LKR Bad Kissingen

Südlink-Trasse: Klagt die Gemeinde Oerlenbach?

Kürzlich hat die Bundesnetzagentur einen Korridor in Unterfranken festgelegt. Und die Netzbetreiber schlagen einen exakten Verlauf vor. Beides betrifft vor allem Oerlenbach und Ebenhausen. Dort schließen sie rechtliche Schritte nicht aus.
So wird Südlink im südlichen Unterfranken in etwa verlaufen. Die Netzbetreiber haben darüber hinaus einen metergenauen Vorschlag gemacht.   Foto: Patty Varasano/MP-Grafik Jutta Glöckner       -  So wird Südlink im südlichen Unterfranken in etwa verlaufen. Die Netzbetreiber haben darüber hinaus einen metergenauen Vorschlag gemacht.   Foto: Patty Varasano/MP-Grafik Jutta Glöckner
| So wird Südlink im südlichen Unterfranken in etwa verlaufen. Die Netzbetreiber haben darüber hinaus einen metergenauen Vorschlag gemacht. Foto: Patty Varasano/MP-Grafik Jutta Glöckner

Der Verlauf des Südlink wird im südlichen Unterfranken immer konkreter. Für den Abschnitt der Stromtrasse zwischen Oerlenbach und Altertheim (Landkreis Würzburg) sei nun der Planfeststellungsantrag eingereicht worden, teilt der Netzbetreiber TransnetBW mit. Mit enthalten ist ein Vorschlag zum möglichen, metergenauen Leitungsverlauf, der auch Oerlenbach und Ebenhausen tangiert.

Erst kurz zuvor hatte die Bundesnetzagentur den 1000 Meter breiten Korridor festgelegt, in dem der Südlink durch die Region führen soll. Wo in diesem Streifen die Kabel in der Erde verlaufen, wird im nun gestarteten Planfeststellungsverfahren bestimmt.

Entwurf enthält auch mögliche Alternativen

Einen ersten Entwurf für diesen exakten Weg der Trasse - inklusive möglicher Alternativen - haben die Netzbetreiber dem Antrag beigefügt. Dabei geht es konkret um den westliche Zweig der Stromautobahn, die sich bei Oerlenbach teilt: Während der östliche Zweig nach Bergrheinfeld (Landkreis Schweinfurt) führt, zieht sich der westliche durch die Landkreise Bad Kissingen, Main-Spessart und Würzburg bis nach Baden-Württemberg.

Der Vorschlag ist zwar nach Angaben eines TransnetBW-Sprechers "noch nicht flurstückscharf geplant". Details seien trotzdem bereits zu erkennen, beispielsweise mögliche Bohrungen für die Mainquerung bei Zellingen (Lkr. Main-Spessart). Zudem werden an einigen Stellen alternative Wegführungen gezeigt. Insgesamt handele es sich bei dem Vorschlag um eine Art "Diskussionsgrundlage", um einen Entwurf eben, aber noch keine Festlegung.

Öffentlichkeit soll trotz Beschränkungen beteiligt werden

In den nächsten Monaten soll über diesen Vorschlag mit den kommunalen Behörden, Verbänden und Eigentümern sowie Bürgern diskutiert werden. "Unsere Planungen werden wir auch unter Corona-Bedingungen mit einem transparenten Dialog mit der Öffentlichkeit begleiten. Neben digitalen Formaten setzen wir dabei auf den klassischen Austausch per Brief und Telefon", so Werner Götz, Vorsitzender der TransnetBW-Geschäftsführung, laut Mitteilung.

Oerlenbachs Bürgermeister Nico Rogge weiß zwar um die Festlegung des westlichen Südlink-Korridors durch die Bundesnetzagentur . Den Vorschlag einer genauen Trasse kennt er aber nicht. Ein für den 12. November in Rannungen angesetztes Planungsgespräch sei wegen Corona abgesagt worden. Als Alternative bleibe Infomaterial, das der Gemeinde zugeschickt werde.

Rogge sagt, dass der jetzt festgezurrte Trassenkorridor mitten zwischen Oerlenbach und Ebenhausen hindurch nicht den bisherigen Vorstellungen vor Ort entspricht. "Der alte Gemeinderat hatte sich vor der Kommunalwahl für eine Trasse südlich des Gemeindegebiets ausgesprochen."

Nun müsse geprüft werden, ob der konkrete Trassenvorschlag Wald betreffe oder mögliche Erweiterungsflächen der Bundespolizei . "Wenn sich unser langjähriger Partner ausweiten, wäre es unglücklich für die Gemeinde, wenn dies aufgrund eines anderen, blockierenden Vorhabens nicht möglich wäre", sagt Rogge.

Neuer Gemeinderat und Gemeinde müssten sich die Sache "weiter kritisch anschauen und überlegen, ob sie Rechtsmittel einlegen oder nicht". Dies könne einzeln oder als Teil des Hamelner Bündnisses geschehen, das Landratsamt und Kommunen gegen den Südlink vereint.

Die Bürgerinitiativen im Landkreis, die vor Jahren vor allem gegen eine oberirdische Trassenführung von Südlink rebelliert hatten, planen derzeit keine öffentlichkeitswirksamen Aktionen mehr. Aber nach Worten von Markus Stockmann von der Initiative "Der Gegenstrom Elfershausen" wollen sie sich "im Dialogverfahren einbringen und es kritisch begleiten". Der Eingriff durch die Gleichstromtrasse solle "landschafts- und naturschonend verlaufen". Corona-bedingt müsse das Online geschehen.

Die Fortsetzung der Südlink-Planung trotz der Pandemie hatten Naturschützer und Bürgerinitiativen auch aus Unterfranken in den vergangenen Monaten massiv kritisiert. Eine echte Beteiligung der Öffentlichkeit kann aus ihrer Sicht wegen der Corona-Beschränkungen derzeit nicht stattfinden.

Allerdings haben die Netzbetreiber keine Zeit zu verlieren, der Plan für das Milliardenprojekt ist ehrgeizig. Bereits Ende 2026 soll der Südlink in Betrieb gehen und über gut 700 Kilometer Strom per Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen von der Nordsee bis in den Süden Deutschlands leiten. Susanne Schmitt/Steffen Standke

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