeierlichkeiten wird das vom Bad Kissinger Künstler Heinrich Roos im Jahr 1977 gemalte Aquarell „Kriegergedächtniskapelle im Winter“ ausgestellt. Noch ist es im Besitz des Neffen von Pfarrer Schilling. Doch der Heimatverein möchte dieses Bild nun kaufen und in den Räumen des künftigen Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshauses ausstellen.

Freibott: „So soll unser Ehrenbürger Johannes Schilling weiter in Erinnerung gehalten werden.“ Der Markt Steinach hatte dem Pfarrer im Jahr 1977 in Anerkennung seiner Verdienste die Ehrenbürgerschaft verliehen und ihm als „Bauherrn“ der Bergkapelle das gerahmte Aquarell von Heinrich Roos als Dankesgabe geschenkt. (svd)

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