Bad Kissingen

Stornierungswelle hat Folgen auch im Landkreis Bad Kissingen

Die Jahrestagung der Milton-Erickson-Gesellschaft hätte rund 1400 Teilnehmer in die Stadt geführt. Dass die Veranstaltung nicht stattfindet - und auch sonst Verunsicherung herrscht, bekommen unter anderem die Hoteliers zu spüren.
Die Bildungsstätte Heiligenhof bekommt die Auswirkungen der Corona-Entwicklungen deutlich zu spüren. Sofortiger Urlaub und Kurzarbeit ab 1. April gilt für fast alle 28 Mitarbeiter sind eine der Auswirkungen in der Einrichtung. Foto: Archiv/Benedikt Borst       -  Die Bildungsstätte Heiligenhof bekommt die Auswirkungen der Corona-Entwicklungen deutlich zu spüren. Sofortiger Urlaub und Kurzarbeit ab 1. April gilt für fast alle 28 Mitarbeiter sind eine der Auswirkungen in der Einrichtung. Foto: Archiv/Benedikt Borst
Die Bildungsstätte Heiligenhof bekommt die Auswirkungen der Corona-Entwicklungen deutlich zu spüren. Sofortiger Urlaub und Kurzarbeit ab 1. April gilt für fast alle 28 Mitarbeiter sind eine der Auswirkungen in der Einrichtung. Foto: Archiv/Benedikt Borst

Nach einem Jahrzehnt stetigen Wachstums versprachen auch die Monate Januar und Februar den Hoteliers und Gastronomen in Stadt und Landkreis Bad Kissingen wieder ein gutes Jahr. Doch die jetzigen Absagen von Veranstaltungen und Kongressen sowie freiwilliger Reiseverzicht und Grenzschließungen sorgen für eine gewaltige Stornierungswelle, deren wirtschaftliche Folgen dramatisch sind.

"Bis Ende Juni waren wir gut gebucht, sogar mit einer Bestmarke von 95 Prozent im Mai. Doch Anfang März kamen die Stornos", berichtet Pascal Muller, Direktor des Cup Vitalis, dem mit 174 Zimmern drittgrößten Hotel in Bad Kissingen . Jetzt sollten eigentlich Reservierungen für die Sommermonate und den Herbst kommen. "Das ist nicht der Fall."

Während Großhotels die finanziellen Einbußen womöglich durch Rücklagen auffangen können, ist dies bei kleinen und mittelständischen Hotels oder Pensionen kaum gegeben, weshalb dort die Auswirkungen dramatisch sind. Umsatzeinbußen bis zu 80 Prozent werden nach einer Blitzumfrage des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) für März erwartet. "In nächster Zeit werden wir wohl kaum Gäste haben", klagt auch Anna Krug, Inhaberin der Villa Spahn (24 Zimmer). "Dabei gehen die Stornos jetzt erst richtig los", bestätigt ein Kissinger Hotelier, der nicht genannt sein will und ergänzt: "Wer in dieser Situation aus Kulanz auf Stornogebühren verzichtet, ist im nächsten Jahr vielleicht nicht mehr da." Deshalb appelliert der BHG an den Staat: "Ohne schnelle und effektive Hilfe wird es eine Welle von Insolvenzen geben." Oberbürgermeister Kay Blankenburg ( SPD ) hat angekündigt, den Freistaat um finanzielle Unterstützung für die heimische Hotellerie und Gastronomie zu bitten.

Den Verlust ausgleichen

Den aktuell schmerzhaftesten Verlust bereitet der hiesigen Hotellerie und Gastronomie die plötzliche Absage der vom 19. bis 22. März geplanten Jahrestagung der Milton-Erickson-Gesellschaft (MEG) für klinische Hypnose. Die bis zu 1400 Teilnehmer waren in vielen Hotels eingebucht, Plätze in Restaurants reserviert und das Catering für Veranstaltungen bestellt. "Bei uns ist der finanzielle Schaden zum Glück überschaubar", schätzt Caterer Thomas Faber, Inhaber von Faber Feinkost, die eigene Lage ein. Er kann den erlittenen Verlust durch andere Geschäftsfelder etwas ausgleichen. " Catering macht bei uns nur 25 Prozent des Umsatzes."

In den Restaurants sind "die Auswirkungen massiv spürbar", formuliert es Stefanie Hippler, Chefin von Schubert's Wein und Wirtschaft, weitaus drastischer. Sie hatte ebenfalls Reservierungen für Teilnehmer der MEG-Tagung. Außerdem gibt es zur Zeit weniger Vorbestellungen. "Gäste und Firmen sind verunsichert." Obwohl die Hipplers ihr Geschäft eher mit kurzfristigen Buchungen machen, ist die Wirtin dennoch skeptisch: "Die Oster-Reservierungen hätten eigentlich jetzt kommen müssen." Auch Nadine Dittmeier, die gemeinsam mit Markus Wittenberg erst im Herbst das Restaurant Forsthaus Klaushof übernommen und 100 000 Euro in die Renovierung gesteckt hatte, beklagt einen "massiven Einbruch", der sie dazu zwingt, an Werktagen auf Mitarbeiter zu verzichten. "Nur an Wochenenden läuft es noch gut." Ab Ende Februar trafen bei ihr die Stornierungen ein. Doch nicht nur Gäste melden sich ab, Dittmeier selbst musste wegen des Veranstaltungsverbots die für Ostersonntag geplante Biergarten-Eröffnung absagen. "Ostermontag ist gut gebucht, aber am Sonntag wäre jetzt noch was frei."

Kurzarbeit ab 1. April

Sofortiger Urlaub und Kurzarbeit ab 1. April gilt für fast alle 28 Mitarbeiter der Bildungsstätte Heiligenhof. "Allein am Freitag haben 40 Gruppen storniert", klagt Stiftungsdirektor Steffen Hörtler. Obwohl die internationale Tagungsstätte mit Gästen aus ganz Europa im März zu 90 Prozent ausgebucht war, ist der Monatsumsatz nun um 70 Prozent eingebrochen.

"Grenzen sind geschlossen, Firmen verbieten ihren Mitarbeitern zu reisen." Die Absagen reichen bis in den Mai. Hörtler lobt die großzügige Regelung beim Kurzarbeitergeld, "aber die monatlichen Fixkosten des Heiligenhofs laufen ja weiter".

Wie sich das Geschäftsjahr entwickeln wird, kann niemand voraussagen. "Wir müssen uns überraschen lassen", klingt Dittmeier verzweifelt. Auch Hotel-Direktor Muller will nicht spekulieren. Er weiß aber, dass der Verlust eines heute nicht verkauften Zimmers nie wieder wettgemacht werden kann. Gerade wurde auch noch der jährliche Großkongress der Heiligenfeld-Akademie vom 14. bis 17. Mai mit 1 000 Teilnehmern storniert. Wieder verlieren die Hotels tausende Übernachtungen und die Gastronomie entsprechenden Umsatz.

Für die großen Kliniken ist momentan nicht die Bettenbelegung das vorrangige Problem, da die meisten Patienten ihnen zugewiesen werden und die Häuser unter Einhaltung von hygienischen Sicherheitsvorkehrungen noch gut ausgelastet sind. Diese Häuser haben jetzt ganz andere Sorgen: Da seit Montag alle Kindertagesstätten und Schulen geschlossen sind, müssen sie ihren Mitarbeitern bei der Kinderbetreuung helfen, um den Klinikbetrieb aufrecht erhalten zu können. So will die Median Frankenpark-Klinik (Bismarckstraße) Spielzimmer einrichten, verspricht Marketing-Leiterin Magdalena Nitz.

Angesichts der Coronavirus-Krise plant Bayern weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Geplant sind demnach wohl Einschränkungen in der Gastronomie und für Geschäfte, wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Regierungskreisen erfuhr. Zuvor hatte bereits Berlin öffentliche und nicht-öffentliche Veranstaltungen ab 50 Personen verboten. Das betraf etwa Kneipen, Bars , Spielhallen und Clubs.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bad Kissingen
  • Bars
  • Bereich Hotels
  • Catering
  • Deutsche Presseagentur
  • Frankenpark-Klinik
  • Gastronominnen und Gastronomen
  • Gaststätten und Restaurants
  • Hotel- und Gastronomiegewerbe
  • Hoteliers
  • Kay Blankenburg
  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Kurzarbeit
  • SPD
  • Spielsalons
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!